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Fahrbericht zum neuen Dacia Duster: Gut zugehört

Fahrbericht zum neuen Dacia Duster : Gut zugehört

Bei der zweiten Generation des Kompakt-SUV Duster haben dessen Entwickler offenkundig genau hingehört, was es zuvor an Kritik gab.

So wanderten beispielsweise die Tasten für die elektrischen Scheibenheber von der Mittelkonsole an die Türarmlehnen und die Hupe findet sich nun wie sonst üblich im Zentrum des Lenkrades. Optisch ist das aktuelle Modell deutlich markanter gezeichnet als der Vorgänger, zudem gibt es neue Assistenzsysteme, etwa Tempopilot oder schlüssellosen Zugang. Das Design wirkt harmonischer und im Detail gediegener. So werden auch Interessenten angesprochen, die nicht auf „Geiz ist geil“ abfahren, sondern ein Kompakt-SUV suchen, das ist wahrsten Sinn seinen Preis wert ist.

LED-Tagfahrlicht und dazu passende, stylische Heckleuchten sind hübsche Details der aktuellen Design-Mode. Die Motorhaube erhielt neue Kanten. Der vordere Stoßfänger ist im Bereich der Nebelscheinwerfer eckiger als noch beim Vorgänger. Die Hauptscheinwerfer rückten weiter nach außen. In der Version „Prestige“ (Preis: 19.100 Euro/Testwagenpreis: 20.740 Euro) kommt der Duster überraschend schmuck daher. Das Cockpit präsentiert sich mit neu gestalteten Rundinstrumenten aufgeräumter, aber die Anzeigen sind bei kritischen Lichtverhältnissen oder aufgesetzter Sonnenbrille schwer ablesbar.

Auch innen weiß der Duster zu gefallen mit bequemen Sitzen, einem ausgewachsenen Infotainment-System von Konzernmutter Renault und durchweg vertrauenerweckender Verarbeitung. Vom bewährten Sparkurs zeugen lediglich hübsch gestylte Hartplastik-Landschaften. Wenn es tröstet, die Materialwahl erleichtert ungemein das Säubern des Innenraums.

Wie die Karosserie so offenbart ebenso das Interieur keine erwähnenswerten Verarbeitungsmängel. Spaltmaß-Fetischisten kommen allerdings nicht auf ihre Kosten. Der Kofferraum bietet zwischen 411 und 1501 Liter Volumen. Das lässt kaum Wünsche offen.

Die Lenkung spricht jetzt merklich direkter an, vermittelt mehr Gefühl. Doch gleichwohl wird der neue Duster damit nicht zu einem energischen Kurvenräuber. Er federt weiterhin betont gemütlich und fährt sich auf eine angenehme Weise entspannt und unaufgeregt. Sportliche Attitüden darf der Duster-Fahrer nicht einmal ansatzweise erwarten. Die Sitze erweisen sich als bequem, lassen allerdings etwas Seitenhalt vermissen. Verdruss kommt auf, wenn man die Vordersitzlehnen verstellen möchte. Die jeweils an den Innenseiten platzierten Drehgriffe lassen sich nur mit Verrenkungen bedienen und manch einer wird eine axiale Lenkradverstellung vermissen, um seine optimale Sitzposition zu finden. Da haben wohl die Ingenieure zu kurz hingehört.

Der nur beim Kaltstart etwas rau klingende 1,5-Liter-Diesel wirkt nach seiner Umstellung auf die aktuelle Abgasnorm Euro 6d-Temp, die ein Leistungsplus von fünf auf 116 PS mit sich brachte, harmonisch. Seine Durchzugsstärke (260 Newtonmeter/2000 U/min.) geht in Ordnung, das Sechsgang-Getriebe ist knackig-exakt zu schalten. Der erste Gang wurde etwas kürzer übersetzt als Hilfe für kleine Offroad-Ausflüge. Bei solchen macht der Duster eine gute Figur, jedenfalls in Verbindung mit dem Allradantrieb des Testwagens. Dabei helfen zudem das sperrbare Mitteldifferenzial und die solide Bodenfreiheit. Grundsätzlich allerdings sollte man überlegen, ob man wirklich Allradantrieb benötigt (Mehrpreis 1852 Euro). 180 Kilometer pro Stunde (km/h) nennt Dacia für die Version Blue dCi 115 als Spitzengeschwindigkeit. Der Sprint von null auf Tempo 100 ist mit 10,4 Sekunden vermerkt. Als Verbrauch je 100 Kilometer weist der Bordcomputer knapp sechs Liter aus.

Man muss sich auf den Dacia Duster einlassen. Er macht einem nichts vor. Nutzwert dominiert, ohne Schwurbelleien oder Schnickschnack und man stellt fest: es funktioniert. Allerdings: selbst in der günstigsten Variante bietet der Duster ein Accessoire, das man ehedem nur bei Premiummodellen etwa von Audi bekam - dreht man den Schlüssel zum Starten, wandern die Anzeigen von Tacho und Drehzahlmesser bis zum rechten Anschlag und zurück - warum auch immer.

(amv)