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Fahrbericht: Die Klippe ist der Preis vom Nissan Leaf e+ Tekna

Fahrbericht : Die Klippe ist der Preis vom Nissan Leaf e+ Tekna

Ein Umstieg auf Elektromobilität muss mit den persönlichen Voraussetzungen übereinstimmen. Sind die individuellen Gegebenheiten geklärt, dann ist ein Fahrzeug wie der Nissan Leaf nicht nur für den Alltag gewappnet, sondern bringt zudem jede Menge Spaß mit.

Für den Spaß im Leaf ist der Elektroantrieb maßgeblich verantwortlich. In der Version e+ sorgt eine starke Batterie (62 Kilowattstunden) für eine Leistung von 217 PS. Das maximale Drehmoment gibt Nissan mit 340 Newtonmetern an. Kraft, die unmittelbar und - falls man es darauf anlegt – vehement zur Verfügung steht. Die Versuchung, es an der Ampel zu einem kurzen Kräftemessen mit gestandenen Sportwagen kommen zu lassen, ist immer wieder groß. Im Datenblatt ist der Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 mit 6,9 Sekunden verzeichnet. Die eigentliche Kraft des Antritts aber zeigt sich bis Tempo 50. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 157 Kilometer in der Stunde (km/h) limitiert. Ein Stromer ist schließlich trotz des Sprintvermögens kein rassiger Sportler. Vielmehr rücken an Bord eines solchen Fahrzeugs Aspekte wie Umweltschutz, Nachhaltigkeit und oftmals sogar Entschleunigung in den Vordergrund.

Deshalb liegt ein Druck auf die Eco-Taste in der Mittelkonsole nahe. Damit wird die Motorleistung gedrosselt. Im Stadtverkehr macht sich der Kraftverzicht nicht wirklich bemerkbar. Aber: Eco spart Leistung und bringt im Gegenzug Reichweite. Zumal die volle Kraft bei einem intensiveren Druck auf das rechte Pedal sofort wieder zur Verfügung steht. Apropos rechtes Pedal: Per Knopfdruck in der Mittelkonsole lässt sich die so genannte „One-Pedal-Funktion“ aktivieren. Jedes Lupfen des Fußes führt zu einer deutlichen Verzögerung bis hin zum Stillstand. Es braucht ein wenig Gewöhnung, bis die Dosierung stimmt und die Bremse so gut wie gar nicht mehr zum Einsatz kommt. Wer noch mehr Energie während der Fahrt konservieren oder zurückgewinnen (Rekuperation) möchte, der wählt über den handflächengroßen Schalter zwischen den Sitzen die Stufe „B“ wie Brake. Ein Modus, der sich besonders für lange Bergabfahrten eignet.

Trotz technischer Finessen, laut Nissan ist die Batterie nach 385 Kilometer gemäß WLTP dann doch erschöpft. Für die Stadt gibt der japanische Hersteller 528 Kilometer an. Ein Wert, der durchaus realistisch ist und an dem sich zeigt, welches Szenario geradezu ideal für ein E-Auto ist: täglich zehn bis 20 Kilometer zur Arbeit und zurück; einige Wege zum Einkaufen, ab und zu ein Termin in der näheren Umgebung über Landstraße oder Autobahn. Zehn Kilometer bei Vollgas kosten etwa das Dreifache an Reichweite. Bei Richtgeschwindigkeit ist der Verlust deutlich geringer. Der Durchschnittsstromverbrauch liegt bei einer Kombination dieser Art bei 15,4 Kilowattstunden.

Einmal pro Woche Aufladen reicht dem Leaf dann im Grunde. Glücklich ist der, der zuhause eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach und/oder eine Wallbox an der Wand hat. Das Laden über den Haushaltsstecker ist nämlich ziemlich zeitaufwändig: In gut zehn Stunden steigt die Energie im Akku gerade einmal von 48 auf 85 Prozent. Schneller geht es an einer öffentlichen Ladesäule mit einem Typ-2-Ladeanschluss. Am schnellsten wieder auf 100 Prozent wäre die Batterie an einer Lademöglichkeit mit CHAdeMO-Anschluss. Doch die sind selten.

Seine Alltagstauglichkeit beweist der Stromer darüber hinaus mit seinem Platzangebot. Ein Radstand von 2,70 Metern bietet selbst Erwachsenen im Fond ausreichend Kniefreiheit. Die Sitzposition auf bequemen, mit Veloursleder bezogenen Sitzen (Serie Tekna) ist leicht erhöht. Das schafft einen guten Rundumblick, der nach hinten nur durch die breiten C-Säulen etwas eingeschränkt wird.

Der Kofferraum hat mit 385 Litern (maximal 1275 Liter) Fassungsvolumen eine durchschnittliche Größe. Die Ladekante liegt 72 Zentimeter über dem Boden. Das ist zwar aus ergonomischen Gesichtspunkten absolut ausreichend. Die 25 Zentimeter, die es anschließend wieder in die Tiefe bis zum Ladeboden geht, strapazieren hingegen den Rücken beim Ein- und Ausladen über Gebühr.

Gut gelöst ist die „Schaltzentrale“ für den Fahrer. Die teils digitalen, teils analogen Anzeigen im Instrumententräger sind problemlos ablesbar. Das Multimedia-System beinhaltet Radio, AUX-Anschluss, USB-Schnittstelle, Bluetooth-Streaming, Freisprecheinrichtung, DAB+ Radio sowie Apple Carplay und Android Auto ebenso wie das Navigationssystem. In Verbindung mit NissanConnect EV können damit unter anderem Ladestationen entlang der Route oder im Umkreis angezeigt werden.

Insgesamt zeigt sich der Leaf e+ in der Tekna-Version nahezu komplett ausgestattet, inklusive Rückfahrkamera mit 360-Grad-Ansicht, LED-Scheinwerfern samt elektronischen Helfern wie einem Stau-Assistenten mit Stop-and-Go-Funktion, dem Lenk-Assistenten für selbstständiges Spurhalten oder dem Geschwindigkeits- und Abstands-Assistenten. Inklusive autonomer Einparkautomatik (1200 Euro) und Zweifarblackierung (1190 Euro) steht der Wagen für 46.500 Euro beim Händler. Doch immerhin kann der interessierte Kunde davon den Umweltbonus in Höhe von 9000 Euro abziehen. Aber selbst dann bleibt eine Summe, für die die persönlichen Voraussetzungen ebenfalls vorhanden sein müssen.

(amv)