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München: Mit Kindern rechtzeitig den Schulweg üben

München : Mit Kindern rechtzeitig den Schulweg üben

„Schulanfänger sind auf Grund ihres Entwicklungsstandes den komplexen Situationen des Straßenverkehrs nicht immer gewachsen und schnell überfordert“, schildert Jürgen Brenner-Hartmann von TÜV Süd in München seine Erfahrungen. Geübt werden muss der sichere Schulweg also vorher - und nicht erst, wenn stolz die große Schultüte im Arm gehalten wird.

Alleine schon auf Grund ihrer geringen Körpergröße fehlt Erstklässlern vielfach der nötige Überblick. „Erwachsene sollten ruhig einmal in die Hocke gehen und so den Straßenverkehr aus Sicht der Kinder erleben“, rät Brenner-Hartmann: „Das wirkt.“

„Schulanfänger müssen erst lernen, sich dann richtig zu verhalten“, plädiert der TÜV Süd-Fachmann und „Kinder benötigen bis zu dreimal mehr Zeit als Erwachsene, um auf gefährliche Situationen im Straßenverkehr zu reagieren“. Ihr Hör- und Sehvermögen ist noch eingeschränkt. Die Orientierung fällt schwer. Außerdem versperren ihnen parkende Autos am Fahrbahnrand die Sicht.

Grundsätzlich sollten Eltern mit Schulanfängern den neuen Weg zu den üblichen Schulzeiten abgehen. So lernen die Kinder jene Verkehrsbedingungen kennen, die sie später allein zu meistern haben. TÜV Süd-Fachmann Brenner-Hartmann: „Als Faustregel gilt, einfache Schulwege mindestens drei bis vier Mal abgehen, schwierigere auch deutlich öfter.“

Unfallursache Nummer Eins bei Kindern, die zu Fuß zur Schule gehen, ist das Überqueren der Fahrbahn. Deshalb wollen diese Schritte besonders geübt sein: vor jedem Betreten der Fahrbahn am Bordstein stehen bleiben, nach allen Seiten schauen, zuerst nach links, dann nach rechts, dann wieder nach links, um dann auf kürzestem Weg über die Straße zu gehen. Wenn möglich, die Straße nur an Ampeln und Fußgängerüberwegen überqueren. An Zebrastreifen Blickkontakt zu den Autofahrern aufnehmen, ebenso auf Fahrbahnteilern.

„Kinder sind keine kleinen Erwachsenen“, erinnert Brenner-Hartmann: „Sie haben nicht den Überblick und verhalten sich mitunter völlig anders, davon abhängig, ob sie alleine oder in der Gruppe sind.“ Werden beispielsweise Klassenkameraden auf der anderen Straßenseite entdeckt, wird der Verkehr uninteressant. „Gerade jüngere Kinder lassen sich stark von ihrer Gefühlslage leiten und die kann sich schnell ändern“, weiß der Verkehrspsychologe von TÜV Süd.

Mit dem Fahrrad zur Schule sollten Kinder in den ersten Schuljahren überhaupt nicht fahren. Selbst wenn sie ihr Rad schon beherrschen, so sind sie im Straßenverkehr doch rasch überfordert, warnt Brenner-Hartmann. Wird mit dem Schulbus der Weg absolviert, dann empfiehlt Brenner-Hartmann Eltern, dies ebenfalls mit ihren Sprösslingen zu üben. Das gilt für den Hin- und Rückweg zur Haltestelle. Das gilt ebenso für das Ein- und Aussteigen. Immer erst an den Bus herantreten, wenn er zum Stehen gekommen ist und die Tür geöffnet hat. Nach dem Aussteigen warten, bis der Bus weggefahren ist und erst dann die Fahrbahn überqueren. Wenn möglich, am nächsten Fußgängerüberweg oder an einer Ampel. Wichtig ist zudem, dass das Kind rechtzeitig zur Haltestelle losgeht, damit es nicht unter Zeitdruck kommt

Wird das Kind mit dem Auto zur Schule gebracht, gilt wie sonst die Anschnallpflicht. Kinder bis zum 12. Lebensjahr sollten nach Möglichkeit hinten sitzen; erst ab 1,50 Meter Körpergröße dürfen Kinder den normalen Sitzgurt benutzen. Und: „Es dürfen nur so viele Kinder mitgenommen werden, wie auch im Auto gesichert werden können“, erinnert der TÜV Süd-Fachmann.

(amv)