Stuttgart: Mercedes SL: Der Sonne entgegen

Stuttgart: Mercedes SL: Der Sonne entgegen

Michael Scheer, Leiter der Entwicklung des SL, weiß, welchen Kundenansprüchen der neue Mercedes-Zweisitzer gerecht werden muss: „Er soll exklusiven Roadster-Fahrspaß mit unternehmens-typischen Stärken bei Komfort, Sicherheit und Alltagstauglichkeit verbinden.”

Dem wird der SL gerecht, nur bei dem von Scheer beschworenen „sportlichen Fahrspaß” sollte man nicht zu viel erwarten. Trotz Leichtbau, Leistung satt (435 PS) und einer Leistungsshow moderner Elektronik - ein agiler Sportwagen ist der Mercedes SL 500 nicht. Seine Lorbeeren verdient er sich als luxuriöser Gleiter, mit dem selbst lange Distanzen der Sonne entgegen Spaß bereiten.

Einen Platz auf der Sonnenseite des Lebens sollte man allerdings auch als Käufer haben. 117.096 Euro kostet der SL 500, der 306 PS starke SL 350 immerhin 93.534 Euro. Bei diesen Preisen hat man die umfangreiche Zubehörliste noch nicht einmal aufgeklappt. Andererseits soll man mit dem SL auch sparen können.

Dank diverser Effizienzmaßnahmen samt dem optimierten Automatikgetriebe 7G-Tronic Plus fällt laut Mercedes der Verbrauch gegenüber den Vorgängermodellen um beinahe 30 Prozent geringer aus. Entsprechend lautet die Bilanz des SL 500: 9,1 Liter pro 100 Kilometer (minus 22 Prozent), mithin 212 Gramm je Kilometer (g/km) CO.

Natürlich ist eine solche Verbrauchsangabe ein Papierwert. Doch bereits bei der Konstruktion wurde Sparwillen oder -zwang Tribut gezollt. Durch konsequente Gewichtsreduzierung sollte der Bedeutung des berühmten Kürzels SL - super-leicht - neues Leben eingehaucht werden: Zum ersten Mal in der Firmengeschichte verwirklichte Mercedes einen Vollaluminium-Rohbau in der Großserie. Der wiegt rund 110 Kilogramm weniger, als er in der Stahl-Technologie des Vorgängers wiegen würde.

„In der Praxis wirkt sich das so aus, als ob ein Beifahrer der Schwergewichtsklasse ausgestiegen wäre”, verdeutlicht Thomas Rudlaff, verantwortlich für die Aluminium-Rohbaustruktur. „Das Ergebnis ist spür- und messbar. Weniger Gewicht bedeutet mehr Dynamik.” Um sie nach Belieben auskosten zu können, wird der SL mit zwei unterschiedlichen Federungssystemen angeboten: Serienmäßig fährt der Roadster mit einer semi-aktiven Verstelldämpfung. Alternativ ist auf Wunsch die aktive Fahrwerkregelung Active Body Control (ABC) erhältlich.

Beide verrichten ihre Aufgaben, wie man es bei einem Luxusportwagen erwarten darf. Dabei sind die Anforderungen angesichts der Fahrleistungen des Achtzylinders nicht gering. 700 Newtonmeter sorgen für beeindruckenden Schub. Aus dem Stand auf Tempo 100 sprintet der SL 500 in 4,6 Sekunden (Werksangaben) und beweist ganz nebenbei, dass Leistungsausbeute und Lärm nicht grundsätzlich in einem Zusammenhang stehen. Lässt man es schnell angehen, besticht der SL mit Lenkpräzision und sicherem Fahrverhalten.

Beim Beschleunigen aus Kurven liefert der V8 so viel Kraft, dass schon mal das Heck ein wenig einschwenkt, bis die Elektronik die Situation ebenso prompt wie sicher beruhigt. Soviel Kurvenspaß war dem Vorgänger fremd.

Besonders stolz ist Mercedes auf sein neues Scheibenwaschsystem mit dem pompösen Namen „Magic Vision Control”. Dabei wird das Waschwasser direkt vor die Wischlippe des Wischerblattes gesprüht, Beim Sprühen behindert kein Wasserschwall die Sicht und die Scheibe wird trotzdem sauber. Konsequent durchdacht wurde das Zugangssystem für den Kofferraum. Damit lässt sich der Kofferraumdeckel freihändig und berührungslos betätigen. Es genügt eine Fußbewegung im Bereich des hinteren Stoßfängers. Als - nach eigenen Angaben - einziger Hersteller bietet Mercedes allerdings ein System an, das den Heckdeckel nicht nur automatisch öffnet, sondern ebenso schließt.

Damit SL-Fahrer selbst bei kühlem Wetter ein Open-Air-Erlebnis genießen können, wird wie bereits beim Vorgänger als Sonderausstattung die Kopfraumheizung Airscarf angeboten. Weltweit einzigartig ist laut Mercedes das Frontbass-System. Es nutzt freien Bauraum in den Aluminium-Hohlstrukturen vor dem Fußraum zur Unterbringung der Basslautsprecher. Das Ergebnis: Selbst bei offenem Auto knackige Bässe und ein Sound, bei dem man sich glatt die Fahrt zum Konzertsaal sparen könnte.