Erfurt: Plattfuß wird erst ab 20 Prozent Druckabfall angezeigt

Erfurt: Plattfuß wird erst ab 20 Prozent Druckabfall angezeigt

Von einer Reifenpanne geht naturgemäß ein höheres Unfallrisiko aus als beispielsweise von einer defekten Batterie. Deshalb schreibt die EU inzwischen die Ausstattung mit einem Kontrollsystem vor. Es soll den Autofahrer rechtzeitig vor einem zu geringen Reifendruck, beziehungsweise einem Plattfuß warnen.

Reifenexperte Christian Heinz vom TÜV Thüringen in Erfurt warnt jedoch vor zu großem Technikvertrauen. „Die Systeme warnen den Autofahrer zwar rechtzeitig bei zu hohem Druckverlust, machen allerdings eine regelmäßige Reifendruckkontrolle nicht ganz überflüssig“, gibt Heinz zu bedenken.

„Sowohl die direkten Reifendruckkontrollsysteme, welche über Sensoren an den Ventilen den Druck in jedem Reifen messen, als auch die indirekten, die den Druck über die Radumdrehung ermitteln, bringen erst ab einem Druckverlust von 20 Prozent, beziehungsweise bei einem Minimaldruck von 1,5 bar die Kontrolllampe zum Leuchten“, erläutert der Reifenexperte. Bei einem normalen Reifenluftdruck von 2,5 bar würde das bedeuten, dass die Kontrollleuchte erst ab einem Druck von 2,0 bar Alarm schlägt. Ein Wert von 2,1 oder 2,2 bar wäre für diesen Reifen allerdings entschieden zu niedrig und würde sich sowohl auf den Spritverbrauch als auch auf den Reifenverschleiß auswirken.

Der Autoreifen ist die entscheidende Schnittstelle zwischen Fahrzeug und Fahrbahn. Er überträgt die Kräfte zur Beschleunigung, zum Bremsen und bietet die entsprechende Seitenführung des Fahrzeugs. Der richtige Reifendruck hat einen ganz wesentlichen Einfluss auf das Fahrverhalten und ist somit sicherheitsrelevant. Christian Heinz rät daher zur regelmäßigen Luftdruckkontrolle an allen Rädern.

Wichtig: „Der Reifendruck muss je nach Beladung des Fahrzeugs angepasst werden. Die Hersteller geben für die Fahrzeuge den Mindestluftdruck für kalte Reifen bei einer Umgebungstemperatur von zirka 20 Grad Celsius an. Dabei werden die unterschiedlichen Drücke für Vorder- und Hinterachse nach Beladungszustand vorgeschrieben“, erklärt Christian Heinz. Vor allem auf der Urlaubsheimreise sollten Autofahrer auf Nummer sicher gehen und den Reifendruck noch einmal überprüfen.

Laut dem europäischen Gesetzgeber sind Reifendruckkontrollsysteme für Pkw und Wohnmobile vorgeschrieben, die nach dem 1. November 2012 eine europäische Typgenehmigung erlangten und nach dem 1.November 2014 erstmals zugelassen wurden.

(amv)
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