Ford Focus Active im Test: Sportliche Limousine im SUV-Look

Crossover-Dress : Ford Focus Active im Test

Bitte einmal Augen reiben und Brille putzen. Das ist ein Ford Focus? Diese schicke, sportliche Limousine im SUV-Look? In der Version „Active“ sorgt der kompakte Viertürer aber nicht nur optisch für Aufmerksamkeit.

Mit moderner Technik und einem guten Platzangebot hat der Kölner Hersteller ein stimmiges Gesamtpaket geschnürt. Schwarze Beplankungen an den Radkästen, silberfarbener Auffahrschutz an Front und Heck sowie 30 Millimeter mehr Bodenfreiheit als bei den Seriengeschwistern passen gut zu der dynamisch gezeichneten Karosserie. Deren Proportionen wirken mit 4,37 Metern Länge, knapp zwei Metern (mit Spiegel) Breite, aber nur 1,48 Metern Höhe sehr stimmig. Passend dazu haben die Gestalter der aktuellen Baureihe die Motorhaube ein wenig gestreckt, dafür das Heck gekappt. Zudem wuchs mit der komplett neu entwickelten Plattform der Radstand (2,70 Meter) um fünf Zentimeter.

Das macht sich beim Platzangebot des Innenraums bemerkbar. Weder über Kopf- noch Beinfreiheit müssen sich Reisende im Fond Gedanken machen. Bis zu einer Körpergröße von 1,85 Metern ist hier alles im absolut grünen Bereich. Das gilt ebenso für das Ladeabteil. Hinter der breiten Ladeluke bietet der Fokus Active 375 Litern bei voller Sitzplatzbelegung, bei umgeklappten Rücksitzlehnen (60:40 geteilt) 1354 Liter.

Punkten kann der die kompakte Limousine bei der Gestaltung des Passagierabteils. Zwar stoßen die unterschiedlichen Ebenen des Armaturenträgers nicht bei jedem auf Gegenliebe, doch die hochwertig wirkende Materialwahl und -verarbeitung sowie die moderne und klare Formensprache lässt diese Kritik schnell in den Hintergrund treten. Entgegen dem Trend der Digitalisierung setzt Ford weiterhin auf klassische Rundinstrumente, diese aber in modernem und gut ablesbarem Design.

In der Mitte des Armaturenträgers ist in gut erreichbarer Position ein freistehender Acht-Zoll -Touchscreen platziert. Über ihn werden unter anderem das serienmäßige Audiosystem samt USB-Schnittstelle und Bluetooth-Freisprecheinrichtung oder die ebenfalls in Serie eingebaute Navigation gesteuert. Wichtige Informationen wie die Verkehrszeichenerkennung oder die Wegführung werden zudem über das Head-Up-Display in das Sichtfeld des Fahrers gespiegelt.

Dass Ford seine Nutzer eigentlich eher zu einer Sprachsteuerung über das so genannte Sync-System bringen möchte, um die Ablenkung des Fahrers vom Verkehrsgeschehen zu reduzieren, lässt sich überdies an der geringen Anzahl von Schaltern im Allgemeinen erkennen. Leider sind dem Bestreben nach Sicherheit auch so praktische Funktionen wie eine direkte Ansteuerung der Karte auf dem Display, der Zoomfunktion oder des Telefons zum Opfer gefallen. Immerhin gibt es aber einen Lautstärkeregler.

Apropos Lautstärke: so viel Wert wie die Entwickler auf eine umfassende Dämmung der Außen- und Motorgeräusche gelegt haben, so sehr bespielen sie die Insassen mit diversen Signaltönen. Nicht nur, dass der Blinker ungewöhnlich laut ist. Bei jeder selbst nur minimalen Übertretung der Geschwindigkeit ertönt ein deutlich hörbares „Bling“, das sich selbst bei einer intensiven Suche in den zahlreichen Untermenüs der Einstellungen nirgendwo ausstellen lässt.

Der 1,5-Liter-Diesel (120 PS) und einem maximalen Drehmoment von 300 Newtonmetern (Nm) zwischen 1750 und 2250 Umdrehungen schwächelt weder in Sachen Antritt noch Durchzug. Einzig bei Überholmanövern aus höheren Geschwindigkeitsbereichen würde man sich etwas mehr Kraft des Vierzylinders (Euro 6d-Temp) wünschen. Aus dem Stand vergehen laut Ford zehn Sekunden bis die Tempo 100 Marke erreicht ist. Die Höchstgeschwindigkeit ist in den technischen Daten mit 196 Kilometern pro Stunde (km/h) angegeben. Die sind deutlich leichter zu erreichen als der angegebene Durchschnittsverbrauch von 3,6 Litern. Laut Bordcomputer waren es in der Praxis 5,2 Liter an.

Das Fahrwerk beim Focus erfüllt wie schon beim Vorgänger höchste Ansprüche. Ob bei langsamer Fahrt über schlechtere Wegstrecken oder in zügigem Tempo durch enge Kurven auf der Landstraße - der Kompakte liegt gut in der Hand, bleibt kreuzbrav in der Spur, ohne den Fahrer nur annähernd in Probleme zu bringen.

Keineswegs gespart hat Ford bei der Ausstattung des Wagens. Zum Basispreis von 27.900 Euro gibt es unter anderem einen aktiven Fahrspur-Assistenten, Tempomat, Klimaanlage, einen Fahrmodus-Schalter (inklusive der Funktionen „rutschig“ und „unbefestigte Straße“) sowie einen Licht- und Pre-Collision-Assistenten (mit Fußgänger- und Fahrraderkennung). Bestückt man den Ford noch mit all den verfügbaren Paketen für zusätzliche Technologien und Comfort, dann schnellt der Preis zwar auf 34.805 Euro. Attraktiv bleibt die Active-Version des Focus damit aber allemal.

(amv)
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