Unfallforschung: Kleiner Unterschied mit großen Folgen

Unfallforschung : Kleiner Unterschied mit großen Folgen

Macht es überhaupt einen nennenswerten Unterschied, ob ein Autofahrer 10 Kilometer pro Stunde (km/h) schneller als erlaubt durch eine Tempo-30-Zone fährt oder das Tempolimit beachtet? Dieser Frage sind Fachleute der Dekra in Stuttgart nachgegangen.

Das Ergebnis: 10 km/h mehr oder weniger können entscheiden, ob es zu einem Unfall mit Schwerverletzten kommt oder nicht.

Die Ursachen für Unglücke zwischen Fahrzeugen und Fußgängern oder Radfahrern sind vielfältig: Unaufmerksamkeit, Ablenkung, ein Kind, das einem Ball hinterherläuft, gehören ebenso dazu wie Sichthindernisse, wie etwa parkende Fahrzeuge, Reklametafeln oder Schaltkästen, oder die späte Erkennbarkeit durch kontrastarme Kleidung bei Dunkelheit. In solchen Situationen spielt es eine große Rolle, ob ein Fahrzeug die zulässige Geschwindigkeit, einhält oder überschreitet - unabhängig davon, ob 30 oder 50 km/h vorgegeben sind, erläutern die Unfallforscher.

Angenommen, ein Kind läuft in einer Tempo 30-Zone rund 13 Meter vor einem Auto auf die Fahrbahn. Hält sich der Autofahrer genau an Tempo 30, kann er reagieren und das Fahrzeug mit einer Vollbremsung noch genau vor dem Kind zum Stehen bringen. Anders sieht es aus, wenn das Fahrzeug 40 km/h schnell ist. Die Strecke zum Anhalten verlängert sich dann auf 19,3 Meter. Das Kind würde in diesem Fall noch mit einer Geschwindigkeit von rund 35 km/h erfasst.

Schwerste bis tödliche Verletzungen sind bei diesen Geschwindigkeiten keine Seltenheit. Fährt das Auto mit 50 km/h, würde das Kind noch innerhalb der Reaktionszeit des Fahrers, also mit der vollen Fahrgeschwindigkeit von 50 km/h erfasst.

„Für Autofahrer ist es wichtig, die zulässige Geschwindigkeit einzuhalten und in Straßen mit schwer einsehbaren Bereichen gegebenenfalls langsamer als maximal zulässig zu fahren“, sagt Dekra-Unfallforscher Markus Egelhaaf. Fußgänger sollten im Dunkeln unbedingt auf gute Sichtbarkeit durch kontrastreiche Kleidung und Reflektoren achten und die Fahrbahn nicht an unübersichtlichen Stellen überqueren, für Radfahrer sei zusätzlich eine funktionierende Beleuchtung unerlässlich.

(nom)