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Wolfsburg: Fahrbericht VW Polo „beats“: Für einen Kleinwagen ziemlich groß

Wolfsburg : Fahrbericht VW Polo „beats“: Für einen Kleinwagen ziemlich groß

Da ist Musik drin - und das im wahrsten Sinne des Wortes: den Polo „beats“ hat Volkswagen mit einem 300 Watt starken Soundsystem des gleichnamigen Herstellers Beats Electronics, der zu Apple gehörenden Trendmarke für Kopfhörer, ausgestattet.

Doch der Kleinwagen sorgt noch mit weitaus mehr als kraftvoll wummerndem Bass für Aufmerksamkeit.

Rote Dekorstreifen ziehen sich von der Motorhaube bis ins Heck und betonen so den absolut erwachsenen Auftritt der sechsten Generation des Polo. Mit einer Länge von 4,05 Metern und 1,95 Metern Breite kommt der Viertürer mittlerweile auf die Ausmaße eines Golf III. Markante Merkmale wie der kurze Überhang vorne, die prägnante Doppelfalz an der Seite, die die Schulterlinie betont und den Wagen optisch streckt oder das kraftvolle Heck lassen das Auto ebenso schick wie modern aussehen.

Ein Eindruck, der im hochwertig wirkenden Passagierabteil bleibt. Das in matt-rot gehaltene Dekor der Armaturentafel passt bestens zu der hellen Innenausstattung. Rote Details zieren ebenfalls die anthrazitfarbenen Sportsitze mit den hellgrauen Lederwangen. Die Optik stimmt. Guten Halt geben sie zudem. Da muss einem selbst vor Langstrecken nicht bang werden. Dazu trägt das großzügig wirkende Raumgefühl bei.

Einen Löwenanteil daran hat der 2,55 Meter lange Radstand. Selbst zwei Personen mit 1,90 Metern Länge können immer noch einigermaßen bequem hintereinander Platz nehmen. Und trotz des relativ niedrigen Daches bleibt selbst hinten ausreichend Kopffreiheit. Mit einem Fassungsvolumen von 351 Litern (maximal 1125 Liter) bleibt im Kofferraum ausreichend Platz für das Wochenendgepäck. Und das bei einer Ladekante, die erfreulich niedrig ist. So strapaziert das Be- und Entladen beispielsweise beim Getränkeeinkauf den Rücken nicht über Gebühr.

Ein echter Hingucker und ergonomisch super gelöst ist das Armaturenbrett. Die Instrumentenanzeige bietet ein gestochen scharfes Bild. Die digitale Darstellung von Drehzahlmesser und Tacho rahmt die ebenfalls digitale Multifunktionsanzeige ein.

Der edel aussehende Acht-Zoll-Touchscreen mit Glasoberfläche des Multimediasystems liegt genau im Blickfeld und leicht gedreht zum Fahrer. Von hier aus lässt es sich trefflich am Sound schrauben, Informationen der Navigation (565 Euro Aufpreis) abrufen oder die Fahrzeugkonfiguration einstellen. Apropos schrauben: neben den angenehm großen Tastenfeldern für die Menüführung existieren unter anderem für die Lautstärkeregelung zwei herkömmliche Drehregler. So kann die Lieblingsmusik während der Fahrt und ohne Blickabwendung von der Straße auf laut gedreht werden.

Für eine überraschend muntere Fortbewegung sorgt der unter der Haube werkelnde Einliter-Dreizylinder (95 PS), gekoppelt mit einem reibungslos arbeitenden Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (inklusive Schaltwippen am Lenkrad). Antritt und Durchzug machen wirklich Spaß. Das maximale Drehmoment gibt VW mit 175 Newtonmetern (Nm) zwischen 2000 und 3500 Umdrehungen an. Beim Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 sollen laut Hersteller 10,8 Sekunden vergehen. Die Höchstgeschwindigkeit ist demnach bei 187 Kilometern pro Stunde (km/h) erreicht. Bei den Arbeitsgeräuschen kann das Aggregat die ungerade Zylinderzahl zwar nicht gänzlich verhehlen. Aber erst bei einem Tempo jenseits von 140 wird es tatsächlich etwas lauter im Passagierabteil.

Wer länger mit dieser oder einer höheren Geschwindigkeit auf der Autobahn unterwegs ist, der muss allerdings mit einem ordentlichen Verbrauchszuschlag rechnen. Mindestens 8,5, bei voller Ausschöpfung der Leistungsreserven bis zu zehn Liter sind es, die der Bordcomputer dann anzeigt. Bei einer ausgewogenen Mischung aus Stadt- und Überlandfahrten pendelt sich der Wert bei 6,8 Litern ein. Der Normverbrauch ist mit 4,7 Litern Super angegeben.

Vollkommen ausgewogen ist die Fahrwerksabstimmung - ausreichend straff, um bei Bedarf sportlich um die Ecken zu fegen, dabei komfortabel genug, dass schlechte Wegstrecken nicht zur Tortur werden. Dazu reagiert die Lenkung schön direkt. Das kommt einem präzisen Handling zu Gute.

Also genau der richtige Schwung, um mit der Entscheidung für einen „beats“ aus sechs Lautsprechern hochklassigen Sound zu hören. Ein Subwoofer mit tiefem Bass sorgt dabei für gewisse Gänsehautmomente. Damit die nicht durch brenzlige Situationen in der Stadt ausgelöst werden, wird der Polo ab Werk mit dem Umfeldbeobachtungssystem „Front Assist“ mit City-Notbremsfunktion und Fußgängererkennung ausgeliefert. Speedlimiter und die Reifendruckkontrolle gehören ebenfalls mit ins Paket. Da die Sonderedition auf der Comfortline-Ausstattung beruht, sind Müdigkeitsassistent, Klimaanlage sowie elektrisch verstellbare Fensterheber und beheizbare Außenspiegel mit an Bord.

Die 1900 Euro, die die Sonderedition gegenüber einem „normalen“ Polo mit dieser Motorisierung kostet, beinhalten zudem unter anderem Leichtmetallfelgen, abgedunkelte Scheiben hinten und eine USB-Schnittstelle. Gönnt man sich ein paar weitere Extras wie „App-Connect“ und Media Control (300 Euro) mit zwei USB-Anschlüssen und der Möglichkeit, das Tablet mit WLAN zu verbinden, werden insgesamt 27.195 Euro fällig. Ein Preis für einen Kleinwagen, in dem auch eine Menge Musik drin ist.

(amv)