Fahrbericht: Der Lexus ES F Sport 300h ist nach oben hin begrenzt

Fahrbericht : Der Lexus ES F Sport 300h ist nach oben hin begrenzt

Sämtliche Versuche japanischer Autohersteller sich hierzulande in der oberen Mittelklasse zu etablieren, endeten bislang allenfalls mit Achtungserfolgen. Vor diesem Hintergrund richtet Lexus nun sein Angebot neu aus.

Der GS wird durch den hybridbetriebenen ES 300h ersetzt und dabei schlägt die Toyota-Tochter sowohl laute als auch leise Töne an.

Ein Wechselspiel, das schon bei der Karosserie beginnt. Als „provokante Eleganz“ bezeichnet Lexus das Design der Limousine. Dazu wird der riesige, so genannte Diabolo-Grill mit dem chromfarbenen Gittermuster von schmalen, pfeilartig Richtung Mitte zeigenden Leuchteinheiten quasi zusammengeschnürt. Assoziationen wie aggressiv oder grimmig tauchen da sofort auf. Geschmacksache ist das abrupt abgeschnittene Heck mit dem bei der F-Sport-Version dort platzierten Spoiler.

Auf der anderen Seite sind da fließende, sich sanft wölbende Flächen gepaart mit einem coupéartig nach hinten abfallendem Dach. Ganz nach dem Motto „der Kleine will ja nur spielen“. Wobei „klein“ bei einer Länge von 4,97 Metern relativ ist. Da wird so manche Garage zu kurz, beziehungsweise die Parkplatzsuche zum Geduldsspiel.

Betont wird die Länge des ES von 2,87 Metern Abstand zwischen den Achsen. Entsprechend steht den Passagieren jede Menge Platz zur Verfügung. Reisende im Fond können gemütlich die Beine ausstrecken. Am Sitzkomfort der großzügig geschnittenen und zwölffach verstellbaren Ledersessel in der ersten Reihe haben die Lexus-Entwickler drei Jahre getüftelt. Ziel war es, über die Polsterung eine gute Rückmeldung von den Fahrzeugbewegungen zu erhalten, die Übertragung von Vibrationen aber möglichst zu eliminieren. Ein Spagat, der zweifelsfrei gelungen ist.

Würde die Kopfstütze nicht so weit nach vorne ragen, dass eine wirbelsäulenfreundliche Sitzposition schwierig ist, könnten sich Fahrer und Beifahrer jetzt ganz entspannt zurücklehnen und die Ruhe genießen. Laut Lexus gehört der Innenraum des ES zu den Leisesten seiner Klasse. Die Positionierung der Außenspiegel und Wischer hat daran ebenso ihren Anteil wie jede Menge Dämmmaterial an eigentlich unüblichen Stellen wie den Federbeindomen, den Kotflügeln und dem Unterboden. Selbst kleinste Öffnungen wurden eingehaust. Das könnte eine Erklärung dafür sein, dass sich die Lehnen der Rücksitze nicht umklappen lassen, um den 354 Liter fassenden Gepäckraum zu vergrößern.

Weniger Ablenkung durch Geräusche schafft mehr Freiheit, sich auf die Bedienung des ES zu konzentrieren. Eine witzige Spielerei ist es, über einen Schalter am Multifunktionslenkrad den von einem Rahmen umrundeten Ausschnitt des Informationsdisplays zu verschieben, um beispielsweise die aktuellen Energieströme im Blick zu haben. Für wenig Ablenkung des Blicks von der Straße sorgt indessen das - laut Lexus - größte Head-Up-Display (1500 Euro) im Premium-Segment, das sich individuell konfigurieren lässt. Deutlich mehr Aufmerksamkeit erfordert es jedoch, über das zwischen den Sitzen angebrachte Touchpad die Audioanlage, Klimatisierung oder Navigation (2200 Euro) zu steuern. Zumal die Menüpunkte auf dem brillanten 12,3-Zoll Bildschirm über Lichtsignale angesteuert werden. Dafür existieren mit Sicherheit ergonomischere Lösungen.

Keine Alternative gibt es zum Hybridantrieb des ES. Der einzige in Deutschland angebotene Antrieb ist ein 2,5-Liter-Benziner (178 PS) in Kombination mit einem Elektro-Aggregat. Zusammen kommen beide auf eine Systemleistung von 218 PS. Die unter den Rücksitzen liegende Nickel-Metallhybrid-Batterie, die sich allein durch Rekuperation auflädt, ermöglicht zwar nur wenige Kilometer rein elektrischer Fahrt. Doch schnell ertappt man sich dabei, durch vorausschauendes Fahren, zwischendurch mal vom Gas gehen oder frühzeitig vor einer Ampel einfach Rollen lassen den Elektro-Modus zu aktivieren.

Diese Manöver machen sich beim Verbrauch deutlich bemerkbar. Im Mix mit einigen zügigen Autobahnfahrten und Landstraßenabschnitten (mit aktiviertem Sport-Modus) lässt sich ohne weiteres im Durchschnitt ein Wert von unter sechs Litern erzielen. Derartige Effizienz fordert allerdings Verzicht: so antritt- und durchzugsstark der ES 300h bei seinem maximalen Drehmoment von 221 Newtonmetern (Nm) zwischen 3600 und 5200 Umdrehungen, beziehungsweise laut Lexus einem Sprint von Null auf Tempo 100 in 8,9 Sekunden zu Werke geht - wenn die Tachonadel Tempo 180 signalisiert, ist Schluss mit Vortrieb. Der Lexus wird automatisch abgeregelt.

Das gekonnt abgestimmte, adaptiv arbeitende Fahrwerk oder die reibungslos arbeitende Achtgang-Automatik haben ebenso Oberklasseniveau wie die Sicherheits- und Komfortausstattung. Im Preis von 61.700 Euro ist vom Parkassistenten, der elektrisch und mit einem Fußkick aktivierbaren Gepäckraumentriegelung über Matrix-LED Scheinwerfer mit Allwetterlicht und adaptiven Fernlicht-Assistenten bis hin zum Glasschiebe-Dach alles an Bord, was das Leben unterwegs angenehm macht.

(amv)
Mehr von Aachener Zeitung