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Fahrbericht: Renault Clio als chic-gemachtes Evolutionsmodell

Fahrbericht : Renault Clio als chic-gemachtes Evolutionsmodell

Der Renault Clio ist mit knapp 15 Millionen Exemplaren seit 1990 das meistverkaufte Auto der französischen Marke, hauptsächlich wegen seines gelungenen Designs.

Vor diesem Erfolg hat Renault-Chefdesigner Laurens van den Acker den Clio V im Vergleich zu dessen Vorgänger optisch behutsam, aber dennoch effektiv weiterentwickelt. Technisch basiert der Clio nunmehr auf der sogenannten CMF-B-Plattform wie sein größerer Bruder Captur. Der konstruktive Kniff ermöglicht Renault, dass der aktuelle Clio zwölf Millimeter kürzer ist als sein Vorgänger, aber gleichwohl mehr Platz bietet. Trotz der vertrauten Formen macht der Clio einen mächtigen Sprung nach vorne, mit verfeinertem Antrieb sowie zeitgemäßen Assistenz- und Kommunikationssystemen und innen ansehnlich aufgemöbelt.

So finden sich im Innenraum schön aufgeschäumte Oberflächen, nur spärlich eingestreutes Hartplastik, hochwertige Polster. Mit dem Ausstattungslevel "Intens" (Basispreis: 18.190 Euro/Testwagenpreis: 21.290 Euro) blickt der Fahrer auf eine digitale Instrumententafel. Wer zudem 1300 Euro für das große „Easy Link“-Online-Multimediasystem investiert, bekommt nebst Navi, Smartphone-Integration und Digitalradio einen großformatigen und hochkant installierten 9,3-Zoll-Touchscreen. Dessen Menüführung stellt einen nicht vor Orientierungsprobleme.

Zudem gestatten sinnvollerweise eine Reihe von Direkttasten und Drehschaltern unmittelbaren Zugang zu verschiedenen Funktionen. Allerdings hält Renault an seinem Audio-Satelliten rechts hinterm Lenkrad fest. Eine zumindest gewöhnungsbedürftige Lösung. Auf- oder abgeschlossen wird schlüssellos via „Keycard Handsfree“. Schon als Basismodell präsentiert sich der Clio sehr ordentlich ausgestattet, unter anderem mit Verkehrszeichenerkennung, Tempopilot samt Geschwindigkeitsbegrenzer, Spurhalteassistent, Notbremsassistent inklusive Fußgängererkennung und vor allem mit Voll-LED-Scheinwerfern.

Vorne sitzt es sich luftig und bequem. Im Fond herrscht eher Economy- statt Businessclass. Zu dritt nebeneinander wird es eng, und auch der Zustieg gelingt nicht wirklich geschmeidig. Ablagen gibt es reichlich. Das Gepäckabteil bietet 391 Liter Stauraum, nach Umklappen der Rücksitzlehne (1/3 zu 2/3) tun sich 1096 Liter auf. Eine verschiebbare Fondsitzbank gibt es nicht, zumindest aber einen höhenverstellbaren Ladeboden. Weniger gelungen erweist sich im Alltag die hohe Ladekante und das Fehlen eines Griffs zum Öffnen der Heckklappe. Also heißt es, unter deren Rand zu fingern und dabei macht man sich die Hände unnötig schmutzig.

In dem Fronttriebler verrichtet ein Dreizylinder-Turbobenziner seinen Dienst (100 PS/160 Newtonmeter). Die Einliter-Maschine arbeitet akzeptabel kultiviert und dank einer langen Übersetzung bleibt der Clio bis etwa 160 Kilometer pro Stunde (km/h) relativ leise und liegt ruhig auf der Straße. An Steigungen jedoch verhungert er im fünften Gang. Dann heißt es, herunterschalten. Der Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 wird mit 11,8 Sekunden ausgewiesen. Als Höchsttempo nennt Renault 187 km/h. Im automobilen Alltag zeigt der Bordcomputer einen Verbrauch von rund sechs Liter Super.

Die Schaltung arbeitet exakt, und dank der guten Dämmung bleibt das Arbeitsgeräusch nur verhalten kernig. Das Fahrwerk ist sicher genug abgestimmt, um Kurven in flottem Tempo zu zirkeln, andererseits stimmt aber auch der Komfortlevel. Die Herausforderungen schlechter Wegstrecken meistert der Clio nicht nur gemessenen an seiner Fahrzeugklasse souverän. Zum guten Fahreindruck passt die leichtgängige Lenkung, die direkt, wenngleich etwas gefühllos arbeitet.

Der aktuelle Renault Clio ist kein Preisbrecher. Dafür ist die Konzernschwester Dacia zuständig. Moderne Technik, chice Optik, kein Chichi, wohl wenige Mitbewerber bietet solch einen gelungenen Kleinwagen mit zu fairen Preisen an.

(amv)