Jaguar F-Type : Renner im edlen Zwirn

Lange Schnauze, kurzes Heck, flache Linienführung – auch die jüngste Generation des Jaguar F-Type weckt Erinnerungen an den ikonischen E-Type. Das soll natürlich so sein.

Wobei Details wie die schmalen LED-Scheinwerfer unübersehbar darauf hinweisen, wie sehr das Coupé in der Gegenwart angekommen ist. In der einfachen Version sind die technisch gestylten Leuchten serienmäßig mit an Bord. Jaguar bietet aber zudem so genannte Pixel-LED-Scheinwerfer (1510 Euro) an. Dann erstrahlen nicht nur 154 LEDs beim Fahrlicht. Unter anderem gibt eine nach vorne ausgerichtete Stereo-Kamera den Impuls, den Lichtkegel so abzuschatten, dass der Gegenverkehr ausgeblendet wird. Das Ergebnis ist eine exakt ausgeleuchtete Umgebung, mithin ein Gewinn an Sicherheit und Komfort.

Über das Maß an Komfort in den tiefliegenden F-Type ein- und auszusteigen, mag man geteilter Meinung sein. Unter anderem bauen sich die breiten Schweller als ein nicht wirklich einfach zu überwindendes Hindernis auf. Sicher ist, dass die Designer den Innenraum des P450 ganz in der Tradition englischer Sportwagen zurückhaltend edel gestaltet haben. Feinstes Leder (3027 Euro) mit geprägten Markenlogo und Wabensteppung auf den zwölffach elektrisch verstellbaren Sitzen (2222 Euro) gehört ebenso dazu wie diverse Dekor-Elemente in Aluminium oder in weiß gehaltene Ziernähte am Armaturenträger und an der breiten Mittelkonsole. Sie trennt Fahrer und Beifahrer fast wie in zwei Kabinen. Die kompakten Abmessungen vermitteln bei einem Radstand von 2,62 Metern ein wenig den Eindruck eines exakt geschnittenen Maßanzugs. Das Kofferraumvolumen fällt mit 215 bis 299 Litern sparsam aus. Zum Großeinkauf von Getränken ist ein F-Type eher nicht gemacht.

Eine auf das Wesentliche reduzierte Anzahl an Tasten und Schaltern liegt für den Fahrer in gut erreichbarer Nähe. Die Funktionen des digitalen Kombi-Instruments mit einem Zehn-Zoll großen Touchscreen erklären sich schnell und intuitiv. Ein Umstand, der für die als Sprachbedienung gekennzeichnete Taste am Multifunktionslenkrad allerdings nicht gilt. Wer sie drückt, aktiviert damit lediglich die Stummschaltung des Multimedia-Systems. Erst wenn das eigene Handy über AndroidAuto oder AppleCarPlay verbunden ist, dann ist beispielsweise eine Eingabe der Navigationsadresse per Sprache möglich. War Jaguar nicht schon immer für die eine oder andere „Spezialität“ bekannt?

Eines gehört mit Sicherheit zum F-Type: der satte Sound des V8-Triebwerks. Der Druck auf den Start-Stopp-Knopf löst ein erstes grollendes Fauchen aus. Die R-Dynamic-Ausstattung beinhaltet zudem eine Sound-Taste für die aktive Sportabgasanlage mit Klappensteuerung. Ist sie aktiviert, öffnen sich die elektronischen Abgasventile weiter und das tiefe blubbernde Geräusch des Achtzylinders bleibt selbst bei ruhiger Fahrt deutlich hörbar. Aus fünf Litern Hubraum generiert der Kompressormotor 450 PS. Das maximale Drehmoment von 580 Newtonmetern (Nm) steht bei 2500 Touren bereit. Für den Standardsprint auf Tempo 100 benötigt die Wildkatze laut Hersteller 4,6 Sekunden. Allerdings ist eine Atempause zu spüren, ehe es mit viel Dampf nach vorne geht. Steht die Tachonadel bei 285 ist die Höchstgeschwindigkeit erreicht. Wer das Potenzial des Achtzylinders oft ausschöpft, muss Verbräuche zwischen 15 und 16 Litern einkalkulieren. Mit einem ausgewogenen Mix aus Stadt- und Überlandfahrten sowie einem etwas zahmeren Gasfuß übertrifft der Spritbedarf mit 13 Litern allerdings den offiziellen WLTP-Wert von 11,1 Litern in einem noch erträglichen Maß.

Das schier unerschöpfliche Kraftpotenzial wird über eine Achtstufen-Automatik auf alle vier Räder übertragen. Lenkradwippen oder der Sportshift-Wählhebel ermöglichen zudem manuelle Gangwechsel. Ein aktives Sperrdifferential mit Torque Vectoring by Breaking sowie das adaptive Sportfahrwerk tragen auch bei hohen Geschwindigkeiten zu einer stabilen und ruhigen Straßenlage bei. Um den Auftrieb zu verringern, fährt zusätzlich ein Heckspoiler aus. Wem das alles zu brav ist – oder wer auf einer Rennstrecke unterwegs sein will – reduziert über die zur Verfügung stehenden Fahrmodi - Dynamic oder Sport - die Unterstützung der Assistenzsysteme oder stellt sie komplett ab und kann so das Heck mächtig zum Schwingen bringen.

Elektronische Helfer wie Spurhalteassistent, Fußgänger-Schutzsystem oder der autonome Notfall-Bremsassistent gehören beim F-Type P450 ab Werk zum Lieferumfang. Das Toter-Winkel-Assistenzpaket (Kollisionswarnsystem beim Rückwärtsfahren und Toter-Winkel-Spurassistent/438 Euro) sind ebenso optional wie das Klimapaket (1041 Euro). Rote Bremssättel (376 Euro) sollten aber aus optischen Gründen auf jeden Fall noch drin sein – bei einem Gesamtpreis von 108.139 Euro fallen die schließlich kaum mehr ins Gewicht.

(amv)