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München: Kein Stress im Tunnel: Anhalten ist nur im Notfall erlaubt

München : Kein Stress im Tunnel: Anhalten ist nur im Notfall erlaubt

Mit dem Auto durch einen längeren Tunnel zu fahren, ist manchmal ein merkwürdiges Gefühl. Manche Autofahrer empfinden die Situation sogar als Stress. Und der verstärkt sich noch, weil am Anfang das Licht am Ende des Tunnels meist nicht sichtbar ist, sagt Ralf Wulf, Experte für Tunnelsicherheit bei der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau.

Sabine Behr vom ADAC rät Autofahrern, die sich bei Tunneldurchfahrten unwohl fühlen, gut durchzuatmen. Ist die Angst sehr groß, sind Alternativstrecken ohne Tunnel zu empfehlen. Daneben gilt als oberstes Gebot bei Tunnelfahrten, ausreichenden Sicherheitsabstand einzuhalten. Und zwar besser noch mehr Abstand zum Vordermann als auf freier Strecke, rät Behr. Tabu ist, zu wenden oder rückwärts zu fahren. Anhalten ist nur im Notfall erlaubt. Über die zulässige Höchstgeschwindigkeit im Tunnel informieren Verkehrsschilder vor der Einfahrt. Und schon vorher sollte man das Abblendlicht einschalten.

Kommt es im Tunnel zu einem Verkehrsunfall, sollten Autofahrer den Warnblinker einschalten und noch mehr auf Abstand zum Vordermann achten. „Wichtig ist, dass dann trotz Stillstands eine Gasse für Rettungsfahrzeuge gebildet werden kann”, erläutert Wulf. Der ADAC rät, bei Stau den Motor abzustellen, im Fahrzeug zu bleiben und den Verkehrsfunk einzuschalten. Wer eine Scheibe öffnet, bekommt schneller mit, wenn wie im Hamburger Elbtunnel die Leitzentrale mit Durchsagen über die Lautsprecheranlage informiert. „Das ermöglicht uns, direkte Ansagen in den einzelnen Röhren und Fluchtwegen zu machen”, erläutert Andree Poggendorf von der Hansestadt Hamburg. „Eine weitere Durchsagemöglichkeit besteht außerdem über die Rundfunkanlage.”

Ist man als Fahrer selbst von einer Panne betroffen, sollte man versuchen, mit eingeschalteten Warnblinkern die nächste Parkbucht zu erreichen. „Ist das nicht möglich, sollte das Fahrzeug am äußersten rechten Fahrbahnrand abgestellt und durch ein Warndreieck abgesichert werden”, empfiehlt Wulf. Wichtig sei, zur eigenen Sicherheit eine Warnweste zu tragen. Muss das Auto zurückgelassen werden, sollte der Wagen offen bleiben und die Zündschlüssel im Zündschloss. Das erleichtert Rettungskräften die Arbeit.

Um Hilfe zu holen, gibt es meist zwei Möglichkeiten: Nahezu alle modernen Tunnel werden von den Netzbetreibern abgedeckt, so dass Handys funktionieren. „Das bedeutet, dass auch nicht mehr mobile Personen jederzeit Hilfe holen können”, sagt Wulf. Im Tunnel selbst empfiehlt es sich aber für alle mobilen Verkehrsteilnehmer, den Not- oder Hilferuf über die vorhandenen Tunnelkommunikationssysteme abzusetzen. Das habe den Vorteil, dass die Rettungs- und Einsatzkräfte dann exakt über den Einsatzort informiert sind und schneller vor Ort sein können. Gekennzeichnet ist der kürzeste Weg zur nächsten Notrufsäule durch entsprechende Pfeile an beiden Seitenwänden. In der Regel ist das auch der Fluchtweg für den Brandfall oder eine andere Notsituation.

Überholen ist nicht generell verboten. „Es gibt lange, in eine Richtung mehrspurige Tunnel, in denen es durchaus möglich und sogar sinnvoll sein kann, die Fahrspur zu wechseln und zu überholen”, meint Ralf Wulf. Mehrfache Spurwechsel sollten aber vermieden werden. „In Straßentunneln mit Gegenverkehr ist das Überholen aber ein absolutes No-Go”, betont Wulf.

Ein gleichmäßigeres Durchfahren des Elbtunnels wünscht sich auch Andree Poggendorf manchmal. Gerade bei hohem Verkehrsaufkommen staut es sich oft in den 3,3 Kilometern langen Röhren. Grund dafür ist unter anderem das leichte Bergaufstück nach der Hälfte des Tunnels. „Viele Verkehrsteilnehmer beachten diese drei Prozent Steigung nicht und fallen in der Geschwindigkeit ab”, erklärt Poggendorf. Das löst dann eine Kettenreaktion aus. Ärgerlich sind die unnötigen Staus allemal, zumal der Elbtunnel auf der Nord-Süd-Achse der A7 mit 120 000 Fahrzeugen täglich zu den meist befahrenen Straßentunneln in Deutschland überhaupt zählt.

Wie der jüngste ADAC-Tunneltest gezeigt hat, sind die Straßentunnel heute deutlich sicherer als noch vor 10 oder 20 Jahren. Verbesserungsmöglichkeiten aber gibt es immer noch, vor allem seien viele Tunnel noch nicht barrierefrei, sagt Wulf. Bei Tunnelneubauten könnten zwar Aspekte wie Bordsteinabsenkungen und stufenfreie Rettungswege berücksichtig werden, für bestehende Tunnel jedoch seien so umfangreiche Umbaumaßnahmen oft finanziell kaum zu stemmen. Realistisch sei aber, im Zuge von Wartungsarbeiten die Notrufeinrichtungen barrierefrei umzubauen. „Damit wäre schon viel erreicht”, sagt Wulf. „Allein über die richtige Kommunikation ist schon viel zu erreichen.”

(dpa)