Aachen/Münster: Keine Polizei mehr bei Bagatellunfällen?

Aachen/Münster: Keine Polizei mehr bei Bagatellunfällen?

Die Polizei soll künftig auf die Aufnahme von Unfällen mit Blechschaden verzichten. Das jedenfalls schlägt Münsters Polizeipräsident Hubert Wimber vor, einer der dienstältesten Polizeipräsidenten Deutschlands.

Durch neue Formen der Kriminalität entstehe zusätzlicher Personalbedarf, für mehr Polizisten fehlt den Ländern aber das Geld. „Wir müssen uns von Aufgaben trennen”, sagte Wimber. „Mit einem Personalaufwand von regelmäßig zwei Kollegen und einem Zeitaufwand von ein bis eineinhalb Stunden klären wir Sachverhalte für die Haftpflichtversicherer”, kritisierte er in einem Interview.

Solche Einsätze nähmen 30 Prozent des Wach- und Wechseldienstes in Anspruch. Personal also, das anderswo besser eingesetzt werden könnte?

Ganz so einfach ist die Sachlage nicht. Bei der Polizei in Aachen etwa nimmt man die Aufnahme von Verkehrsunfällen, auch wenn keine Personen zu Schaden gekommen sind, als zentrale Aufgabe war. „Wir wollen informiert sein”, sagt Polizeisprecher Paul Kemen gegenüber unserer Zeitung.

Zudem könne hinter jedem Blechschaden immer auch eine Straftat stecken. Etwa Drogen- oder Alkoholmissbrauch. „Da bekämen wir dann nicht mehr die Nase dran”, so Kemen. Diese Verweigerungshaltung wolle man sich nicht leisten.

Dabei wäre auch in der Region das Einsparpotenzial enorm. Bei etwa 18.000 Unfällen im Jahr, davon die überwiegende Mehrheit ohne Personenschäden, könnte man, legt man die Rechnung von Wimber zu Grunde, mindestens 30.000 Dienststunden einsparen, also rund 3.750 Arbeitstage. Zwölf Beamte könnten das ganze Jahr über etwas anders machen.

Klar, dass die Gewerkschaften Alarm schlagen. Die Rechnung, 30 Prozent des Personals für andere Aufgaben freizubekommen, werde nicht aufgehen, sagte dann auch der Bundesvorsitzende der Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, am Montag. „Denn eine Aufgabenreduzierung führt in der Regel auch zu einer Personaleinsparung.” Und der NRW-Gewerkschaftsvorsitzende, Erich Rettinghaus, wies darauf hin, dass das Erscheinen der Polizei nicht zuletzt auch eine friedenstiftende Wirkung habe.

Beim ADAC ist man ebenso gegen einen generellen Verzicht der Aufnahme von Blechschäden. „Unfälle passieren einem ja nicht jeden Tag”, sagte Jacqueline Grünewald. Und nicht jeder reagiere in dieser Situation souverän. Zudem, so die ADAC-Pressesprecherin, sei die Sachlage nicht immer eindeutig. „Die Möglichkeit, die Polizei zu rufen, muss immer gegeben sein”, forderte sie.