Geteilte Welten: Radler und Autofahrer auf den Straßen der Bundesrepublik

Geteilte Welten : Radler und Autofahrer auf den Straßen der Bundesrepublik

Radfahrer fühlen sich auf Deutschlands Straßen zunehmend unsicher. In einer Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) bewerteten Radfahrer die Sicherheit im vergangenen Jahr mit der Note 4,2. Das war deutlich schlechter als noch 2016.

Damals gab es die Note 3,9. Deshalb wird derzeit über Verbesserungen politisch diskutiert. Doch auch ohne weitere Regeln oder Reglements gibt es Verbesserungspotenziale. „Radler haben Rechte“, erinnert Gerhard Roth von TÜV Süd in München, „so muss der Kraftfahrer etwa beim Überholen mancherlei beachten“.

Bei einem zu geringen Abstand etwa kann ein Schlenker des Radfahrers oder der Luftzug des vorbeiziehenden Fahrzeugs schnell zu einem Unfall führen. Deshalb sollten sich Autofahrer und andere motorisierte Verkehrsteilnehmer so lange gedulden, bis es ausreichend Platz zum Überholen gibt.

Die Straßenverkehrsordnung schreibt vor, dass Autofahrer beim Überholen einen solchen Abstand einhalten müssen, der eine Gefährdung anderer ausschließt. „Weniger als eineinhalb Meter soll es bei Rad fahrenden aber in keinem Fall sein“, mahnt der TÜV Süd-Experte. In bestimmten Situationen ist auch diese Distanz laut richterlichen Entscheidungen sogar zu gering. Ab Tempo 90 heißt es zwei Meter Abstand, bei Steigungen oder einem mittransportierten Kind auf dem Fahrrad sind ebenfalls zwei Meter erforderlich.

„Missachtet ein Kraftfahrer diese Regeln, kann es richtig teuer werden. Kommt es nämlich aufgrund eines mangelnden Seitenabstandes zu einem Unfall, haftet der Autofahrer allein“, gibt Roth zu bedenken. So forderte das OLG Hamm in einem Urteil sogar einen Seitenabstand von 2,80 Metern, wenn es angesichts einer nahen Einmündung möglich ist, dass sich der Radfahrer nach hinten orientiert, um nach links abzubiegen. Wenn er dabei über die Schulter nach hinten schaut, kann der Radler leicht ins Schwanken geraten.

Eine immer wieder zu beobachtende Gefahrensituation herrscht, wenn ein Autofahrer einen Radfahrer überholt, der gleichzeitig ein parkendes Auto passiert. Denn dabei besteht die Gefahr, dass eine Fahrzeugtür plötzlich aufschwingt. Dies müssen Radfahrer einplanen und einen größeren Seitenabstand einhalten, wenn sie an stehenden Wagen vorbeifahren. Da ebenso der Autofahrer einen Mindestabstand zum Radler einhalten muss, summieren sich diese. „Mithin sollten Autofahrer in einer solchen Situation besser warten und sich auf keinen Fall vorbeimogeln“, plädiert der TÜV Süd-Fachmann und befindet: „Wenn der Verkehr und die Straßenverhältnisse kein gefahrloses Überholen zulassen, ist es tabu.“

Ganz besondere Vorsicht gilt überdies, wenn Kinder mit dem Rad unterwegs sind. Dann heißt es ohne Einschränkung: „Runter vom Gas, um jederzeit ausweichen oder bremsen zu können“, erinnert Roth an die geltende StVO. Dort steht, wer ein Fahrzeug führt, muss sich gegenüber Kindern, Hilfsbedürftigen und älteren Menschen, insbesondere durch Verminderung der Fahrgeschwindigkeit und durch Bremsbereitschaft, so verhalten, dass jegliche Gefährdung dieser Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist.