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Fahrbericht: Skoda Rapid Spaceback

Fahrbericht : Skoda Rapid Spaceback appelliert an Vernunft

Der kompakte Rapid ist in Skodas-Angebot sicherlich nicht das begehrenswerteste Modell. Da sind die SUV-Neuzugängen Kodiaq und Karoq vor. Der Kompaktklässler mit dem traditionsreichen Namen appelliert eher an die Vernunft, zeigt sich unprätentiös, nützlich, günstig, zuverlässig.

Skoda hat den Rapid zwischen Fabia und Octavia platziert. Eine Alternative zum VW Golf, auch wenn dies keiner der Verantwortlichen von Skoda je laut sagen würde. Der Preisabstand zum Klassenprimus aus Wolfsburg beträgt mehr als 3000 Euro, selbst wenn der Basispreis für den Rapid Spaceback (21.230 Euro) nicht eben als Schnäppchen erscheint. Samt diverser Annehmlichkeiten wie Frontradarassistent inklusive City-Notbremsfunktion (280 Euro) sowie weiterer elektronischer Helfer addieren sich 26.334 Euro beisammen. Darin inbegriffen eine neue Infotainment-Generation (780 Euro) mit der der Rapid im Hier und Jetzt angekommen ist.

Der Bildschirm sitzt griff- und blickgünstig weit oben im Armaturenbrett. Per Datenstick geht das Navi online und per App kann der Rapid hupen oder blinken. Nützlich sind die zwei USB-Ports am hinteren Ende der Mittelkonsole (45 Euro). So können Mitfahrer zum Beispiel ihre Smartphones oder Tablets laden. Etwas ärgerlich in der Kostenbilanz: die Anschlussgarantie (maximal drei Jahre oder 150.000 Kilometer) schlägt mit 979 Euro extra zu Buche.

Weitaus erfreulicher sind andere, pfiffige Details. Etwa der simple Einsatz für den Getränkehalter, der als Smartphone-Ablage dient; etwa der im Türablagefach einklemmbare Mülltütenbehälter. Mit solchen Nettigkeiten unterstreicht Skoda seinen selbstgewählten Anspruch, vernunftbetonte, praktische Autos zu bauen. Das setzt sich auch beim äußeren wie inneren Erscheinungsbild fort. Keine aufregenden Designexperimente, alles ist zweckmäßig, nüchtern und auf ansehnlichem Qualitätsniveau. Wer mag, kann sich über den vielfältigen Einsatz von Hautplastik grämen.

Dank diverser Applikationen wirkt der Innenraum nicht mehr nur preiswert. Der Sitze vorne wie hinten erweisen sich als gut gepolstert und durchaus langstreckentauglich. Das Wort Spaceback für den Fünftürer wirkt keineswegs übertrieben. Das Kofferraumvolumen für den Fünftürer liegt mit 415 bis 1.381 Liter auf Kompaktklasse-Niveau. Hinten sitzt man mit angenehmer Bein- und Kopffreiheit. Nur für drei würde es eng. Schön und rückenfreundlich erweist sich die niedrige Ladekante (67 Zentimeter) sowie die große Öffnung des Schrägheckmodells.

Komfort wird großgeschrieben

Der Spaceback misst 4,30 Meter in der Länge, was bei einem Radstand von 2,60 Metern für kurze Überhänge sorgt. Ein dynamischer Auftritt ist optisch das Ergebnis. Bei der Abstimmung des Fahrwerks wurde diesem Eindruck mit einem kleinen Schuss Sportlichkeit durchaus Rechnung getragen. Über wirklich schlechte Strecken und Querwellen werden die Insassen nicht im Unklaren gelassen. Komfort wird gleichwohl großgeschrieben. So meistert der Fronttriebler die lange Strecke ebenso bravourös wie die schnelle Fahrt durch Kurven. Und sollte der Fahrer sein Können überschätzt oder die Tücke der Strecke unterschätzt haben, greifen die diversen Assistenzsysteme ein. Die exakte Lenkung trägt dazu bei, dass der Wagen brav auf alle Lenkanweisungen reagiert.

Der Einliter-Motor besitzt drei statt vier Zylinder und leistet 110 PS. Das reicht laut Skoda für eine Spitzengeschwindigkeit von 198 Kilometer pro Stunde (km/h) und einen Sprint von null auf Tempo 100 in knapp zehn Sekunden. Was allerdings im Stadtverkehr stört, ist die Anfahrschwäche des kleinen Turbo-Direkteinspritzers. Dass er einen Dreizylinder fährt, merkt der Fahrer an gelegentlichen, leichten Vibrationen im Lenkrad. Im Alltagsgebrauch weist der Bordcomputer Verbrauchswerte um 5,2 Liter aus.

Die VW-Tochter Skoda hat sich konsequent zu einem veritablen Mitbewerber entwickelt mit einer eigenständigen Charakterstärke. Der Rapid zeigt sich da als ein geräumiger, komfortabler und agiler Kompakter mit moderner VW-Antriebstechnik, ohne Effekthascherei oder Firlefanz.

(amv)