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Stuttgart: Porsche 718 Boxter GTS: Eine Portion Extraspaß

Stuttgart : Porsche 718 Boxter GTS: Eine Portion Extraspaß

Es gibt Momente, da lässt man sich gerne anbrüllen. Etwa, wenn die 365 PS eines Porsche Boxster zum Leben erwachen. Wenn anschließend auch noch der Magen an die Wirbelsäule gepresst wird, und es scheinbar ohne Ende vorwärts geht, ist klar, dass das Kürzel „GTS“ hinter dem Namen eine gehörige Portion Extraspaß bedeutet.

Im klassischen Porsche-Sinne stehen die drei Buchstaben für besonders hohes Maß an Leistung in der Baureihe. Ein optimierter Ansaugtrakt sowie Feinschliff am Turbolader - der unter anderem zu einem Ladedruck von 1,3 bar führt - sorgen dafür, dass der 2,5-Liter-Vierzylinder-Turbo-Boxermotor im Vergleich zu den S-Modellen 15 und zum Sauger-Vorgänger 35 PS mehr Leistung offeriert.

Es ist beeindruckend, mit welcher Wucht der Boxster loslegt, wenn der rechte Fuß das Gaspedal durchdrückt. Gerade einmal 4,1 Sekunden dauert es, bis die Tachonadel bei Tempo 100 ankommt - vorausgesetzt, außer dem serienmäßigen Sport-Chrono-Paket ist auch das optionale Doppelkupplungsgetriebe (PDK/3254 Euro) an Bord. Das enorme Drehmoment von 430 Newtonmetern (Nm) schon ab 1900 Umdrehungen ist Garant für satte Durchzugskraft in allen Fahrsituationen. Überholmanöver sind so nicht nur spielerisch, sondern vor allem auch mit großen Sicherheitsreserven möglich. Auf freien Autobahnstrecken in den ganz frühen Morgenstunden genügen selbst wenige hundert Meter, um in die Nähe der mit 290 Kilometern in der Stunde angegebenen Höchstgeschwindigkeit zu kommen (Werksangaben).

Dass sich die Mundwinkel in diesen Momenten freudig nach ganz weit oben ziehen, versteht sich für einen Sportwagenfreund fast von selbst. Daran ändert auch die deutlich spürbare Erfahrung nichts, dass hiesige Überlandstrecken keineswegs so glattgebügelt sind wie sie meistens erscheinen. Bei zügigen Geschwindigkeiten hüpft die flache und dynamisch gezeichnete Flunder ganz schön über die zahlreichen Wellen im Asphalt. Die Sorge, dass einen das vor irgendwelche Probleme stellt, ist aber unbegründet. Schon die Platzierung des Triebwerks mittig zwischen den Achsen lässt den Boxster bestens auf der Straße liegen.

Die Eigenschaften des gekonnt abgestimmten und als GTS etwas tiefer liegenden Fahrwerks in Verbindung mit dem serienmäßigen adaptiven Dämpfersystem kommen jedoch am besten auf kurvenreichen Landstraßen zur Geltung. Sind Einlenkverhalten und Querdynamik schon im Normalmodus selbst bei richtig schneller Fahrt eine Wucht, schärft sich die Präzision von Federn und Dämpfern im Sportmodus sogar noch etwas mehr. Gleichzeitig erlaubt das Porsche Stability Management (PSM) mehr Schlupf an den Antriebsrädern - damit ist für Sicherheitsreserven gesorgt, wenn das das Heck doch einmal auszubrechen droht.

All das lässt sich mit dem 718 mit geschlossenem wie offenem Dach gleichermaßen gut erleben - der Steifigkeit der Karosserie tut das keinen Abbruch. Doch Landschaft und Himmel in der Kombination mit dem sonoren Grollen des Motors ungefiltert zu erleben, ist einfach die schönere Variante, mit dem Zweisitzer unterwegs zu sein. Nach nur neun Sekunden ist das Dach des 4,38 Meter langen Roadsters im Heck versenkt. Da selbst das Schließen so zügig vonstattengeht und wie das Öffnen bis Tempo 50 möglich ist, kann tatsächlich jede noch so kleine Regenlücke für das Cabrio-Vergnügen ausgenutzt werden.

Kühle Temperaturen müssen dank Sitzheizung (416 Euro) nicht von diesem Vergnügen abhalten. Dann schmiegt man sich einfach noch ein wenig tiefer in die mit feinem Alcantara (Serie) bezogenen Sportsitze (2.814 Euro), die passen wie ein Maßanzug. Generell ist das Platzangebot nicht gerade üppig, was groß und etwas kräftiger gebaute Personen mit Bedauern zur Kenntnis nehmen müssen. Bei einer Gesamtbreite von nur 1,80 Metern minimiert zudem die breite, jedoch übersichtlich gestaltete Mittelkonsole das Maß an Ellbogenfreiheit. Im Vergleich zu den wenigen Ablagemöglichkeiten im Passagierabteil ist der Stauraum fürs Gepäck vorne mit 150 Litern und weiteren 125 Litern hinten geradezu üppig: das reicht für drei fluggepäcktaugliche Trolleys plus Hand- und Laptoptasche.

Die schwarzen Designelemente, die mit dem Kürzel „GTS“ einhergehen, stehen dem 718 Boxster in der schicken Außenfarbe „kreide“ (Aufpreis: 2344 Euro) ausgesprochen gut. Bi-Xenon-Scheinwerfer oder die 20-Zoll Carrera S Räder mit Reifen 235/35 ZR 20 vorn und 265/35 ZR 20 hinten gehören ebenfalls ab Werk mit zum Lieferumfang. Der Basispreis von 78.160 Euro relativiert sich mit Extras wie der Navigation (1582 Euro), dem Bose-Soundsystem (1178 Euro), dem GTS-Interieur-Paket (2963 Euro) oder dem Parkassistenten (880 Euro).

Am Ende stehen gut und gerne 101.573 Euro unter dem Strich. Und dafür lässt man sich dann auch noch anbrüllen.

(amv)