Brühl: Der Renault Captur TCe 90 fällt auf

Brühl: Der Renault Captur TCe 90 fällt auf

„Der urbane Crossover vereint die Qualitäten eines SUVs, eines Kompaktvans und einer Kompaktlimousine“, so wirbt Renault für sein neues Modell Captur. Das mit den SUV-Qualitäten kann man getrost vergessen.

Der Captur ist kein Geländewagen. Er sieht nur so aus. Allradantrieb gibt es nicht, auch nicht als Extra. Das kann man allerdings gut verschmerzen, denn sein Revier ist die Straße. Da fährt er sich wie ein Kompakter und bietet innen jede Menge pfiffiger Lösungen. Zudem sticht er durch eine poppige Zweifarbenlackierung und bunte Zierblenden an Leuchten, Kühlergrill sowie an der Kofferraumklappe oder farbige 17-Zoll-Felgen samt Aufklebern auf dem Dach (Aufpreis: 300 Euro) erfrischend angenehm aus dem sonstigen Auto-Allerlei hervor.

Keine Frage, der Auftritt des Captur kommt an. Immer wieder wird man entsprechend angesprochen. Eigenständig und ansprechend präsentiert sich auch der Innenraum, ohne dass Funktionalität und Verarbeitungsqualität auf der Strecke bleiben. Das reichlich Hartplastik zum Einsatz kommt, kann man goutieren, zumal es mit Klavierlack und Chromapplikationen verbrämt wird.

Sehr praktisch ist das Handschuhfach: eine ausziehbare Schublade mit üppigen elf Litern Stauvolumen. Sinnreich überdies die abziehbaren Sitzbezüge, die mit Reißverschlüssen auf den Polstern befestigt sind. „Sie lassen sich im Handumdrehen abziehen und bei 40 Grad in der Waschmaschine reinigen“, erläutert Renault-Sprecher Thomas May-Englert.

Vier Erwachsenen bietet der Captur - technisch basiert er auf den Renault Clio - ausreichend Platz, vorne sogar recht großzügig. Der Kofferraum fasst 285 Liter, doch die Rücksitzbank lässt sich um 16 Zentimeter verschieben, was Kofferraumvolumen und Beinfreiheit im Fond variabel werden lässt. Ein weiteres Beispiel der durchdachten Konstruktion. Das Angebot an Assistenzsystemen ist klassenüblich dünn und aufpreispflichtig.

Wichtig, der Captur hat im NCAP-Crashtest die Bestnote erreicht. Eine Rückfahrkamera samt einklappbaren Rückspiegel ist im City-Paket-Plus enthalten (590 Euro). Das mit dem Gelände ist bereits geklärt. In der Stadt zeigt sich der Captur als wendig, praktisch und leichtfüßig. Bei Überlandfahrten wird der komfortabel ausgelegte Charakter des Fahrwerks angenehm spürbar, aber auch, dass den Sitzen eine straffere, mehr Halt bietende Polsterung gut stehe würde.

Über Querfugen und ähnlich Unebenheiten werden die Insassen allerdings wenig gefiltert informiert und bisweilen poltert es an der Vorderachse. Vermeintlich sportliche Fahrweise ist nicht die Domäne des Captur. Ziemlich rasch greift dann das ESP ein. Bremse, Lenkung und Getriebe verrichten ihr Werk, wie man es erwartet.

Ziemlich unerwartet ist hingegen die Leistungsentfaltung des downgesizten Dreizylinder-Benziner (90 PS/Drehmoment 135 Newtonmeter). Laut Hersteller reicht er für eine Höchstgeschwindigkeit 171 Stundenkilometern und der Sprint von null auf 100 km/h wird in 13,0 Sekunden absolviert. Doch was verdrießt, ist die Leistungsentfaltung. Der Motor schüttelt sich im Leerlauf, dreht unharmonisch hoch, lärmt. Kurz: Ihm fehlt wohl konstruktiver Feinschliff. Eine Ausgleichswelle täte gut.

Seine ungehobelte Art garniert er zudem mit einem ziemlich hohen Verbrauch. 7,5 Liter je 100 Kilometer sollte man einkalkulieren. Wer also nicht allein auf den Anschaffungspreis (Grundpreis: 18.790 Euro/Testwagenpreis: 20.540 Preis Euro) achten muss, greift besser zu den kräftigeren Motorisierungen.

(amv)