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Detroit: Detroit Motorshow: Comeback der großen Limousine

Detroit : Detroit Motorshow: Comeback der großen Limousine

Der SUV-Markt mag boomen und die Begeisterung für Pick-Ups bei den Amerikanern ungebrochen sein. Doch auf der Motorshow in Detroit steht eine andere Gattung im Rampenlicht: die große Limousine. Über Jahre vernachlässigt, feiert sie jetzt ihr Comeback.

Ein Taxi in Detroit? Darüber kann der Portier des Hotels nur lachen. Zwar haben die Autohersteller die Stadt zur Motorshow (noch bis 24. Januar) mit hunderten von Shuttle-Fahrzeugen förmlich geflutet. „Doch mal eben die Hand raushalten und ein Cab heranwinken, das kann man in Motor-City vergessen”, warnt der Dienstmann. Denn Taxen sind Mangelware in der Hauptstadt der amerikanischen Automobilindustrie. Und wenn mal eines hält, ist es meist ein Van oder ein SUV.

Konkurrenz für die neue Mercedes E-Klasse: Der Volvo S90 soll im Sommer nach Europa kommen und auch beim assistierten Fahren ganz vorne dabei sein.
Konkurrenz für die neue Mercedes E-Klasse: Der Volvo S90 soll im Sommer nach Europa kommen und auch beim assistierten Fahren ganz vorne dabei sein. Foto: Thomas Geiger

Das liegt nicht zuletzt an den vorherrschenden Geschmacksmustern der US-Kunden. Die haben der Limousine lange Jahre den Rücken gekehrt und sich für vermeintlich modernere, auf jeden Fall aber praktischere Karosserie-Konzepte interessiert. Doch damit könnte bald Schluss sein. Denn während draußen auf den Straßen noch die Geländewagen und Pick-Up-Trucks den Ton angeben, feiert drinnen auf der Motorshow das klassische Stufenheck ein imposantes Comeback: Denn wenn es für Beobachter, Analysten und Premierengäste einen Trend gibt auf dieser ansonsten eher durchwachsenen Messe, dann ist der zur Limousine.

Kia will mit dem neuen Cadenza, preislich auf dem Niveau des VW Passat, beim Prestige mit dem 5er BMW konkurrieren.
Kia will mit dem neuen Cadenza, preislich auf dem Niveau des VW Passat, beim Prestige mit dem 5er BMW konkurrieren. Foto: Thomas Geiger

Getrieben wird diese Entwicklung tatsächlich aus allen Regionen: Denn es sind Amerikaner, Asiaten und Europäer gleichermaßen, die im Cobo Center eine Stufenheck-Limousine nach der anderen enthüllen.

Rückkehr in die Oberklasse: Der erste Lincoln Continental nach über zehn Jahren soll Mercedes S-Klasse und BMW 7er Paroli bieten.
Rückkehr in die Oberklasse: Der erste Lincoln Continental nach über zehn Jahren soll Mercedes S-Klasse und BMW 7er Paroli bieten. Foto: NAIAS

Das buchstäblich dickste Ding kommt aus Korea: Dort baut Hyundai sein neues Flaggschiff Genesis G90 und hat nach dem Vorbild der Toyota-Tochter Lexus zum Auto gleich noch mit Genesis eine neue Marke lanciert. Zwar kommt die Limousine, die mit Motoren bis zum 309 kW/420 PS starken 5,0-Liter-V8 bestückt wird, erst einmal nicht nach Europa. Doch zumindest die europäischen Hersteller sollten sich den Luxusliner in Lack und Leder gründlich anschauen, rät Technik-Chef Albert Biermann: „Egal, ob daheim in Korea oder in Exportmärkten wie den USA und China, wollen wir das Geschäft nicht mehr allein den etablierten Größen überlassen”, rechtfertigt er das Prestige-Projekt.

