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Fahrbericht: Neuer Kia ProCeed GT überzeugt als coole Kombination

Fahrbericht : Neuer Kia ProCeed GT überzeugt als coole Kombination

Es gibt Fahrzeuge, bei denen ist die Wahrscheinlichkeit darauf angesprochen zu werden oder einen anerkennenden Blick zu ernten, größer als bei anderen. Dass zu dieser Riege ein Kia gehört, mag zunächst verblüffen. Doch mit dem ProCeed GT hat der koreanische Hersteller ein wirklich gelungenes Modell im Angebot.

Liebhaber eines außergewöhnlichen Designs dürfen sich an der Formgebung des so genannten Shooting-Brake – ein viertüriges Coupé mit riesiger Heckklappe – erfreuen. Die flache, fließende Form der 4,61 Meter langen Karosserie steht Modellen wie einem Mercedes CLA Shooting Brake in nichts nach.

Mit 1,42 Metern Höhe ist der ProCeed vier Zentimeter niedriger als die Kombiversion des Ceed. Während Motorhaube und vordere Radhäuser noch identisch sind mit den anderen Familienmitgliedern der Baureihe, neigt sich die A-Säule schon deutlich flacher nach hinten, passt sich damit schön der zum Heck hin abfallenden Dachlinie an. Von hinten betonen ein durchgängiges Leuchtenband zwischen den LED-Rücklichtern sowie kraftvoll gezeichnete Stoßfänger die Breite des dynamisch wirkenden Wagens. Diverse Applikationen in Rot an der Frontschürze, dem Wabengrill oder den Einstiegsleisten sowie rot lackierte Bremssättel hinter den 18-Zoll-Leichtmetallfelgen unterstreichen die sportliche Optik.

Gleiches gilt für den Innenraum des Kia. Hier sorgen die in gleicher Farbe gehaltenen Ziernähte an den Türinnenverkleidungen oder den lederbezogenen Sportsitzen für Schick. Zudem sind die für den Fahrer elektrisch verstellbaren Polster (690 Euro/Komfort-Paket) bequem geschnitten, geben guten Halt und passen damit zu dem generellen Qualitätseindruck, den das gesamte Passagierabteil ausstrahlt. Ok, es gibt schon das eine oder andere Hartplastikteil. Und nicht alles, was chromfarben glänzt, ist wirklich aus Metall. Doch die moderne Gestaltung, das Verarbeitungsniveau und die übersichtliche Anordnung der Instrumente lassen darüber hinwegsehen. Auf zeitgemäßen Niveau ist nicht nur das volldigitale, hochauflösende 12,3-Zoll-HD-Display im Cockpit. Das leicht zum Fahrer gedrehte 10,25-Zoll-Navigationssystem (1290 Euro), das Bluetooth-Mehrfachverbindungen ermöglicht und dessen Bildschirm sich per Split-Screen-Funktion unterteilen lässt, unterstreicht ebenfalls die Wertigkeit des ProCeed GT. Smartphones können über die induktive Ladestation in der Mittelkonsole aufgeladen werden.

Tadellos präsentiert sich das Platzangebot. Bei einem Radstand von 2,65 Metern gibt es ausreichend Raum für die Knie. Trotz des flach gezeichneten Dachverlaufs haben selbst groß gewachsene Fondreisende genügend Kopffreiheit. Im Vergleich zum Sportswagon genannten Kombi ist das Kofferraumvolumen aufgrund der Schräge der Heckscheibe leicht eingeschränkt. Mit 594 Litern (maximal 1545/hintere Lehnen im Verhältnis 40:20:40 vorklappbar) sind es jedoch lediglich 30 Liter weniger. Das sollte zu verschmerzen sein.

Vor allem, da zum Lieferumfang außer der elektrisch zu bedienende Heckklappe noch ein praktisches Gepäckraum-Trennsystem zählt. Einkaufstaschen und Koffer können so mit wenigen Handgriffen vor dem Verrutschen gesichert werden.

Dazu könnte es ansonsten schon mal kommen, wenn der 204 PS starke 1,6-Liter-Benziner voll in Aktion tritt. Das maximale Drehmoment von 265 Newtonmetern (Nm) liegt zwischen 1500 und 4500 Umdrehungen an. Der Vierzylinder schafft den Sprint aus den Stand auf Tempo 100 in 7,6 Sekunden, wenn die volle Kraft über das Sechsgang-Schaltgetriebe auf die vordere Achse übertragen wird. Die Höchstgeschwindigkeit ist laut Kia bei 230 Kilometern in der Stunde (km/h) erreicht.

Während sich der Druckaufbau des Twin-Scroll-Turboladers im Cockpit sogar optisch verfolgen lässt, liefert ein sattes Röhren aus der Duplex-Klappenauspuffanlage akustisch den Beleg der Leistungsentfaltung. Einmal auf Touren bleiben die Arbeitsgeräusche jedoch so sehr im Hintergrund, dass Telefonate selbst bei höheren Geschwindigkeiten noch über die Freisprechanlage möglich sind. Wird das Triebwerk häufiger gefordert, ist es mit der Zurückhaltung in Sachen Spritverbrauch allerdings schnell vorbei. Dann gerät der WLTP-Wert von 6,8 Litern in weite Ferne und der Bordcomputer zeigt eher zweistellige Zahlen an. Mit etwas Disziplin am Gaspedal pendelt sich der Durst des Spitzenaggregats der Baureihe bei 8,2 Litern ein.

In Sachen Fahrwerk und Lenkung zeigt der ProCeed keinerlei Schwächen. Ob sportlich unterwegs, gemächliches Cruisen oder über schlechte Wegstrecken – diese Ceed-Variante meistert alles klaglos.

Auf jegliche Kritik kann zudem angesichts der umfassenden Serienausstattung ebenfalls verzichtet werden. So sind unter anderem Assistenten für drohende Frontkollisionen, das Verlassen der Fahrspur, zur Überwachung des toten Winkels, zur Warnung vor Querverkehr, zum Parallel- und Quereinparken ebenso an Bord wie ein DAB-Radio, Abstandsradar, LED-Scheinwerfer und Rückfahrkamera im Preis enthalten. Und das inklusive der genannten Extras für 34.100 Euro – eine Summe, die bei jeder Nachfrage zusätzlich für erstaunte Blicke sorgt.

(amv)