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Stuttgart: Porsche 911 Turbo: Der Preis des Machbaren

Stuttgart : Porsche 911 Turbo: Der Preis des Machbaren

Bei der Überarbeitung des Porsche 911 Turbo haben sich Ingenieure und Entwickler an die Grenzen des Machbaren herangetastet. Situationsgerecht agieren Lenkung, Antrieb, Spoiler, Getriebe oder Fahrwerk. Alles fein von elektronischen Helfern adaptiv dosiert. Das Ergebnis: rennwagenmäßiges Handling und Kraft im Überfluss liefert die Sportwagen-Ikone ebenso wie Langstreckenkomfort.

Allerdings haben sich auch Porsches Markt- und Preisstrategen der Entwicklungsmaxime ihrer Kollegen angeschlossen. 40 Jahre ist es her, dass Porsche erstmals einen 911 Turbo vorgestellt hat.. Damals leistete das Kraftpaket 260 PS.

Vier Jahrzehnte später besitzt „die Krone des Elfer“, wie Porsche-Chef Matthias Müller den Turbo bezeichnet, einen 3,8-Liter-Biturbo-Direkteinspritzer mit 520 PS samt einem Drehmoment von 710 Newtonmetern. Die S-Version, die Ende September erstes auf den Markt kommt, bringt es sogar auf 560 PS. Doch Zahlen sind nur Theorie. Die Praxis, das Fahren ist entscheidend. Und da wird deutlich, weshalb der Turbo, einerlei in welcher Leistungsversion, als Krone der Elfer-Baureihe gilt. Der Antritt des Sportcoupes atemberaubend.

In Zahlen: von null auf Tempo 100 sprintet der Turbo in 3,1 Sekunden. Erst bei 315 Kilometer pro Stunde ist die Grenze des Vortriebs erreicht (Werksangaben) - wenn eine freie Bahn oder eine abgesperrte Strecke vorhanden ist. Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (PDK) schaltet dabei unfassbar schnell. Selbst wenn man konzentriert auf die Gangwechsel lauert, spürt man sie nicht. Beim Hochschalten. Anders, wenn aus mittleren Geschwindigkeiten voll beschleunigt wird. Dann schaltet das Getriebe ein, zwei oder auch drei Gänge zurück und unter einem Fauchen springt der Wagen regelrecht nach vorn.

Liegen Kurven auf dem Weg, frisst der Turbo sie förmlich mit Heißhunger. Allradantrieb in Verbindung mit einer aktiven Hinterachslenkung tragen gegenüber dem Vorgänger zu einer weiteren Steigerung der Agilität bei. Bis zu 1,5 Grad lenkt die Hinterachse ein. So bauen sich schneller Seitenführungskräfte auf. Der Wagen wirkt unerschütterlich fahrstabil. Ein adaptiver Wankausgleich sattelt weitere Punkte in Sachen Fahrsicherheit auf. Das Ergebnis: Die möglichen Kurvengeschwindigkeiten sind nochmal höher geworden.

Größere Bremsen als zuvor sorgen andererseits für sicherere Verzögerungsmomente. Komplett neu ist ein adaptives Aerodynamikpaket samt einem variablen Frontspoiler. Laut Porsche eine absolute Weltneuheit. Ab Tempo 120 fährt die bis dahin eingeklappte Aerodynamikhilfe aus, um den Auftrieb an der Vorderachse zu verringern. Parallel schiebt sich der Heckflügel weiter nach oben. Das erhöht den Anpressdruck, mithin die Fahrstabilität.

Trotz aller Sportlichkeit ist der Porsche Turbo aber auch ein Sportwagen, mit dem es sich bei Bedarf bequem und komfortabel reisen lässt. Ob Rennstrecke oder die lange Autobahnfahrt, der Spagat gelingt bestens. Einen weiten Öffnungswinkel sollte allerdings auch das Portemonnaie aufweisen: 162.055 Euro für den Turbo und 195.256 Euro für den Turbo S. Offenkundig wurde auch der Preisgestaltung die Grenzen des Machbaren ausgelotet.

(amv)