Stuttgart: Gefahr durch Pilze und Bakterien: Experten empfehlen regelmäßige Wartung der Auto-Klimaanlage

Stuttgart: Gefahr durch Pilze und Bakterien: Experten empfehlen regelmäßige Wartung der Auto-Klimaanlage

„Viele Autofahrer unterschätzen die negativen Auswirkungen mangelnder Wartung der Klimaanlage”, sagt Autoexperte Rudolf Brauch.

Anzeichen einer schlecht oder gar nicht gewarteten Klimaanlage seien im Laufe der Zeit zwei typische Mängel: Erstens die Leistung nehme ab, und zweitens es stinke, sagt der Technische Leiter des österreichischen Autoclubs ÖAMTC in Wien.

Einen Hinweis auf die Effizienz der Klimaanlage gibt die Temperatur an den Lüftungsdüsen. „Stellt die Werkstatt fest, dass sie nicht mehr unter zehn Grad Celsius fällt, ist eine Wartung fällig”, sagt Hans-Jürgen Götz von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTÜ) in Stuttgart.

„Es ist vollkommen normal, dass bei Klimaanlagen jährlich bis zu 15 Prozent des Kältemittels durch die Schläuche entweichen. Das ist konstruktionsbedingt so”, beruhigt Brauch. Deshalb sollte man die Kältemittelmenge im Zwei-Jahresintervall kontrollieren lassen. Bei einer Klimaanlagen-Überprüfung wird das vorhandene Kältemittel abgesaugt, die Anlage entfeuchtet und anschließend mit der richtigen Menge Kältemittel wieder befüllt.

Wer dieses Prozedere regelmäßig durchführt, erspart sich mehrere Probleme. Fehlt Kältemittel, verschlechtert sich auch die Kühlleistung der Anlage. Bei schlechterer Kühlleistung muss die Klimaanlage mehr arbeiten, der Spritverbrauch steigt. Es kommt zu einem erhöhten Verschleiß der Bauelemente einer Klimaanlage, Folgeschäden sind möglich.

Bei modrigem Geruch sollten die Alarmglocken schrillen

Von der Klimaanlage ausgehende, unangenehme Gerüche werden meist von einem verunreinigten Verdampfer verursacht. Der Verdampfer ist für die Abkühlung der Luft zuständig. Vereinfacht gesagt, warme Frischluft wird durch ihn durchgeleitet, abgekühlt und in den Innenraum des Autos geblasen. Dabei bildet sich im Inneren des Verdampfers Kondenswasser.

Stellt der Fahrer nun den Motor ab, bleibt es im Verdampfer feucht, denn es kommt keine Frischluft mehr nach. „Das sind natürlich ideale Voraussetzungen für gesundheitsschädigende Bakterien und Pilze”, warnt der ÖAMTC-Techniker. Viele Autofahrer realisierten die Pilzbildung erst, wenn die Klimaanlage zu stinken beginne. Das Problem: „Sobald es riecht, ist es zu spät und eine einfache Verdampfer-Desinfektion reicht oft nicht mehr aus”, erklärt Brauch. Um hartnäckige Rückstände zu entfernen, brauche es zwei bis drei Desinfektionsdurchgänge in kurzen Abständen, bei entsprechenden Kosten.

Als Vorbeugemaßnahme rät darum Hans-Ulrich Sander vom TÜV Rheinland: „Kurz vor Ende der Fahrt - etwa mit der Eco-Taste - die Kühlfunktion ausschalten, das Gebläse aber weiterlaufen lassen. Der Fahrtwind zieht so die Feuchtigkeit aus der Anlage.”

22 Grad und Fenster zu

Unterwegs sollte die Klimaanlage im Sommer wie im Winter auf etwa 22 Grad Celsius eingestellt sein, sagt Frank Volk vom TÜV Süd und empfiehlt: „Der Luftstrom sollte nicht direkt auf die Insassen zielen, sonst wächst das Risiko einer Erkältungsinfektion.”

Zu den immer wieder zu beobachtenden Sünden zählt das Fahren mit offenen Fenstern und aktivierter Klimaanlage. Dabei entweicht die abgekühlte Luft nahezu ungenutzt gleich wieder. Außerdem erzeugten offene Luken Luftverwirbelungen, sagt Volk. „Die stören die Aerodynamik des Autos und kosten somit Sprit.”

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