 Amerikanischer Zwilling: Wann, in welchem Umfang und zu welchen Preisen das Fusion-Facelift für den Ford Mondeo übernommen wird, ist noch unklar.
Amerikanischer Zwilling: Wann, in welchem Umfang und zu welchen Preisen das Fusion-Facelift für den Ford Mondeo übernommen wird, ist noch unklar. Foto: Thomas Geiger

Damit sind die Koreaner aber nicht allein. Auch bei den US-Herstellern regt sich eine gewisse Begehrlichkeit. So wie Cadillac im vergangenen Frühjahr das neue Flaggschiff CT6 präsentiert hat, meldet sich deshalb jetzt auch Lincoln in dieser Liga zurück und zeigt auf der Motorshow den neuen Continental: „Nichts läuft besser im Autogeschäft als Luxus, davon wollen wir mit dem Lincoln wieder stärker profitieren”, sagt Ford-Chef Mark Fields mit Blick auf die elegante Limousine.

Angetrieben von einem V6-Benziner mit rund 294 kW/400 PS und ausgestattet mit allen Komfort- und Sicherheitssystemen, die der Ford-Konzern zu bieten hat, soll sie im Sommer zunächst in den USA und in Asien an den Start gehen, kündigte Ford an. Der Verkauf in Europa ist fürs erste nicht geplant.

Während Hyundai neu im Geschäft ist und Lincoln gerade erst wieder zurückkommt, gehen in Detroit auch ein paar Stammspieler in die nächste Runde: allen voran die Mercedes E-Klasse. Die nach Angaben von Projektleiter Michael Kelz traditionell wichtigste Baureihe der Schwaben gibt es bereits seit neun Generationen. Im April kommt die zehnte Auflage, kündigte Daimler-Chef Dieter Zetsche bei der Enthüllung an. Im Ringen mit BMW 5er und Audi A6 setzt er nicht nur auf ein frisches Design und ein ebenso komfortables wie modernes Interieur mit einem Cockpit im Cinemascope-Format, sondern auch auf deutlich weiterentwickelte Assistenzsysteme.

Aber auch auf diesem Feld muss die E-Klasse in Detroit Wettbewerb fürchten: Nur zwei Gänge weiter zeigt Volvo schließlich zum ersten Mal vor großem Publikum den neuen S90, der im Sommer auch in Europa die Modellpalette krönen soll. Der Fünf-Meter-Kreuzer bricht mit der Designtradition der Marke, bekommt ähnlich wie der Geländewagen XC90 ein revolutionäres Cockpit - und will laut Volvo beim assistierten Fahren ebenfalls ganz vorne dabei sein.

Zugegeben, für amerikanische Taxifahrer sind diese durchweg noblen Neuheiten alle nichts. Erst recht nicht im noch immer bettelarmen Detroit. Doch gibt es auch für breitere Käuferschichten mit weniger großzügigen Dienstwagenregelungen ein paar stufig geschnittene Neuheiten auf der Messe. So zeigt Hyundai-Schwester Kia zum ersten Mal in den USA den neuen Cadenza, der beim Preis auf dem Niveau des Passat liegt. Beim Prestige will er mit dem BMW 5er konkurrieren.

Und nur ein Jahr nach der verspäteten Einführung des Mondeo in Europa enthüllt Ford in Detroit bereits das Update für den amerikanischen Zwilling Fusion, der vor allem einen neuen Kühlergrill, ein aufgeräumteres Cockpit und einen sportlichen V6-Motor für das Top-Modell bekommt.

So auffällig der Trend zum Stufenheck in Detroit sein mag, so kurz wird er halten. Denn wenn der PS-Zirkus nach Europa kommt und seine Messebühne im März in Genf und im Oktober in Paris aufbaut, gibt es die gleichen Modelle in einer ganz anderen Form zu sehen: Aus dem Volvo S90 wird ein V90, die E-Klasse glänzt als T-Modell und der Mondeo als Turnier - und alle Welt freut sich über viele neue Kombis. Wahrscheinlich sogar die Taxifahrer.

(dpa)