Stuttgart: Restalkohol kann Führerschein kosten

Stuttgart : Restalkohol kann Führerschein kosten

In der diesjährigen Karnevalssaison steht der Endspurt an. Närrisches Treiben und Feiern ist angesagt. Für wohl die meisten Narren gehört Alkohol dazu. Sie sollten aber nicht die Wirkung von Alkohol unterschätzen. Hat man bis in die Puppen gefeiert, ist am nächsten Morgen noch längst nicht alles vorbei.

So müssen Spätheimkehrer, die nachts um vier Uhr noch 1,6 Promille im Blut haben, noch mindestens bis zum Nachmittag, etwa elf bis 16 Stunden, warten, bis der Körper den Restalkohol komplett abgebaut hat. „Häufig wird die Gefahrenquelle Restalkohol unterschätzt”, schildert Thomas Wagner, Fachbereichsleiter bei der Sachverständigenorganisation Dekra in Stuttgart, seine Erfahrungen: „Es gibt definitiv kein Wundermittel, um Restalkohol schneller abzubauen. Nach einer Tasse Kaffee fühlt man sich zwar frischer, der Einfluss auf die Höhe des Alkoholspiegels ist jedoch unbedeutend.” Bei Feiern bis in den Morgen empfiehlt es sich, den Tag frei zu nehmen, sich keinesfalls zu früh ans Steuer eines Kraftfahrzeuges zu setzen oder Maschinen zu bedienen.

Grundsätzlich dauert der Alkoholabbau wesentlich länger als der Aufbau. „Ein gesunder, durchschnittlich schwerer Mann baut pro Stunde zirka 0,1 bis 0,15 Promille Alkohol ab. Bei Frauen liegt der Alkoholabbau etwas unter diesem Wert“, erläutert Verkehrspsychologe Don DeVol vom TÜV Thüringen: „Das bedeutet, dass nach einer lang ausgedehnten Party durchaus am nächsten Morgen auch nach acht Stunden Schlaf immer noch eine Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit vorliegen und der Blutalkoholspiegel über der 0,5-Promillegrenze liegen kann.“ Die Fahrerlaubnis wäre dann für mindestens einen Monat weg. Bei einer auffälligen Fahrweise beziehungsweise der Beteiligung an einem Unfall würden bereits 0,3 Promille Blutalkohol für Fahrverbot, Punkte sowie Geldstrafe ausreichen.

Laut aktuellem Bußgeldkatalog drohen bei einer Blutalkoholkonzentration von 0,5 Promille oder einer Atemalkoholkonzentration von 0,25 Milligramm pro Liter (mg/l) und mehr ein Fahrverbot von einem Monat, zusätzlich 500 Euro Bußgeld sowie zwei Punkte für Ersttäter. Auf Wiederholungstäter kommen 1000 Euro beim zweiten Mal und 1500 Euro bei der dritten Auffälligkeit zu. Außerdem müssen diese mit drei Monaten Fahrverbot sowie zwei Punkten im Flensburger Fahreignungsregister rechnen.

Wer unter Alkoholeinfluss eine Straßenverkehrsgefährdung begeht, das ist in der Regel ab einem Alkoholpegel von über 1,1 Promille im Blut der Fall, dem drohen verschärfte Strafen mit drei Punkten im Fahreignungsregister, dem Entzug der Fahrerlaubnis sowie einer Geldstrafe von bis zu 3000 Euro oder Freiheitsentzug. Für Fahranfänger in der Probezeit gilt auch in der Silvesternacht die strikte Einhaltung der Null-Promillegrenze. Sollten diese auch mit geringen Alkoholkonzentrationen unter 0,3 Promille mit dem Auto erwischt werden, sieht der Bußgeldkatalog 250 Euro Bußgeld sowie einen Punkt in Flensburg vor.

„Alkohol verringert schon in geringen Mengen das Reaktionsvermögen und erhöht die Risikobereitschaft”, warnt Dekra-Fachmann Wagner: „Für Autofahrer steigt das Unfallrisiko bei 0,5 Promille um das Doppelte, bei 0,8 Promille um das Vierfache und bei 1,1 Promille um mehr als das Zehnfache.“

(amv)
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