1. Leben
  2. Auto

Essen: Der Wagen passend zum Nagellack: Auto-Tuning wird immer bunter

Essen : Der Wagen passend zum Nagellack: Auto-Tuning wird immer bunter

Der VW Golf IV der Sauerländerin Nadine Figur steht auf 19-Zoll-Felgen in knalligem Pink - genau der Farbton ihrer Fingernägel. Und der Karlsruher Simon Kröner hat seinen 1er BMW mit Folierung und Digitaldruck zum düsteren Motto-Car umgerüstet: „Suicidal E82” steht auf der schwarz-roten Fahrertür neben einer barbusigen Rothaarigen mit riesiger Kettensäge. Die rechte Autohälfte ist ganz in Weiß-Rot gestaltet, E82 ist die Typenbezeichnung des BMW. „Das Tuning wird bunt - innen und außen”, sagt Prof. Bodo Buschmann, Präsident des Automobiltunerverbandes VDAT.

Neonfarbene oder mehrfarbige Felgen, ausgefallene Lackierungen oder Folierungen und buntes Leder im Innenraum - der Trend zur Farbe breitet sich immer mehr aus. Das lässt sich auch an Showcars und dem Ausstellerangebot bei der Tuning-Messe Essen Motor Show (30. November bis 8. Dezember) ablesen.

Mindestens 40 bis 50 Aussteller sind beim Branchentreffen mit Produkten zur farbigen Autoveredlung dabei, sagt Messe-Organisator Martin Uhlendorf. „Der Wagen wird zunehmend zum Modeartikel, man fährt ihn nicht mehr bis zum Ende in derselben Farbe.”

Dabei sind veredelte und farbige Felgen laut Buschmann weiterhin Umsatzträger Nummer eins - kein Wunder, denn mit Felgen lässt sich nach wie vor auch für normalverdienende Autofans am schnellsten ein Effekt erzielen. Wenn man sich an der Farbe sattgesehen hat, sind die Felgen flott wieder abgebaut. Zweifarbige Räder liegen im Trend - etwa in Schwarz-Rot, Schwarz-Orange oder knallig neonfarben.

300 bis 5000 Euro pro Rad legen Autoenthusiasten dafür auf den Tisch. Um sich abzuheben, lassen einige die Felgen lackieren, eloxieren, pulverbeschichten oder sogar vergolden. Spezialfolien geben den Rädern zum Beispiel einen Carbon-Look. Oft wird nicht nur der äußere Felgenrand farbig gestaltet, sondern auch der Bremssattel lackiert - zum Beispiel gelb oder rot, damit er aussieht wie eine edle und für viele unbezahlbare Keramikbremse aus Sportwagenschmieden.

Großen Anteil am Trend zur Farbe haben die immer besseren Angebote der Industrie für Autofolien. Die schonen nicht nur den Originallack: Für im Schnitt rund 2.000 Euro können Autofans auch mal eine ausgefallene Farbe wagen, ohne dass der Wagen dadurch unverkäuflich wird. Etwa Pink, das als Autofarbe vor allem bei Tunerinnen Furore machte, nachdem Hotel-Erbin Paris Hilton mit einem pinken Bentley Continental die Leute-Spalten der Zeitungen füllte.

Die 30-jährige Arnsbergerin Nadine Figur hat zu pinken Außenspiegeln und Felgen einen weißen Mehrschichtlack gewählt, der im Sonnenschein pink-lila leuchtet. Sie legt aber Wert darauf, dass das mit Paris Hilton rein gar nichts zu tun habe. „Pink ist einfach meine Farbe.” Vorher war ihr Golf IV blau. Die Neulackierung und das Tuning innen und außen hat mindestens 15.000 Euro gekostet, schätzt sie.

Die Folien-Angebote werden immer ausgefeilter, berichtet Tuning-Experte Sven Schulz, der bei der Essen Motor Show die Sonderausstellung „TuningXperience” mit besonders ausgefallenen Wagen aufbaut. Gold und Silber sind längst gängig, daneben bieten die Hersteller verchromte Folien und solche, die Sonnenlicht speichern, so dass der Wagen nachts leuchtet. Dies eigne sich aber nur für Showcars und bedürfe der Zustimmung des TÜV, betont Schulz. Wie bei den Felgen sind auch für Motorhaube und Dach Carbon-Effekte begehrt.

All der Aufwand hat meist einen Antrieb: „Ich wollte was komplett eigenes”, wie Tuner Kröner (31) mit dem umgestalteten 1er BMW sagt. Und es soll durchaus auffallen. Dafür hat Kröner zusammen mit einem Designer die genauen Maße des Autos in einen Computer eingegeben und den Digitaldruck für seine Folie komplett von Hand zeichnen lassen - mehrere Monate Arbeit und allein rund 5.000 Euro nur für die Grafik.

„Das ist wie ein Ruf der Befreiung: Dies hier ist mein Auto, ich folge nicht den Zwängen der andern”, sagt der Kölner Auto-Design-Professor Paolo Tumminelli. Die günstige Folientechnik mache den Farbwechsel bezahlbar. Er ist sicher, das sich folierte und individuell gestaltete Wagen noch deutlich stärker verbreiten werden.

Für eingefleischte Fans wie Kröner geht das Farbspiel auch da weiter, wo kaum mehr einer hinschaut: „Im Motorraum habe ich alles lackiert, was geht, und die Kühlwasserschläuche beledert”, sagt er. Versilberte und vergoldete Schrauben rund um den Motor seien in der Tuner-Szene nichts Neues mehr. „Da musste ich wieder was anderes machen: Ich hab die Schrauben dann eben pulverbeschichtet - das hat noch keiner.”

(dpa)