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Fahrbericht: Kia Picanto GT Line

Cityflitzer mit neuer Ausstattung : Der Kia Picanto wird erwachsen

Aluminium-Sportpedale, Leichtmetall-Felgen, LED-Tagfahrlicht, Sport-Lederlenkrad, Doppelrohrauspuff - das alles sind nicht unbedingt Attribute eines kleinen Cityflitzer. Doch der KIA Picanto präsentiert sich mit einer derart umfangreichen Ausstattung und bietet noch weitaus mehr.

So genügt ein Kreuz an der Ausstattungsversion GT-Line (plus 5260 Euro) und schon unterstreichen neben den genannten Merkmalen muskulöser gezeichnete Stoßfänger - hinten sogar mit Diffusoroptik - samt einigen Chromverbrämungen die markante Optik des nur 3,60 Meter langen Viertürers. Der 2,40 Meter lange Radstand lässt den Picanto auf den ersten Blick nicht nur größer wirken als er eigentlich ist. Er beschert den Insassen auch etwas mehr Platz als in einem Kleinwagen zu erwarten ist. Fahrer und Beifahrer dürfen sich auf den angenehm straff gepolsterten Sitzen fast schon über ein Raumgefühl wie in einem Fahrzeug des nächsthöheren Segments freuen. Die Reisenden im Fond haben naturgemäß wenig Kniefreiheit. Doch da die Füße unter die Vordersitze passen, lassen sich selbst für durchschnittlich groß gewachsenen Erwachsene längere Fahrten recht gut aushalten.

Dazu trägt das hochwertig wirkende Interieur bei. Schalter und Tasten lassen sich präzise bedienen und geben eine gute Rückmeldung. Nicht wirklich nachzuvollziehen ist jedoch, warum das Sportlenkrad nur in der Höhe zu verstellen ist. Bereits ab Werk gehören praktische Details wie eine Zwölf-Volt-Steckdose in der Mittelkonsole zum Lieferumfang. Ebenfalls auf Spiegel in beiden Sonnenblenden muss man nicht verzichten - bei der GT-Line sind sie sogar mit LED-Beleuchtung versehen. Kleinkram lässt sich in den Fächern zwischen den Sitzen verstauen. Für das Handy gibt es ebenfalls ein eigenes Fach. In die vorderen Türfächer passen Einliter-Flaschen. Der Kofferraum schluckt mit 255 Liter mehr als mancher Konkurrent. Zwar ist die Ladekante bauartbedingt hoch. Doch da der Ladeboden auf zwei Ebenen eingelegt werden kann, gibt es innen kaum noch eine Stufe und die Ladefläche ist selbst bei umgeklappten Lehnen der hinteren Sitze so gut wie eben, wenn die oberen Schienen benutzt werden. Das Staufach darunter reicht dann für kleinere Taschen oder andere Gegenstände aus.

So alltagstauglich wie Gepäckabteil und Innenraum zeigt sich das Fahrverhalten des Picanto. Zwar wird nicht jede Unebenheit weggefiltert und über Gullideckel beispielsweise geht es mit dem Fronttriebler schon recht holprig hinweg. Doch wirklich unkomfortabel wird die Fahrt dadurch nicht. Die Lenkung ist präzise, ein kleiner Wendekreis von nur 9,4 Metern in der Stadt sehr hilfreich.

Überraschend indessen, dass der immerhin 84 PS starke 1,2-Liter-Benziner außer bei Stadtgeschwindigkeiten meist etwas verhalten wirkt. Weil er lediglich ein Leergewicht von etwas weniger als einer Tonne zu bewegen hat, wäre da eigentlich etwas mehr zu erwarten. Das maximale Drehmoment des Vierzylinders beträgt 122 Newtonmeter (Nm) bei 4000 Umdrehungen. Laut Kia gelingt der Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 in zwölf Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 173 Kilometern in der Stunde (km/h) erreicht. Dreht der Motor höher als 3000 Touren, nehmen die Arbeitsgeräusche deutlich zu. Und auch der Normverbrauch von 5,1 Litern rückt in die Ferne, wenn allzu häufig die volle Leistung abgerufen wird. Dann springt die Anzeige des Bordcomputers schnell auf mehr als sieben Liter. Bei normaler Fahrweise liegt der Spritbedarf bei vertretbaren 6,5 Litern.

Richtig gut aber ist die serienmäßige Ausstattung. Radio mit RDS-Funktion, USB- und Aux-Anschluss, Bordcomputer, Dämmerungssensor, Zentralverriegelung sowie die Berganfahrhilfe sind bereits im Basismodell (9.990 Euro) enthalten. Die höheren Versionen verfügen zusätzlich über einen Knieairbag auf der Fahrerseite. Zudem tragen elektrisch bedienbare Fensterheber vorne und hinten, ein höhenverstellbarer Fahrersitz, Klimaanlage oder Sitzheizung vorn und ein beheizbares Lederlenkrad zum Komfort an Bord bei. Gönnt man sich neben der Metalliclackierung (490 Euro) Extras wie das Navigationsgerät (990 Euro), das Technologie-Paket (890 Euro/unter anderem Start-Stopp-Knopf, Klimaautomatik, Parksensoren, Tempomat) oder das so genannte Advanced-Driving-Assistance-Paket (590 Euro) mit einem Notbremsassistenten, dann stehen am Ende 18.210 Euro für den sportlich gestylten Kia Picanto auf der Rechnung. Eine Summe, hinter der man wohl ebenfalls nicht unbedingt einen City-Flitzer vermutet.

(amv)