1. Ratgeber
  2. Auto

Fahrbericht: Volvo S60 T8 Twin Engine

Fahrbericht zum Volvo S60 T8 Twin Engine : Unter Strom

S60 ist das erste Volvo-Modell, für das kein Diesel mehr angeboten wird. Strom ist angesagt. Für den Vortrieb stehen ausschließlich Benzinmotoren sowie elektrifizierte Antriebe zur Wahl.

Die Limousine mit dem langen Namen (S60 T8 Twin Engine AWD Inscription) bietet mehr als ausreichende Fahrleistungen, Sicherheit auf höchstem Niveau, gepaart mit einer ansehnlichen Optik.

Als elektrifiziertes Top-Modell der Baureihe fungiert der T8 Twin Engine AWD. Sein als Axle-Split-Hybrid aufgebaute Antriebsstrang besteht aus einem 303 PS starken Vierzylinder-Motor mit 2,0 Litern Hubraum sowie Kompressor- und Turboaufladung und einem 87 PS starken Elektromotor. Beide Triebwerke können das Fahrzeug getrennt voneinander oder gemeinsam antreiben.

Die Systemleistung von 390 PS samt einem Drehmoment von bis zu 640 Newtonmeter (Nm) ermöglichen den Sprint von null auf 100 Kilometer pro Stunde (km/h) in 4,6 Sekunden (Werksangaben). Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 250 km/h erreicht; rein elektrisch ist das Plug-in-Hybridmodell bis zu 125 km/h schnell. Während der Vierzylinder-Motor seine Kraft ausschließlich an die Vorderräder leitet, sitzt der Elektromotor an der Hinterachse und treibt die Hinterräder an.

Maximal etwas über 50 Kilometer können im elektrischen Fahrmodus zurückgelegt werden. Für beispielsweise Pendler und Kurzstreckenfahrer ein akzeptabler Wert. Das regenerative Bremssystem nutzt zur Rückgewinnung und Weiterleitung elektrischer Energie Brake-by-Wire-Technik. Die Batterie wird über den im Hybridantriebsstrang integrierten Generator mit elektrischer Energie versorgt, lässt sich aber ebenso mit einem externen Ladekabel an haushaltsüblichen Steckdosen und an Ladesäulen aufladen.

Dazu befindet sich eine Ladebuchse hinter einer Klappe am vorderen linken Kotflügel des Fahrzeugs. Die Ladezeiten betragen zwischen drei Stunden (16 Ampere) und acht Stunden (sechs Ampere). Die Achtgang-Automatik wurde speziell auf die Anforderungen des Hybridantriebs ausgelegt. Dadurch will Volvo gewährleisten, dass der Motor stets im optimalen Drehzahlbereich betrieben wird, um Verbrauch und Emissionen möglichst gering zu halten und dennoch das volle Leistungspotenzial des Triebwerks abrufen zu können. Seinem Fahrer bietet der Teilzeitstromer vier verschiedene Fahrmodi an, zudem kann er verschiedene Fahrzeugeigenschaften seinem eigenen Geschmack anpassen.

Die Grundeinstellung Hybrid ist beim Start des Fahrzeugs für den alltäglichen Einsatz aktiviert. Hier wechselt das Fahrzeug in Abhängigkeit von der aktuellen Fahrsituation und den jeweiligen Leistungsanforderungen zwischen dem Verbrennungs- und dem Elektromotor. Ziel ist stets ein möglichst geringer Kraftstoffverbrauch.

Berücksichtigt wird dabei neben der Gaspedalstellung der aktuelle Ladezustand der Batterie. Ist genügend Batteriekapazität für einen elektrischen Betrieb des Fahrzeugs vorhanden, dann übernimmt möglichst der Elektromotor das Vorwärtskommen. Bei zu niedrigem Ladestand des Akkus wird der Verbrennungsmotor gestartet. Der Elektromotor bleibt bis zu einer Geschwindigkeit von 65 km/h aber immer mechanisch eingekuppelt, um beispielsweise bei starker Beschleunigung den Benzinmotor unterstützen zu können.

Volvo bezeichnet den S60 als seine „sportlichste Limousine“, die mit einer dynamischen Fahrwerksauslegung im Vergleich zum Vorgänger mehr Grip, ein direkteres Fahrgefühl sowie ein harmonisches Karosserieverhalten mit geringer Wankneigung bietet. Das ist sicherlich richtig, aber relativ.

Die Konkurrenten, vornehmlich aus Süddeutschland, mögen mehr vermeintliche Sportlichkeit bieten, doch der automobile Wertewandel wird sich nicht aufhalten lassen. Wohl deshalb kombiniert Volvo die ausgepichte neue Technik mit bewährten Unternehmenstugenden. Mit seinen vielen Assistenz- und Komfortsystemen ist der S60 höchst zeitgemäß. Neben der Sicherheit werden Komfort und kühles Styling großgeschrieben.

Egal, ob man vorne oder hinten sitzt, das typische Volvo-Gefühl stellt sich sofort ein. Fallen die Türen satt ins Schloss, bleibt die Unbilden der Welt draußen. Die Sitze erweisen sich als bequem. Die Geräuschkulisse ist gering. Das Interieur wirkt insgesamt edel, hochwertig verarbeitet und bietet zahlreiche Komfortfeatures.

Was bedient, an- oder ausgeschaltet werden muss, erschließt sich ohne lange Lernphasen, der Smartphone-Technik sei Dank. Tasten und Schalter konventionellen Zuschnitts sind Mangelware, ohne ein Mangel zu sein. Als Schaltzentrale und Herzstück des Bedien- und Infotainmentsystems dient der große hochformatige Touchscreen im Tablet-Stil, der im Zentrum der Armaturentafel thront.

Akzeptieren muss man für die Summe des Gebotenen den Fahrzeugpreis, der deutlich macht, dass sich Volvo selbstbewusst zu den Premiumhersteller zählt. Zwar beginnt die Preisliste bei 59.000 Euro, doch in der Testwagen-Variante mit mancherlei Ausstattungspaketen wie etwa Armaturentafel in Lederoptik, Head-up-Display sowie Panorama-Glasschiebedach (2600 Euro) addieren sich zügig 76.160 Euro zusammen.

(amv)