München: Motoröl: Lebenselixier für den Motor

München: Motoröl: Lebenselixier für den Motor

Das Angebot ist schier unüberschaubar, die Preisgestaltung ebenfalls. Zwischen 12,99 Euro als Supermarkt-Sonderangebot für fünf Liter Motoröl der Klassifizierung 15W-40 bis hin zum Hightech-Schmierstoff für knapp 63 Euro bei derselben Menge findet sich so ziemlich jeder Preis.

Es gibt klassische Mineralöle, synthetische Schmierstoffe, Leichtlauf- oder Longlife-Öle. „Und dass es sich laut den jeweiligen Werbeversprechen stets um ein besonders empfehlenswertes Produkt handelt, versteht sich von selbst“, schmunzelt Marktkenner Philipp Schreiber von TÜV Süd in München. Für ihn als Fachmann zählt nur eins: „Welche Ölsorte für den Motor vorgeschrieben ist, beziehungsweise die Mindestanforderungen des Herstellers erfüllt, steht in der Betriebsanleitung. Ist das Öl vom Autohersteller freigegeben, kann man getrost zur günstigsten Dose greifen.“

„Fahrzeughersteller testen die unterschiedlichen Motorenöle speziell an den eigenen Motorkonzepten, um die Erfüllung der spezifischen Anforderungen zu gewährleisten“, erläutert der TÜV Süd-Fachmann den Hintergrund seiner Empfehlung. Daher weisen Motoröle neben den üblichen Spezifikationen wie etwa der Viskosität auch Herstellerfreigaben auf. Die sind üblicherweise auf der Produktbeschreibung des Ölkanisters vermerkt, beispielsweise VW 507 00, Mercedes-Benz 229.51 oder BMW Longlife-04. Achtung: „Die Freigabe muss ausdrücklich vermerkt sein, ein Hinweis auf die jeweilige Herstellernorm reicht nicht“, erläutert Schreiber.

Gerade PS-starke Turbodieselmotoren mit Partikelfiltern, also die klassische Motorisierung für Vielfahrer-Autos und Geschäftswagen, stellen hohe Anforderungen ans Motoröl. „Um Garantieansprüche nicht zu verlieren, sollte man sich an diese Richtlinien halten“, legt Schreiber Autofahrern ans Herz, „aber auch jenseits der Garantie empfiehlt es sich, die Freigaben konsequent zu beachten, dann ist man immer auf der sicheren Seite“.

Das zweite wichtige Kaufkriterium für die Wahl des richtigen Öls ist dessen Viskosität. Sie definiert das Fließverhalten einer Flüssigkeit. Zäh wie Honig oder dünn wie Wasser sind Beispiele für hohe oder niedrige Viskosität. Mehrbereichsöle müssen beides können, um über einen weiten Temperaturbereich die erforderliche Schmierung sicher zu stellen. Entsprechend findet sich auf den Gebinden eine zweiteilige Kennzeichnung. Der erste von einem „W“ gefolgte Wert zeigt die Wintereignung an, der zweite die Zähflüssigkeit bei einer Temperatur von 100 Grad Celsius. Je höher dieser Wert ist, umso dickflüssiger ist das Öl bei hohen Temperaturen.

Ein 0W-40-Öl beispielsweise ist bis rund minus 40 Grad Celsius pumpfähig und sorgt für eine möglichst schnelle Schmierung bei einem Kaltstart. „Mit der Herstellerfreigabe hat dieser Wert allerdings nichts zu tun“, betont der TÜV Süd-Fachmann. Die Automobilhersteller geben in den Betriebsanleitungen ihrer Fahrzeuge aber an, welche Viskositätsklassen sie für die unterschiedlichen Temperaturbereiche geeignet halten. Moderne Motoröle basieren in ihrer Art und Leistungsfähigkeit auf unterschiedlichen Grundölen und -mischungen. Zusätzlich werden Additive eingesetzt, die durch chemische und physikalische Wirkung die Öl-Eigenschaften verbessern.

„Je nach Hersteller liegt dabei die Betonung mal auf motorischer Höchstleistung oder aber auch auf geringerem Kraftstoffverbrauch“, erläutert Schreiber zwei grundsätzliche Trends. Als Faustformel gilt, je höher der Anteil der Additive im Motoröl, desto höher die Qualität - und der Preis. Egal wie viel Technologie inzwischen im Öl steckt: Zwei Dinge haben sich nicht geändert. Motoren verbrauchen Öl und der Schmierstoff hält nicht ewig. „Es muss regelmäßig gewechselt werden“, erinnert Schreiber. Deshalb sollte man den festgelegten Intervallen in der Betriebsanleitung oder individuellen Service-Hinweisen im Display moderner Auto folgen.

(amv)
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