Brühl: Renault Espace: Kante war gestern

Brühl: Renault Espace: Kante war gestern

Vans waren gestern. SUVs sind gefragt. Mit dem Espace will Renault nun Interessenten beider Fahrzeugkategorien anlocken.

Geboten werden ein edles Design, guter Komfort sowie eine umfangreiche Ausstattung mit all jenen Zutaten, die man in dieser Preisklasse haben muss oder gerne hätte: Online-Multimediasystem, Head-up-Display, adaptives Fahrwerk, Allradlenkung und Assistenzsysteme vom Notbremsassistenten bis zum Parksystem, teils natürlich nur gegen entsprechende Aufpreise. So schlägt etwa das Multi-Sense-Paket mit Allradlenkung und adaptivem Fahrwerk mit 2000 Euro zu Buche. In der Basisausstattung werden für den Espace 40.150 Euro verlangt. Mit diversen Ausstattungsoptionen addierte sich der Kaufpreis des Testwagens auf 47.900 Euro.

Zwar entsprechen die Abmessungen Espace dem des bisherigen Gran Espace. Doch mit 1,67 Metern Höhe ist der Siebensitzer (Aufpreis: 800 Euro) gut sieben Zentimeter niedriger als bisher. Vor allem aber haben sich die Designer von der üblichen Van-Optik verabschiedet und nach eigenen Aussagen einen Hauch SUV beigemischt, etwa eine um vier Zentimeter auf 16 Zentimeter erhöhte Bodenfreiheit. Markante, fließende Linien lassen den neuen Jahrgang sportlich-dynamisch wirken. Ein mächtiger Kühlergrill und ausgeprägte Heckleuchten sorgen zudem für kraftvolle Optik.

Der um 1,6 Zentimeter auf 2,88 Meter gewachsene Radstand schafft die Basis für großzügige Platzverhältnisse im lichtdurchfluteten Innenraum. Allein die Frontscheibe (mit Akustikverglasung) misst 2,8 Quadratmeter Fläche. Nutzt man den Espace als Fünfsitzer, bietet die zweite Reihe auf den drei in der Länge und in der Neigung verstellbaren Einzelplätzen mehr als 30 Zentimeter Kniefreiheit. Die beiden im Fond versenkbaren Sitze sind relativ leicht zugänglich, für Erwachsene aber nicht wirklich zumutbar.

Ausgesprochen bequem lässt sich das Gestühl umklappen, um mehr Stauraum zu erhalten. Per Tastendruck auf den im Kofferraum angebrachten Schalter oder im zentralen Display in der Armaturentafel legen sich die Sitze einzeln oder alle fünf gleichzeitig um. Das Ladevolumen wächst von 247 Litern bei Nutzung aller Plätze auf bis zu 2035 Liter. Der Vorgänger offerierte allerdings bis zu 3,5 Kubikmeter. Praktisch die Lösung, das klassische Handschuhfach durch eine zwölf Liter fassenden Schublade zu ersetzen.

Bei Materialwahl und Verarbeitung hat der Espace erkennbar zugelegt, zudem wurde er auf mehr Luxus getrimmt. Der Innenraum wirkt futuristisch-luxuriös mit Lounge-Charakter. Viele Chromeinlagen und geschäumte Oberflächen schmeicheln dem haptischen Empfinden. Sehr modern und aufgeräumt zeigt sich die Gestaltung des Armaturenträgers mit einer breiten Mittelkonsole auf zwei Ebenen: oben das zentrale Bedienelement, unten Ablagemöglichkeiten.

Neben dem großen, digitalen Kombiinstrument dominiert ein hochkant gestelltes 8,7-Zoll-Tablet das Sichtfeld. Über das Online-Multimedia-System R-Link 2 werden von hier aus per Touchfunktion Radio, Navigation, Assistenzsysteme oder Klimatisierung gehandhabt. Um all das zu bedienen, benötigt es etwas Lernzeit und manches wird auch dann nicht besser, etwa die ergonomisch missglückte Platzierung des Cupholders.

Mit dem Multi-Sense-Paket an Bord, lässt sich per Display die Fahrdynamik variieren und Parameter wie das Ansprechverhalten des elektronischen Fahrpedals und die Lenkung, die Gangwechselgeschwindigkeit oder die Dämpferhärte verändern. Während die Modi „Neutral“ und „Comfort“ eher eine weiche Abstimmung zeigen, strafft sich bei „Sport“ das Fahrwerk.

Gleichwohl liegt bei dem Fronttriebler die Betonung stets auf komfortables Vorwärtskommen und dabei fällt dann auch weniger auf, dass das Doppelkupplungsgetriebe mitunter zögerlich seine Arbeit verrichtet und bei forcierter Kurvenfahrt deutliche Wankbewegungen spürbar werden. Unter dem Strich ist auch dank seiner vielen Assistenzsysteme der Van stets sicher und problemlos beherrschbar.

Als höchst angenehm erweist sich die Allradlenkung. Ein Elektromotor an der Hinterachse schlägt die Räder bei niedrigen Geschwindigkeiten entgegengesetzt und bis 3,5 Grad zu denen der Vorderachse ein. Dadurch wird der 4,85 Meter lange Espace angenehm und ungewohnt handlich.

Renaults Flaggschiff ist ein komfortables, geräumiges Auto zum Reisen, nicht zum Rasen. Interessant ist der Espace für all jene, die den Begriff „Lifestyle“ leben und die Eigenschaften eines SUV, eines Van und einer Limousine vereint wissen wollen.

(amv)
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