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Köln: Ford EcoSport: Das Fiesta-SUV

Köln : Ford EcoSport: Das Fiesta-SUV

Der Trend ist unübersehbar. Autokäufer, denen klassische SUVs zu teuer, zu groß oder einfach unzeitgemäß sind, sehen sich gerne in der Klasse der höher gelegten Kleinwagen um. Ihnen möchte Ford auch etwas bieten und schickt den EcoSport ins Rennen um die Käufergunst.

Selbst wenn es kaum zu glauben ist - der ist eigentlich ein Fiesta. Doch das sieht man ihm wahrlich nicht an. Mit der rustikal und muskulös gestylten Karosserie sowie dem Reserverad außen am Heck macht der nur 4,27 Meter lange Wagen ganz auf großen Geländegänger.

Der höher angebrachte Kühlergrill mit Chromstreben sowie die graue untere Verkleidung der Karosserie oder der angedeutete Plastikunterfahrschutz lassen den Wagen größer und breiter erscheinen als er ist. Mit 20 Zentimetern Bodenfreiheit steht er serienmäßig auf 16-Zoll-Leichtmetallfelgen. Die Radkästen sind kraftvoll ausgestellt. Wie gesagt, ganz so wie ein Großer.

So zünftig das außen angebrachte Reserverad aussieht, so trefflich kann man über die Alltagstauglichkeit dieser Position streiten. Zwar wäre es im Notfall schnell zur Hand. Doch diese Situation tritt deutlich seltener auf als Einparken oder Beladen des Kofferraums. Im ersten Fall sind es unübersichtliche 26 Zentimeter, die sich das Heck länger nach hinten streckt. Das macht die Anschaffung des Parkpilot-Systems (355 Euro) unabdingbar. Beim Öffnen weist die links am Heck angeschlagene Tür - der Griff ist raffiniert in die Heckleuchte integriert - nicht nur ein ordentliches Gewicht auf.

Es bedarf auch reichlich Platz nach hinten, um an das Ladeabteil zu kommen. In der Großstadt mit seinen engen Parkbuchten kann das Beladen so ziemlich schwierig werden. Tadellos indessen die niedrige Ladekante und die Größe der Öffnung. Hier können Gegenstände von bis zu 88 Zentimetern Höhe und gut einem Meter Breite mühelos verstaut werden. Das Ladevolumen reicht von 375 Litern bis maximal 1.238 Litern bei umgeklappten Rücksitzlehnen und einer dann auftretenden kleinen Stufe in der Ladefläche.

Also ausreichend Platz für das notwendige Gepäck, um eine Fahrt ins Blaue zu unternehmen. Bequem können vier Personen daran teilnehmen. Der mittlere Fondplatz indessen ist so knapp bemessen wie man es bei einem Kleinwagen erwartet und deshalb lediglich für eine kurze Strecke zumutbar. Glaubt man dem Hersteller, bietet der EcoSport derzeit die beste Beinfreiheit seiner Klasse. Für einen groß gewachsenen Erwachsenen ist sie auf jeden Fall ausreichend. Zudem kann die Neigung der Rücksitzlehne variiert werden.

Anders als die durchaus freche Optik außen geht es im Innenraum so zu, so wie man es von anderen Ford-Produkten kennt. Diverse chromfarbene Applikationen, Lederschaltknauf und Lederhandbremsgriff sollen den Anspruch des kleinen SUV unterstreichen, auch auf dem Weg in die Oper eine geeignete Alternative zu sein. Die gesamte Bedienung der diversen Drehknöpfe und Tasten gelingt nach etwas Eingewöhnungszeit leicht. Das Multifunktionslenkrad gehört ebenso bereits ab Werk mit zur Ausstattung wie die Klima-Automatik, das gekühlte Handschuhfach, die elektrischen Fensterheber vorne wie hinten oder der schlüssellose Motorstart.

Der 125 PS starke Einliter-EcoBoost-Dreizylinder kommt mit dem Gewicht des 1,7-Tonnen schweren Wagens gut zurecht. Vor allem in der Stadt spielt der Fronttriebler seine Agilität aus, zeigt das mit durchaus munterem Antritt. Und auch in Sachen Langstreckentauglichkeit macht er keineswegs eine schlechte Figur. Das maximale Drehmoment von 170 Newtonmetern liegt zwischen 1.400 und 4.500 Umdrehungen an. Einmal in Fahrt geht es dementsprechend zügig und laufruhig dahin. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit Tempo 180 angegeben. Kombiniert ist der Wagen mit einer Fünfgang-Schaltung. Während ein sechster Gang aus Gründen der Wirtschaftlichkeit wünschenswert wäre, ist das Fehlen einer Start-Stopp-Automatik angesichts der im Namen „EcoSport“ suggerierten Wirtschaftlichkeit eher verwunderlich. Im Durchschnitt ist ein Verbrauch von gut sechs Litern (Normverbrauch 5,3 Liter) bei einem ausgewogenen Mix aus Stadt- und Überlandfahrten aber ein akzeptabler Wert.

Das Fahrwerk wird eher dem sportlichen Anteil des Fahrzeugnamens gerecht. Ohne den notwendigen Komfort vermissen zu lassen, meistert der Fronttriebler schnell gefahrene Kurven problemlos und ohne nennenswerte Wankbewegungen. Anders als in Brasilien - dort wird der Wagen gebaut - ist der EcoSport hierzulande nicht mit Allradantrieb lieferbar. Ein Böschungswinkel vorn und hinten von 22 beziehungsweise 35 Grad sowie eine Watttiefe von 55 Zentimetern machen aber durchaus Ausflüge in unwegsameres Gelände möglich.

Der Notrufassistent, der im Falle eines Unfalls Rettungskräfte alarmiert, kommt dabei hoffentlich nie zum Einsatz. Er ist aber mit an Bord, wenn man anstelle des serienmäßigen Audio-CD-Systems die Variante mit dem sprachgesteuerten Unterhaltungs- und Kommunikationssystem Ford Sync (plus 400 Euro) wählt. Den Alltag hingegen erleichtert das „Komfort-Paket“ für 350 Euro. Darin enthalten sind Tempomat, der automatisch abblendende Innenspiegel und Regen- und Lichtsensor. Gönnt man sich zudem die Lederpolsterung (1.170 Euro), dann stehen für den EcoSport, der eigentlich ja ein Fiesta ist, am Ende 23.475 Euro auf der Rechnung und damit 2.275 Euro mehr als der Grundpreis.

(amv)