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München: Fahrbericht BMW 63 GT 330d Sports Line: Vertrauens- und Preisfrage

München : Fahrbericht BMW 63 GT 330d Sports Line: Vertrauens- und Preisfrage

Einparken, ohne im Auto zu sitzen, im Verkehr mitschwimmen, ohne etwas dafür tun zu müssen, massiert werden, ohne einen Termin zu machen und dank einer genauen Analyse der Echtzeit-Verkehrslagedaten ziemlich exakt wissen, wann man losfahren muss, um ohne Stress beim Termin zu sein. Es lässt sich ungemein entspannt in einem entsprechend ausgerüsteten BMW 6er GT xDrive reisen.

Die zweite Generation des Gran Turismo ist den Münchnern fraglos gelungen. Trotz Ausmaßen von 5,09 Metern Länge, 1,90 Metern Breite und einer Höhe von 1,53 Metern wirkt das viertürige Coupé gleichermaßen kraftvoll wie elegant und dynamisch. Gleichwohl es ist ziemlich viel Auto. Spätestens in engen Parkhäusern, schmalen Gassen oder in Baustellenpassagen auf der Autobahn wird das einem sehr bewusst.

Herausforderungen, die der Fahrer von seinem bequemen Komfortsitz (auch für den Beifahrer 1660 Euro) aus sehr souverän meistern kann. Es ist also nicht verwunderlich, dass sich laut BMW die Hälfte der Kunden für diese Sitzvariante entscheiden. Für 1100 Euro zusätzlich werden zudem noch acht Massageprogramme mitgeliefert. Die in drei Stufen aktivierbare Palette reicht von Becken- oder Ganzkörperaktivierung über Schultermassage bis hin zum Oberkörpertraining.

Zu solchem Sitzkomfort kommen großzügig bemessene Platzverhältnisse für Fahrer und Beifahrer, selbst wenn man sich aufgrund des breiten Mitteltunnels und der hoch aufragenden Armaturentafel wie in einer komfortablen Sicherheitskoje fühlt. Ganz und gar frei dürfen sich die Passagiere (drei ausgeformte Plätze) im Fond fühlen. Schlank gezeichnete B- und C-Säulen sowie große Fensterflächen verstärken den Eindruck von Luftigkeit. Hochwertige und bestens verarbeitete Materialien wie Leder, Chrom und Keramik (550 Euro) unterstreichen den Anspruch an luxuriöse Eleganz.

Filigrane Aluminiumringe umfassen die Anzeigen im Instrumententräger, deren Informationen ebenso perfekt ablesbar sind wie die des serienmäßigen Head-Up-Displays oder des Infotainment-Bildschirms (10,25 Zoll). Optional (250 Euro) ist es möglich, unter anderem die Lautstärkeregelung oder den Senderwechsel per Gestensteuerung vorzunehmen. Die reagiert jedoch längst nicht immer. Irgendwie erklärt sich der Sinn nicht so recht, warum es besser sein soll, vor dem Bildschirm mit der Hand hin- und her zu wedeln als die Tasten am (beheizbaren) Multifunktionslenkrad zu nutzen.

Absolut sinnig ist indessen die in Serie vorhandene elektrische Bedienung der Heckklappe. Der Kofferraum bietet ein Volumen von 610 Litern. Werden die hinteren Lehnen (40:20:40 geteilt) vorgeklappt - auf Wunsch per elektrischer Fernentriegelung - stehen 1800 Liter zur Verfügung. Das kann sich mit so gut wie jedem Kombi messen.

Dank intelligenter Vernetzung kann der Innenraum des Fahrzeugs bereits vor Antritt der Fahrt über den als Mini-Bildschirm gestalteten Schlüssel auf die gewünschte Temperatur gebracht werden. Digitale Helfer ermitteln aus den Kalendereinträgen des Smartphones und den Echtzeit-Verkehrslagedaten den idealen Zeitpunkt zur Abfahrt, um pünktlich das Ziel zu erreichen.

Unterwegs kann der 6er GT auf Wunsch einen Teil der Fahraufgaben übernehmen. Serienmäßig überwachen eine Stereokamera, optional Radar- und Ultraschallsensoren den Verkehr um das Fahrzeug herum. Der Lenk- und Spurführungsassistent orientiert sich zuverlässig an Fahrbahnmarkierungen und an vorausfahrenden Fahrzeugen. Das anfangs vorhandene mulmige Gefühl bei der Testfahrt legt sich erstaunlich schnell. Der Kontakt von zwei, drei Fingern am Lenkrad reicht aus, um das Assistenzsystem aktiv zu halten. Aber Achtung: Der Gesetzgeber schreibt vor, weiterhin mit beiden Händen am Lenkrad zu fahren.

Das Auto erkennt schon nach wenigen Sekunden, wenn der Fahrer diese Vorgabe ignoriert. Viel Vertrauen verlangt es, den 6er nach dem Aussteigen per Knopfdruck auf die Fernbedienung ein- und später wieder ausparken zu lassen. Aber auch das meistert die Mittelklasse-Limousine ohne Fehl und Tadel. Der Wagen rollt mit dem richtigen Abstand zu den rechts und links abgestellten Autos in die Parklücke und bremst rechtzeitig ab. Zum Ausparken muss der Fahrer ebenfalls nicht einsteigen. Der Druck auf Fernbedienung reicht aus, um den Motor zu starten und anschließend aus der Lücke zu locken.

Den Dreiliter-Reihensechszylinder (265 PS) mit bärenstarken Antritt und Durchzugskraft hat BMW einer Achtgang Step-Tronic kombiniert ist. Das maximale Drehmoment von 620 Newtonmetern liegt bei 2000 Umdrehungen an. Power, mit der in nur sechs Sekunden die Tachonadel auf die 100er-Marke schnellt (Werksangaben). Die Spitzengeschwindigkeit ist bei 250 Kilometern in der Stunde erreicht. Doch das wahre Naturell eines Gran Turismo ist nicht die Raserei, sondern das souveräne Dahingleiten. Das kommt dem Spritverbrauch entgegen, der mit 7,9 Litern zwei Liter über dem von BMW angegebenen Normwert lag.

Die gemäßigte Gangart passt überdies viel besser zu der eher komfortablen Abstimmung von Federn und Dämpfern. Das Fahrwerk ist eher auf Komfort denn auf straffe Sportlichkeit ausgelegt. Soll der 6er GT mal zügig um die Ecken bewegt werden, dann empfiehlt sich das Umschalten in den Sportmodus. Der serienmäßige Allradantrieb tut das seine zur Fahrstabilität hinzu. Generell fühlt es sich jedoch stimmiger an, mit dem BMW 6er GT gelassen unterwegs zu sein.

Gelassenheit ist ebenfalls die richtige Grundeinstellung bei der Anschaffung. Bei einer bereits umfangreich bestückten Serienausstattung, zahlreichen Extras der Sport-Line-Variante und zusätzlichen Extras wie dem Entertainment-Paket (1750 Euro) oder der Integral-Aktivlenkung (1250 Euro) stehen am Ende 90.260 Euro unter dem Strich auf der Rechnung. Da tut wohl so einiges an Entspannung gut.

(amv)