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Brühl/Berlin: Mia, Volpe und Hiriko: Neue Kleinstwagenkonzepte für die Stadt

Brühl/Berlin : Mia, Volpe und Hiriko: Neue Kleinstwagenkonzepte für die Stadt

„Reduce to the max”, hieß es 1998, als Daimler den Smart auf den Markt brachte. Der damals 2,50 Meter kurze Kleinstwagen galt als die maximal mögliche Reduktion dessen, was man gerade noch als Auto durchgehen lassen kann. Doch das ist fast 15 Jahre her, in denen mehr als eine Million Fahrzeuge produziert wurden.

Während der Smart mittlerweile schon wieder etwas größer geworden ist und gerade dem Wechsel in die dritte Generation entgegen fährt, gehen andere Hersteller mit noch kleineren Fahrzeugen ins Großstadtrennen. Das Versprechen: Die Mobile sollen den Verkehr in den Metropolen flüssiger und die Luft sauberer machen.

Beflügelt werde diese Entwicklung vom Run auf den Elektroantrieb und dem Umstand, dass Batterien teuer und schwer sind, erläutert Gerd Lottspiepen, Sprecher des umweltorientierten Verkehrsclubs Deutschland (VCD) in Berlin. Denn je leichter ein Fahrzeug, desto weniger Akkuleistung benötige es für adäquate Geschwindigkeiten und praxistaugliche Reichweiten.

Das kommt der Popularität kleiner E-Autos mit ihren kompakten Akkus gegenüber Konzepten in der Größe herkömmlicher Autos zugute. Auch die Ansprüche an solche Fahrzeuge sind offenbar geringer: „Für viele Kunden wird eine Reichweite von 30 bis 50 Kilometer völlig ausreichen”, meint Lottsiepen. Das senke die Kosten, und bei entsprechenden Batteriekapazitäten seien kleine Fahrzeuge auch an jeder Haushaltssteckdose relativ schnell wieder aufgeladen.

Populärstes Konzept in dieser Klasse ist der Renault Twizy, der nach Angaben des französischen Herstellers in diesen Tagen für Preise ab 6990 Euro plus Akkumiete in den Handel kommt. Der Zweisitzer ist 2,30 Meter lang, 1,20 Meter breit und versteht sich als Mischung aus Motorroller und Kleinwagen. Vom Auto hat der maximal 80 km/h schnelle Elektro-Zweisitzer die vier Räder und das Lenkrad, vom Roller die Sitzposition und die zumindest teilweise offene Karosserie. Die Reichweite gibt Renault mit maximal 120 Kilometer an.

Wer Schutz vor Wind und Wetter sucht, der kann auf den Volpe warten. Dieser Zweisitzer ist eine italienische Entwicklung. Firmensprecherin Isabella Artioli bezeichnet ihn als „kleinstes Auto der Welt”. Er ist 2,20 Meter lang und 1,00 Meter breit und fährt mit bis zu vier elektrischen Radnabenmotoren, die zusammen 12 kW/16 PS leisten und Geschwindigkeiten von maximal 105 km/h ermöglichen. Die Produktion solle demnächst in China beginnen und sei ausgelegt für 150 000 Fahrzeuge im Jahr, sagt Artioli. Der Verkauf zu Preisen ab knapp 7000 Euro werde Anfang 2013 auch in Deutschland starten.

Auch die deutschen Hersteller liebäugeln mit derartigen Fahrzeugen. Schon vor fast einem Jahr enthüllten sie auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt am Main mit dem VW Nils, dem Audi Urban Concept und dem Opel Rak-E gleich drei Studien, die wie Kabinenroller aus der Zukunft anmuten. Doch seit dem Messedebüt ist es um die ultraleichten und extrem kompakten Elektrozweisitzer ruhig geworden.

Die Zurückhaltung der Hersteller mag an den mageren wirtschaftlichen Aussichten für solche Konzepte liegen. Denn „Fahrzeuge unterhalb des Smart, die also kürzer als 2,69 Meter sind, werden nicht der große Renner werden”, glaubt der Branchenkenner Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut der Uni Duisburg-Essen. Die Idee, kleine und erschwingliche Elektroautos zu bauen, sei zwar nachzuvollziehen. Allerdings ließen der Gebrauchswert, der Komfort und die Sicherheit zu wünschen übrig. „Wer etwas Kleines sucht, nimmt das Elektrofahrrad und wer ein Auto will, den Kleinstwagen”, sagt der Automobilwirtschaftsexperte.

Doch derzeit gibt es viele neue Miniaturmobile mit E-Antrieb, die den Großstädter überzeugen sollen. Bereits zu kaufen: die Mia, entworfen vom ehemaligen VW-Designer Murat Günak. Sie kostet nach Herstellerangaben ab 19 000 Euro und ist mit 2,87 Metern zwar vergleichsweise groß, bietet aber auch Platz für bis zu vier Personen.

Wem zwei Sitze wie im Smart genügen, dem liefert der italienische Hersteller Tazzari den Zero. Der weitgehend aus Kunststoff gefertigte Autoknirps schafft mit einer Akkuladung bis zu 140 Kilometer und erreicht nach Angaben des Herstellers Geschwindigkeiten von bis zu 90 km/h. Ab etwa 24 000 Euro kann man den Wagen bereits seit rund zwei Jahren erwerben.

Voraussichtlich erst 2013 zu kaufen gibt es den Hiriko. Den Zweisitzer haben amerikanische Wissenschaftler gemeinsam mit spanischen Investoren entwickelt. Seine Kabine ist mit Gelenken an den Achsen versehen: Wird das Auto abgestellt, stellt sich die Kabine automatisch schräg, die Achsen rücken zusammen, und der Winzling braucht nur noch einen halben Parkplatz.

Ein ganz ähnliches Konzept verfolgt das EO Smart Connecting Car vom Institut für Robotik an der Universität Bremen: Auch dieser Zweisitzer verkleinert sich für enge Parklücken, kann quer einparken und ist zudem so konstruiert, dass einzelne Fahrzeuge wie Waggons zu Zügen gekoppelt werden können. Auf gemeinsamen Etappen könnten so Verkehrsfläche und Energie gespart werden, argumentieren die Entwickler. Ihre Vision gibt es bislang allerdings nur als Prototyp und Computeranimation.

VCD-Experte Lottsiepen hält große Stücke auf die kleinen Flitzer. „Motorisierte Kleinfahrzeuge haben aus verkehrlicher Sicht Sinn, weil sie gegenüber dem Auto platzsparend sind. So kommt man leichter durch die Ballungsgebiete”, sagt der Lobbyist. Er lobt auch die bessere Umweltverträglichkeit: „Als Elektrofahrzeuge brauchen sie weniger Energie, stoßen weniger Schadstoffe aus und emittieren weniger Lärm.”

Ob sich entsprechende Fahrzeuge durchsetzen, hänge nicht zuletzt vom Preis ab, der wohl am Anfang doch noch relativ hoch sein werde, schätzt Lottsiepen. Immerhin die voraussichtlich weiter steigenden Spritpreise könnten den neuen, kleinen Elektrofahrzeugen im urbanen Verkehr doch noch zum Durchbruch verhelfen.