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Standheizung: Kuschelige Wärme per Smartphone

Standheizung : Kuschelige Wärme per Smartphone

Beschlagene Scheiben und Guckloch-Fahren trüben die Sicht. Im Fahrzeuginneren herrscht unangenehme Kälte. Spätestens jetzt denkt so mancher Autobesitzer über die Anschaffung einer Standheizung nach.

„Die gibt es für zahlreiche Autotypen zur Nachrüstung“, schildert Eberhard Lang von TÜV Süd in München seine Erfahrungen und verweist auf zwei Vorteile: „Im angenehm temperierten Auto kann die dicke Winterjacke auf dem Rücksitz bleiben und schränkt somit die Beweglichkeit des Fahrers sowie den Sitz des Sicherheitsgurtes nicht ein. Das immer wieder zu beobachtende Scheibenkratzen bei laufendem Motor gehört der Vergangenheit an – aber das ist laut dem Gesetzgeber sowieso verboten.“

„Nahezu jedes marktgängige Fahrzeug lässt sich mit einer Standheizung nachrüsten“, schildert Lang seine Erfahrungen, „aber der Einbau ist etwas für die Fachwerkstatt. Bei modernen Autos sind dazu spezielles Know-how und Erfahrung nötig.“ So müssen beispielsweise Teile der Verkleidung im Motorraum entfernt und neue Anschlüsse an Tank, Batterie und Heizgebläse verlegt werden. Schließlich wird das Steuergerät an die Bordelektronik angeschlossen.

„Grundsätzlich besteht die zusätzliche Heizung aus drei Komponenten“, erläutert der TÜV Süd-Fachmann die Wärmetechnik: „Dem Heizgerät, dem elektronischen Steuergerät sowie dem Bedienelement zum Einschalten und Programmieren.“ Die Bedienung erfolgt entweder über eine Zeitschaltuhr oder per Funk-Fernbedienung. Die besitzt eine ausreichende Reichweite, um das Heizaggregat selbst von der Wohnung aus zu aktivieren. Zudem werden Standheizungen angeboten, die über ein Mobilfunk-Modul verfügen und so per Smartphone aktiviert und programmiert werden können. So kann beispielsweise gewählt werden, ob nur die Scheiben abgetaut oder der ganze Innenraum temperiert werden soll.

In der Funktionsweise wird zwischen elektro- oder brennstoffbetriebenen Standheizungen sowie zwischen Luft- und Wasserheizungen unterschieden. Während bei der Stromvariante nach dem Prinzip eines Tauchsieders ein 230 Volt-Anschluss nötig ist, werden brennstoffbetriebene Standheizungen durch den fahrzeugeigenen Treibstoff versorgt. In Personenwagen kommen fast ausschließlich Wasserheizungen zum Einsatz. Sie werden mit dem Kühlwasserkreislauf des Motors gekoppelt.

Als Nachteile dieser Technik wird immer wieder der Treibstoffverbrauch genannt. Die kleinen Öfen liefern unter Volllast mindestens vier Kilowatt Heizleistung und verbrauchen in der ersten halben Stunde zirka 0,3 Liter Kraftstoff. „Unter dem Strich allerdings wird der Kraftstoffverbrauch der Standheizung praktisch kompensiert, weil der verbrauchsintensive Kaltstart stark gemindert wird“, relativiert der TÜV Süd-Fachmann den vermeintlichen Mehrverbrauch und nennt für umweltbewusste Fahrer einen weiteren Vorteil: „Bei einem Warmstart stößt das Auto bis zu 60 Prozent weniger Schadstoffe aus als bei einem Kaltstart.“ Zudem kommt der Komforteffekt. Aktuelle Gerätegenerationen verströmen Wärme schon kurz nach dem Einschalten. Damit lohnt die Standheizung selbst auf kurzen Strecken.

(amv)