Mercedes E300d Cabriolet ist eine elegante Frischluftlounge für Vier

Fahrbericht : Mercedes E 300 d Cabriolet ist eine elegante Frischluftlounge für Vier

Es gibt wohl nur wenige Autos, die in Bewegung mehr Ruhe und Gelassenheit verströmen als die Mercedes E-Klasse. Ihr Credo lautet Ausgeglichenheit, egal unter welchen Umständen, auf der Autobahn ebenso wie auf der Landstraße.

Mit der Cabrio-Version E 300 d fügt Mercedes dem Kapitel Schöner-Cruisen eine besonders markante Variante hinzu. Schon nach wenigen Kilometern wird klar, hier waren Entwickler zu Werke, die dem Fahren unter freiem Himmel wohl selbst gerne frönen. Das merkt man an praktischen Details wie dem Zentralschalter für alle vier Seitenscheiben, den geräumigen Ablagen mit Deckeln darüber oder den Warmluftdüsen in den Kopfstützen für längeren Open-Air-Genuss an kühlen Tagen.

Das E-Cabrio zählt zu den seltenen Viersitzern in dieser Fahrzeugspezies. Der Einstieg nach hinten wird durch elektrisch vorfahrende Vordersitze einigermaßen erträglich. Ein auf Knopfdruck ausfahrbares Windschott sorgt im Fond für etwas weniger Luftwirbel im Haupthaar. Der Kofferraum erweist sich als reisetauglich. So lässt sich die Verdeckmulde auf Knopfdruck rauf- und runterklappen, mittels umklappbarer Rückenlehnen in der Länge erweitern. Und das Verdeck schließt solide und hält Außengeräusche weitgehend fern. Es kommt also auch in dieser Hinsicht keine Sehnsucht nach einem Klappdach auf.

Das Öffnen und Schließen des elektrischen Stoffverdecks dauert nur 20 Sekunden und ist während der Fahrt (bis 50 km/h) möglich. Es ist so gut gegen Geräusche isoliert, dass man bei geschlossenem Dach kaum einen Unterschied zum Coupé bemerkt, und wenn das Dach des elegant gezeichneten Mercedes geöffnet wird, die Fenster oben bleiben, die Windschotts ausfahren und die in die ­Sitze integrierten Warmluftschals (Airscarf) voll aufgedreht sind, wird man selbst an kühlen Tagen wenig davon spüren, dass man unter freiem Himmel unterwegs ist.

Ausstattung und Antrieb orientieren sich weitgehend an Limousine und Kombi. Das gesamte Interieur, wie überhaupt das gesamte Fahrzeug, präsentieren sich auf hohem Niveau. Eine tadellose Verarbeitung samt einer gekonnten Materialwahl und -zusammenstellung schaffen Loungecharakter. Dominiert wird der Innenraumeindruck durch das digitale Cockpit, bestehend aus zwei 12,3 Zoll Displays, die besonders hochauflösend Tacho, Drehzahlmesser, sonstige Fahrdaten und Infotainment-Inhalte darstellen. Bei den Designs des XL-Doppel-Bildschirms kann der Fahrer aus drei Anzeigeoptionen (Classic, Sport und Progressive) wählen. Über den Drehdrücksteller auf der Mittelkonsole, der per Touchscreen Handschriften erkennt, und nicht zuletzt die Touchpads am Lenkrad bedient der Fahrer das Infotainment-System.

Eine ganze Armada von Assistenzsysteme - teils optional - steht zudem bereit, dem Fahrer sein Tun zu erleichtern, beispielsweis das Park-Paket mit 360-Grad-Kamera. Das Head-up-Display erleichtert insbesondere Brillenträgern, Tempo oder Navigation im Augenmerk zu behalten. Ob man zusätzliche 335 Euro für das sogenannte Air-Balance-Paket investiert, muss jeder Cabriofahrer wohl für sich entscheiden. Das System liefert - naturgemäß nur bei geschlossenem Dach - nicht nur verschiedene Düfte für den Innenraum, sondern dient überdies der Ionisierung der Innenraumluft sowie einer optimierten Filtration.

Der 245 PS starke Diesel, gekoppelt mit einem Neungang-Automatikgetriebe passt hervorragend zum Cruisercharakter des Cabrio und liegt auf aktuellem Schadstoffniveau (Euro 6d-Temp -EVAP). Verbrauchswerte um sieben Liter lassen sich problemlos erfahren. Bei Bedarf verändert sich per Kopfdruck das Fahrverhalten. Je nach Fahrprogramm werden beispielsweise die Charakteristik von Motor, Getriebe, Fahrwerk und Lenkung verändert. Die Software liefert mal mehr Komfort, mal mehr Fahrdynamik oder legt den Schwerpunkt auf Sparsamkeit. Grundsätzlich betonen Federung und Dämpfung den Komfortcharakter, das Cabrio kann aber seine sportive Seite betonen.

Soviel Fahrvergnügen hat naturgemäß seinen Preis und den beziffert Mercedes mit knapp 75.000 Euro. Mit dem einen oder anderen Kreuzchen auf der ebenso umfangreichen wie verführerischen Optionsliste addierten sich bei der Testwagenversion 89.071,50 Euro beisammen. Darin sind dann auch ein 66 Liter fassender Tank (Aufpreis: 50 Euro) oder zwei Warnwesten (20 Euro) enthalten.

(amv)
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