Berlin: Neue Verbrauchswerte und veränderte Kfz-Steuern

Berlin : Neue Verbrauchswerte und veränderte Kfz-Steuern

Zum 1. September dieses Jahres müssen für alle neu zugelassenen Personenwagen in Deutschland die sogenannten WLTP-Messungen (Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure) vorliegen. Hinter dem kryptischen Kürzel verbirgt eine neue Prüfnorm für den Kraftstoffverbrauch sowie den CO2-Ausstoß. Sie soll wirklichkeitsnähere Daten liefern.

Der ADAC rechnet mit Blick auf die anstehende Umstellung auf strengere Abgastests für viele Autofahrer mit steigenden Belastungen aus der Kfz-Steuer. Die Autohersteller wiederum kämpfen vielfach mit den entsprechenden Zertifizierungen. Bei manchen Herstellern ist nicht jedes gewünschte Modell derzeit verfügbar. Teils gibt es lange Wartezeiten.

Bei der neuen Testmethode werden mehr verbrauchsbeeinflussende Faktoren, wie Fahrstil, Wetter, Reifen und Fahrstrecke im Test berücksichtigt, erläutert der Autoclub ACE in Berlin. In der Folge fallen die gemessenen Verbrauchswerte größtenteils höher aus. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Abgasreinigungssysteme der Fahrzeuge. Autohersteller sind stärker gefordert, vorhandene Technologien anzuwenden und zu verbessern, damit ihre Fahrzeuge sauber sind und typgenehmigt werden.

Der WLTP ist wie der NEFZ ein Labortest auf dem Rollenprüfstand. Jedoch ist der neue Testzyklus 50 Prozent länger, erheblich dynamischer und verlangt den Fahrzeugen mehr Leistung ab. Auch bestehen höhere Anforderungen an die Testdurchführung, die Auswertung der Ergebnisse und deren Dokumentation. Beispielsweise wird der Einfluss der Sonderausstattung der verschiedenen Fahrzeugmodelle auf den Verbrauch geprüft.

Für die Ermittlung der Verbrauchswerte ist nun ein etwa doppelt so hoher Aufwand nötig - doch sind sie dadurch wesentlich realistischer. Zusätzlich zum WLTP werden, zur Kontrolle der Grenzwerteinhaltung für Stickoxide und Partikelanzahl, in der EU seit September 2017 schrittweise auch Straßentests (RDE - Real Driving Emissions) angewendet. Dabei wird der Fahrzeugverbrauch auf der Straße, unter realen Strecken- und Umweltbedingungen sowie unter Fahrzeuglast, abgebildet.

Die Einführung des WLTP für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge erfolgt schrittweise und nur für Neufahrzeuge ab kommenden Monat. Ein Jahr später, ab ersten September 2019, gilt das neue Messverfahren auch für leichte Nutzfahrzeuge sowie für Pkw der neuen Abgasnorm Euro 6d-Temp.

Bei Erstzulassung ab 1. September 2018 müssen sich Verbraucher daher, aufgrund der tendenziell steigenden, weil realitätsnäheren, CO2- und Verbrauchswerte, auf eine höher ausfallende Autosteuer einstellen, erwartet der ACE. Die internationale Forschungsorganisation ICCT spricht im Vergleich zum NEFZ von im Schnitt zehn bis 15 Prozent höheren Verbrauchs- und CO2-Angaben.

(amv)
Mehr von Aachener Zeitung