Düsseldorf: Klappstuhl und Kekse: Campen live zur Caravan-Messe

Düsseldorf: Klappstuhl und Kekse: Campen live zur Caravan-Messe

Campers Glück ist perfekt. In Klappstühlen haben Syb und Jacqueline Grasman es sich vor ihrem Wohnmobil bequem gemacht. „Hier ist ja der Boulevard”, sagt die 46 Jahre alte, braungebrannte Niederländerin. Sie zeigt auf die kleine Asphaltstraße auf dem Parkplatz und lächelt.

Ihr Ehemann Syb (61) sitzt mit nacktem Oberkörper entspannt daneben und blinzelt in die Morgensonne. Kaffeetasse und Kekse sind griffbereit. Das Ehepaar aus der Nähe von Rotterdam kommt seit zehn Jahren nach Düsseldorf zur Messe Caravan Salon und wartet jetzt auf alte Bekannte. „Wir kennen viele Leute.”

Wenn die neun Tage dauernde Freizeit-Messe beginnt, verwandelt sich ein Parkplatz in ein riesiges „Caravan Center”. Denn natürlich kommen zu dem alljährlichen Branchentreff die echten Fans mit dem Eigenheim auf vier Rädern. In der Spitze parken hier 4500 Wohnanhänger und Reisemobile. Jedes Jahr übernachten mehr als 30 000 Besucher.

Zwar öffnen die Hallen zum 50. Caravan Salon erst am Samstag (27. August) für jedermann, doch auf dem Parkplatz „P1” trifft schon Tage vorher ein Camper nach dem anderen ein. Aus Norwegen, aus den Niederlanden, aus England, Griechenland, Deutschland. Beim Logistikreferenten der Messe, Detlef Erkeling, klingelt pausenlos das Telefon. „Ja, Sie können kommen, der Parkplatz ist geöffnet”, informiert er die Anrufer. 22 Euro kostet die Nacht auf einem Stellplatz mit Strom.

Jean-Paul Roquet ist aus Frankreich von der Mittelmeerküste angereist. „So viele Staus und Autos”, berichtet seine Frau Arlette etwas genervt von der überfüllten Küste. Dem touristischen Hochbetrieb in der Heimat ist das Rentner-Paar entflohen, in großem Bogen nach Norden gefahren und will die Neuheiten der Camping-Welt bestaunen. Aber erstmal peilt das Ehepaar die Lage auf dem weitläufigen, grünen Areal neben den Messehallen.

Das 600 Quadratmeter große, weiße Festzelt steht. Hier gibt es abends Livemusik, es wird getrunken und getanzt. Im vorigen Jahr wurden etwa 100.000 Gläser Alt ausgeschenkt, berichtet die Messe. Duschen und Toiletten sind aufgebaut.

Und zur Messezeit kutschiert alle paar Minuten ein kostenloser Pendelbus die Gäste zur Biermeile in der Düsseldorfer Altstadt und zurück, bis nach Mitternacht.

Unter Eichen und Buchen parken die Reisemobile, alle paar Minuten dröhnen startende Flieger vom nahen Flughafen übers Gelände. Hunde tollen umher, viele Camper haben ihre Fahrräder mitgebracht. Die Messe hat noch nicht begonnen, es ist noch viel frei. „Nachher kriegt man aber kaum noch einen Platz”, sagt Bernhard Eilers aus Friesland.

Der 81 Jahre alte einstige Seefahrer ist zu einer sentimentalen Reise aufgebrochen. Sein Reisemobil will er aus Altersgründen aufgeben. „Zum Abschied noch einmal zur Messe nach Düsseldorf fahren”, den Wunsch hat er sich erfüllt.

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