Fahrbericht: Kia Ceed: Ein moderner und alltagstauglicher Kompakter

Fahrbericht: Kia Ceed : Ein moderner und alltagstauglicher Kompakter

Die Hände ein paar Augenblicke in den Schoß legen, die Füße bequem neben die Pedale stellen und dennoch ganz gemächlich - sprich teilautonom - dem Verkehr folgen, noch ist das zugegebenermaßen ungewohnt. Doch das stimmige Gesamtpaket des Kia Ceed bildet einen guten Rahmen, sich auf derartige Erfahrungen einzulassen.

Bei der nunmehr dritten Generation des koreanischen Kompaktwagens haben die Entwickler im Forschungszentrum Rüsselsheim und die Gestalter des Kia-Designzentrum Frankfurt ihre Kompetenz in vielerlei Hinsicht bewiesen. Ein Beispiel dafür ist das optionale Technologiepaket, das es eben ermöglicht, die Hände zumindest für ein paar Sekunden vom Lenkrad zu nehmen oder nur leicht zu berühren, ohne dass der Wagen aus der Spur gerät. Bis Tempo 180 folgt der Ceed dabei dem vorausfahrenden Wagen in einem angepassten Sicherheitsabstand.

Rein äußerlich profitiert die 4,31 Meter lange und 1,89 Meter breite Karosserie von sportlichen Elementen des Stinger. Dafür stehen die lange und leicht nach vorne abfallende Motorhaube oder der breite Kühlergrill in Kombination mit dementsprechend gestreckten, unteren Lufteinlass. Zudem lassen die relativ geringe Höhe von nur 1,45 Metern, die nach hinten versetzte Passagierkabine und die kraftvoll herausgearbeiteten Schulterpartien die Schräghecklimousine breit und dynamisch wirken.

Bei einem Radstand von 2,65 Metern herrscht auf allen Plätzen ausreichend Beinfreiheit. Und trotz der relativ geringen Höhe des Wagens ist auch über dem Kopf ausreichend Luft. Dazu kommt das in jedem Bereich spürbare Bemühen um Wertigkeit und Komfort. „Konkurrenz belebt das Geschäft“, weiß man ja und Kia Ceed-Kunden profitieren bei der Ausstattung eindeutig von der Messlatte, die VW mit dem Golf gelegt hat. Hierzu zählen zum einem die gut gepolsterten Sitze, die langstreckentauglichen Halt geben. Zum anderen strahlen die eingesetzten Materialien (Soft-Touch, Metall- und Chromoptik) durch die Bank Qualität aus.

Die schlanke Architektur des Armaturenträgers zieht das Passagierabteil auch innen in die Breite. Die Mittelkonsole ist leicht zum Fahrer geneigt und in zwei Teile gegliedert. Über den freistehenden Acht-Zoll-Touchscreen im oberen Bereich lässt sich das Infotainmentsystem bedienen. Erfreulicherweise haben es die Kia-Techniker für die Lautstärkeregelung sowie den Zoom der Karte bei Drehknöpfen belassen. Die darunter liegende Steuerungseinheit für die Klimatisierung ist ebenfalls leicht zur überblicken und zu bedienen.

Mit einem Gepäckraumvolumen von 395 Litern (maximal 1291 Liter) bietet das Ladeabteil Platz genug für Koffer und Taschen. Die Ladekante von gerade einmal 66 Zentimetern gestaltet das Be- und Entladen angenehm wirbelsäulenfreundlich. Liegt der variable Kofferraumboden in der oberen Position, dann entsteht eine lediglich gut zwei Zentimeter hohe Kante.

Einerlei, ob der Ceed voll beladen oder nur der Fahrerplatz besetzt ist – der 136 PS starke 1,6-Liter-Diesel zeigt sich antritts- und durchzugsstark. Das maximale Drehmoment von 320 Newtonmetern (Nm) steht zwischen 2000 bis 2.250 Umdrehungen in der Minute (U/min.) zur Verfügung. Überholmanöver gelingen damit leichtfüßig. 9,9 Sekunden vergehen laut Kia bis die Tempo-100-Marke erreicht ist. In der Spitze ist der Selbstzünder mit einer Geschwindigkeit von 200 Kilometern in der Stunde (km/h) angegeben. Nur der Normverbrauch von 4,3 Litern ist selbst bei sehr zurückhaltendem Gasfuß nicht darstellbar. Hier zeigt der Bordcomputer selten weniger als 5,9 Liter an. Sehr harmonisch auf die Charakteristik der Maschine abgestimmt zeigt sich das sieben Stufen umfassende Doppelkupplungsgetriebe.

Ebenfalls richtig gut abgestimmt ist das Fahrwerk. Hier haben die Techniker die Spreizung zwischen Komfort und Sportlichkeit gekonnt hinbekommen. Flotte Kurvenfahrten - die Lenkung reagiert direkt - meistert der Ceed ebenso tadellos wie Straßenabschnitte mit schlechterem Belag.

Schon in der Basis (15.990 Euro) ist der Ceed umfangreich ausgestattet, bietet unter anderem eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung samt Aux- und USB-Schnittstellen, Tempomat, Radio mit Fünf-Zoll-LCD-Display und eine Reihe von Assistenzsystemen. Die Spirit-Ausstattung (mit diesem Motor und Getriebe ab 28.590 Euro) verfügt zusätzlich über 17-Zoll-Aluräder, Klimaautomatik, digitalen Radioempfang und Assistenzsystemen wie Frontkollisions- und Querverkehrswarner sowie Spurwechselassistent. Gönnt man sich neben der Metalliclackierung (590 Euro) das Navigations-Paket (890 Euro inklusive Verkehrszeichenerkennung und JBL-Soundsystem) und das oben erwähnte Technologiepaket (1090 Euro/unter anderem mit Parkassistent und Start-Stopp-Knopf), steht am Ende zwar eine Summe von 31.160 Euro auf der Rechnung. Dann kümmert sich der Stauassistent anhand vorhandener Fahrbahnmarkierungen sowie dem vorausfahrenden Verkehr recht zuverlässig darum, selbstständig zu lenken, zu bremsen und wieder zu beschleunigen. Wer häufig im Stau des Berufsverkehrs unterwegs ist, gewöhnt sich schnell daran und möchte diese Art der Unterstützung nicht mehr missen.

Mehr von Aachener Zeitung