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Aachen: Plagiate: Gefährliche Xenon-Brenner-Kopien

Aachen : Plagiate: Gefährliche Xenon-Brenner-Kopien

Das Angebot im Internet klingt verlockend: Ein Paar Xenonlampen für 29,90 Euro. Doch, „wenn hoch kompliziert zu fertigende Gasentladungs-Leuchtmittel zum Preis von einfachen Glühlampen angepriesen werden, geht es nicht mit rechten Dingen zu“, gibt Thorsten Brodda Lichtexperte bei Philips in Aachen zu bedenken: „Es handelt sich um Plagiate.“

Doch was passiert, wenn man im Internet solche Xenonlampen bestellt und einbaut? Im günstigsten Fall - nichts. Denn oft enthalten die winzigen Glasbrenner gar nicht die für den Gasentladungs-Lichtbogen erforderlichen Edelgase und -salze. Und beim Typ D1S ist das kleine Gehäuse an der Rückseite für die Steuerungs-Elektronikeinfach leer. „Es bleibt schlicht dunkel“, weiß Brodda.

Kritischer wird es, wenn das Internet-Schnäppchen tatsächlich zündet. Dann besteht Gefahr, dass die Lichtquelle nach gewisser Zeit wieder versiegt und der Autofahrer plötzlich im Dunkeln fährt, weil der Lichtbogen zusammenbricht. Oder dass mit zunehmender Erwärmung der aus billigem Fensterglas gegossene Glaskolben platzt und die Splitter den teuren Scheinwerfer ruinieren. Sehr oft verdampfen bei solchen Billig-Produkten auch Fertigungs-Rückstände und vernebeln den Scheinwerfer von innen. „Eine Reinigung ist in der Regel nicht möglich, der Scheinwerfer also ebenfalls schrottreif“, schildert Brodda weitere Folgen des vermeintlichen günstigen Angebots. Schlimmstenfalls kann durch den Einbau von gefälschten Xenon-Lampen der Kfz-Versicherungsschutz erlöschen.

Kommt es wegen der Billig-Brenner zu einem Unfall, ist zumeist der Fahrzeughalter in der Pflicht. Und Unfälle können hier leicht passieren, denn „Xenon-Plagiate halten in den weitaus meisten Fällen die vorgeschriebenen engen Fertigungs-Toleranzen im Zehntelmillimeter-Bereich nicht ein. Dann liegt der Brennpunkt schon mal ein paar Millimeter daneben und die Blendung entgegenkommender Verkehrsteilnehmer steigt ins Unermessliche“, schildert der Fachmann seine Beobachtungen. Weil gefälschten Lampen nicht für den Einsatz in Fahrzeugen zugelassen sind, erlischt darüber hinaus mit dem Einbau eines nicht genehmigten Teils die Allgemeine Betriebserlaubnis des Fahrzeugs. Zudem mögen die Prüfer von TÜV & Co. mit derartigen Kopien ausgestattete Fahrzeuge nicht und werden wohl bei der Hauptuntersuchung die Plakette verweigern.

Nach den Erfahrungen von Brodda ist es schwierig, Plagiate von Markenware zu unterscheiden. Denn die Nachmacher beherrschen zwar nicht die diffizile Produktion von hochwertigen Xenonlampen, wohl aber das Kopieren von Markenstempeln und Originalverpackungen. Deshalb hat sich der Lampenhersteller Philips beispielsweise entschlossen, alle Xenon-Autolampen mit einem Authentizitäts-Siegel (COA, Certificate of Authenticity) auszurüsten. Dazu befinden sich auf der Originalverpackung zum einen ein QR-Code, der sich mit einem Smartphone scannen lässt und zum anderen ein Sicherheitscode, den der Kunde wahlweise auf seinem Rechner eingeben und sich so die einwandfreie Herkunft seiner Xenonlampe bestätigen lassen kann (www.philips.com/original).

(amv)