Fahrbericht BMW X2 xDrive20d M Sport X: mehr als nur Desgin

Fahrbericht BMW X2 xDrive20d M Sport X : Mehr als nur ein ansprechendes Design

Im Prinzip ist der BMW X2 xDrive20d ein ziemlich stimmiges Fahrzeug. Optik und Platzangebot sind gelungen. Der durchzugsstarke Zweiliter-Diesel bietet viel Anlass für die vom Hersteller propagierte Freude am Fahren.

Allerdings: die wird beim Blick auf die Preisliste mächtig getrübt. SUV-Coupés wirken oftmals bullig. Beim X2 ist es den Designern jedoch gelungen, ein Gleichgewicht aus Dynamik und Eleganz zu kreieren. Anders als bei dengroßen Brüdern X4 und X6 senkt sich die Dachlinie wesentlich moderater ab. Mit einer Länge von 4,36 Metern, einer Breite von 1,82 Metern sowie einer Höhe von 1,53 Metern ist das sportliche SUV um acht Zentimeter kürzer und sieben Zentimeter niedriger als der X1.

Doch Abmessungen zeitigen für die Passagiere im X2 kaum Nachteile. Bei einem Radstand von 2,67 Metern sind Bein- und Kopffreiheit selbst im Fond noch absolut in Ordnung. Dazu trägt die im Vergleich zum X1 um zwei Zentimeter abgesenkte Sitzposition bei. Andererseits führt dies bei etwas größeren Passagieren im Fond zu einem sehr spitzen Kniewinkel, zumal die Sitzflächen hinten recht kurz ausgefallen sind. Fahrer und Beifahrer haben indessen den Vorteil, in der M-Sport-Version serienmäßig auf gut konturierten Sportsitzen Platz nehmen zu können.

In Verbindung mit der elektrischen Einstellung (500 Euro Aufpreis) lassen sie sich zudem individuell anpassen. Unter anderem ist die Sitzfläche in der Neigung verstell-, in der Länge erweiter-, die Breite der Lehnen elektrisch einstell- und die Lordosenstütze variierbar. Doch wo viel Licht, da in diesem Fall leider auch Schatten: die Armauflage an der Tür ist so hoch, dass deren Nutzung auf Dauerzu Schulterverspannungen führt. Immerhin ist die Lehne der Mittelkonsole in mehreren Positionen in der Höhe arretierbar. Keinerlei Ausgleichsmöglichkeiten gibt es dagegen für die mangelhafte Rundumsicht. Die breiten C-Säulen sowie das sehr klein geschnittene Heckfenster schränken den Blick nach hinten mächtig ein.

Gegenüber dem X1 fällt das Volumen des Kofferraumes lediglich 30 Liter geringer aus. Bei einem Fassungsvermögen von 470 Litern inklusive eines großen Abteils im Unterboden dürfte das im Alltag kaum ins Gewicht fallen. Bei vorgeklappten hinteren Lehnen kann das Ladeabteil auf 1080 Litern erweitert werden. Das ist nicht üppig, aber die glattflächigen Seiten erleichtern das Verstauen von Gepäck oder Getränkekisten. Diese müssen allerdings über eine 77 Zentimeter hohe Ladekante gehievt werden. Rückenfreundlich ist anders.

Tadellos ist die bei BMW übliche Ausrichtung der Instrumente auf den Fahrer. Sämtliche Anzeigen liegen gut im Blick. Die Bedienung des Dreh-Drück-Stellers in der Mittelkonsole, über den sich alle Funktionen des Bordmenüs steuern lassen, erfolgt nach kurzer Zeit intuitiv. Annehmlichkeiten wie das gestochen scharfe Head-Up-Display gibt es jedoch nur in Verbindung mit dem großen Navigationssystem (2890 Euro). Die kleinere Navi-Version würde genügen, um das Handy - vorausgesetzt es ist ein Apple-Modell - mit dem Fahrzeug zu verbinden (Aufpreis: 300 Euro). Diese Möglichkeit besteht dann für drei Jahre. Danach muss das Abo für 110 Euro im Jahr verlängert werden. Eine außergewöhnliche Lösung, die ebenso wenig zeitgemäß erscheint wie der fehlende USB-Anschluss im Fond.

Nichts zu mäkeln gibt es an der Abstimmung des in der M Sport X-Versionserienmäßigen Sportfahrwerks. Das ist im „Normalmodus“ eher straff ausgelegt, ohne dass der Komfort zu kurz kommt. Wer darauf mehr Wert legt, schaltet in die Stufe „Comfort“. Richtig knackig gezurrt sind Dämpfer und Federn im Sport-Modus. Generell liegt der X2 satt auf der Straße und gut in der Hand. Schnelle Kurvenpassagen sind - auch dank der optionalen M Sportlenkung mit kleinem Lenkwinkel und guter Rückmeldung - ebenso möglich wie die flotte Fahrt über schlechtere Wegstrecken.

Arbeitet unter der Haube der 190-PS-starke Zweiliter-Diesel, dann steht eines außer Frage: mit 400 Newtonmetern Drehmoment zwischen 1750 und 2500 Umdrehungen ist für einen ebenso starken Antritt wie Durchzug gesorgt. Laut BMW wird die Tempo-100-Marke aus dem Stand in 7,7 Sekunden erreicht. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 221 Kilometern in der Stunde (km/h) angegeben. Der Motor läuft ausgesprochen leise und hält sich selbst bei ambitionierter Fahrweise beim Verbrauch noch zurück. Mit knapp über sechs Litern ist der Durchschnittsverbrauch vom Normverbrauch (4,9 Liter) nicht allzu weit entfernt. Bei etwas zurückhaltendem Gasfuß zeigt der Bordcomputer schnell einen Liter weniger an. Das kann sich bei diesem Leistungsangebot sehen lassen. Zumal der Fahrspaß von dem harmonisch abgestimmten Doppelkupplungsgetriebe noch unterstrichen wird.

Bleibt der Blick in die Preisliste. 43.800 Euro kostet die Basisversion des X2 xDrive20d, Auffahrwarnung mit City-Notbremssystem inklusive. 50.200 Euro sind für die M Sport Version anzulegen. Dann ist der sportliche BMW unter anderem mit 19-Zoll-Alurädern, M-Sportfahrwerk, M-Exterieur-Paket und LED-Scheinwerfern ausgestattet. Werden bei der Bestellung aber noch einige Extras angekreuzt, stehen mehr als 60.000 Euro auf der Rechnung. Für einen kompakten SUV ist das schon ein sehr stolzer Preis.Mit dem dürften mögliche Begehrlichkeiten für dieses Auto einen ziemlichen Dämpfer bekommen.Sabine Neumann