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Schwalbach: Jaguar F-Type: Der Räuber im Porsche-Revier

Schwalbach : Jaguar F-Type: Der Räuber im Porsche-Revier

Jaguars Manager treten spürbar selbstbewusst auf. Und das können sie auch, denn für die britische Traditionsmarke läuft es gut, derzeit. Das liegt zum einen an zufriedenstellenden Verkaufszahlen. Die stiegen in den ersten Monaten dieses Jahres im Vergleich zu 2012 um 34 Prozent.

Zum anderen bringt die inzwischen unters indische Tatra-Dach geschlüpfte Nobelmarke 40 Jahre nach dem legendären E-Type mit dem neuen F-Type wieder einen knackigen Roadster auf den Markt und der wildert unverhohlen mit seinen Sechs- und Achtzylinder-Motoren in den Revieren des Porsche Boxster und des 911.

Es ist ein Nachfolger der Sportwagen-Ikone E-Type, der sich wahrlich sehen lassen kann. Alles an der 4,47 Meter langen, 1,92 Metern breiten und 1,30 Meter hohen Karosserie wirkt ebenso dynamisch wie edel. Die glatten Flächen der Außenhaut werden noch nicht einmal durch Türgriffe gestört. Diese liegen plan in der Tür und fahren erst auf Knopfdruck oder bei der Aktivierung der Fernbedienung aus. Nicht mehr benötigt, tauchen sie wieder ab. Dem Designteam um Ian Callum kann man für das gelungene Blechkleid unumwunden ein großes Kompliment zollen.

Die lange Motorhaube gepaart mit dem Radstand von 2,62 Metern und den muskulösen Kotflügeln am kurzen Heck unterstreicht den Eindruck einer Raubkatze, die zum Sprung ansetzt. Eine Empfindung, dem der offene, nur 1,6 Tonnen schwere Zweisitzer auch fahrerisch gerecht wird. Die Ingenieure haben dem F-Type auf 1,6 Millionen Testkilometern ein ungemein agiles und handliches Fahrverhalten geschneidert. Selbst bei hohen Geschwindigkeiten bleibt der Roadster absolut unbeeindruckt, zieht sauber um die Kurven und lenkt exakt so ein, wie es der Fahrer vorgibt. Für manchen vielleicht unerwartet, kommt in Sachen Lenkung keine elektrische, sondern eine hydraulische Lösung zum Einsatz.

Für Standhaftigkeit auf der Straße sorgt ein Heckspoiler, der bei Tempo 100 automatisch aus- und bei 60 wieder einfährt. Für standesgemäßen Vortrieb sorgen drei Triebwerke. Basis ist der Dreiliter-V6-Kompressor mit 340 PS (73.400 Euro), der als S-Version 380 PS (84..900 Euro) leistet. Spitzenmodell ist der Fünfliter-V8-Kompressor mit 495 PS (99 900 Euro). Alle drei Motoren lauern förmlich auf den geringsten Gasbefehl, agieren beeindruckend antritts- sowie durchzugsstark und besitzen einen kernigen Sound. Die serienmäßige Achtstufenautomatik, die über einen klassischen - leider etwas zu kantig geratenen - Wählhebel manuell bedient werden kann, sorgt für eine Kraftübertragung auf die Hinterräder ohne jegliche Schubunterbrechung. Und wem der satte Motorenklang nicht genügt, der kann per Knopfdruck einen ausgesprochen imposanten, kehlig-röhrenden Extra-Sound der Auspuffanlage intonieren. Das Klangspektakel lässt sich besonders bei geöffnetem Dach genießen.

Das Stoffverdeck legt sich bis Tempo 50 auf Knopfdruck in zwölf Sekunden in Z-Form hinter den Sitzen ab oder überspannt den Innenraum. Der ist so luxuriös und hochwertig gestaltet wie man es von einem Fahrzeug dieser Marke erwartet. Fahrer und Beifahrer nehmen auf besten Halt gebenden Sitzen Platz und haben trotz der tiefen, sportwagentypischen Position eine ziemlich gute Rundumsicht. Mit großen Rundinstrumenten bewahrt Jaguar noch die Tradition der alten Klassiker. Doch spätestens mit der glutroten Beleuchtung im Dynamik-Modus hält die Neuzeit Einzug. Zu vernachlässigen ist allerdings der Platz im Gepäckabteil. Das niedrige Fach genügt gerade einmal für einen flachen Trolley oder einen Kleidersack.

Neben serienmäßigen Ausstattungsmerkmalen wie der Klimaautomatik, Leder und Touchscreen, dem schlüssellosen Schließsystem, elektrischer Sitzverstellung und Xenonscheinwerfern hält Jaguar noch ein besonderes Schmankerl für die künftigen F-Type-Kunden bereit: jeder Einzelne bekommt ein Fahrertraining auf der Nürburgring-Grandprix-Strecke - und damit eine gehörige Portion Rennfeeling. Und das passt bestens zu Jaguars neuem Hoffnungsträger.