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Stuttgart: Der Gurt bleibt Lebensretter Nummer eins

Stuttgart : Der Gurt bleibt Lebensretter Nummer eins

Der Sicherheitsgurt ist nach wie vor Lebensretter Nummer eins und nur mit angelegtem Gurt können auch andere Sicherheitssysteme wie Airbags den Schutz bieten, für den sie konstruiert sind. Daran erinnern Unfallexperten der Sachverständigenorganisation Dekra in Stuttgart.

„Airbags sind als ergänzende Schutzeinrichtung konzipiert. Sie schützen bei einem Unfall zusätzlich zum Sicherheitsgurt, je nachdem, aus welcher Richtung der Anstoß passiert" , erläutert Jörg Ahlgrimm, Leiter der Dekra-Unfallanalyse: „Zu denken, man brauche sich nicht anzugurten, weil man ein Fahrzeug mit diversen Airbags fährt, ist fahrlässig und im Ernstfall lebensgefährlich."

Schließlich gebe es auch Unfälle, bei denen Airbags wenig nützten oder erst gar nicht auslösten. „Denken Sie an einen Überschlag. Hier kann nur der Gurt einen Insassen in seinem Sitz halten. Und nur dort kann er den Unfall vergleichsweise sicher überstehen", gibt der Experte zu bedenken.

Die allgemeine Anschnallpflicht auf Pkw-Vordersitzen trat zum 1. Januar 1976 in Kraft und spaltete förmlich die Nation in Gurtbefürworter und Gurtgegner. Manche von diesen begründeten ihre Ablehnung etwa mit der Befürchtung, man könne aus einem brennenden Wagen nicht rasch genug fliehen. Seit 30 Jahren muss der Sicherheitsgurt in Deutschland auch auf dem Rücksitz angelegt werden. Zum 1. August 1984 trat diese Regelung in Kraft. Inzwischen liegt laut einer Dekra-Studie die Gurtanlegequote bei über 97 Prozent. Auf den Rücksitzen sind es dagegen nur noch gut 94 Prozent. „Das klingt zunächst einmal immer noch nach einer guten Quote, aber es bedeutet eben auch, dass jeder 16. Insasse hinten nicht angegurtet ist", verdeutlicht Ahlgrimm: „Der oft gehörte Satz ‚Mir passiert da hinten schon nichts‛ ist schlicht falsch. Bei einem Aufprall - das zeigen immer wieder unsere Crashtests - werden nicht angeschnallte Insassen unkontrolliert durch das Fahrzeug geschleudert."

Gerade innerorts und bei niedrigen Geschwindigkeiten sitzen immer wieder Verkehrsteilnehmer dem Irrtum auf, sie könnten sich notfalls mit den Armen abstützen. „Das ist eine fatale Fehleinschätzung. Schon bei einer Geschwindigkeit von 14 Stundenkilometern wirken beim Aufprall auf ein festes Hindernis Kräfte, die dem Achtfachen des eigenen Körpergewichts entsprechen. Kein Mensch kann das abfangen", warnt der Unfallforscher.

Zudem geht es beim Anschnallen, gerade auf dem Rücksitz, nicht nur um den Schutz für einen selbst, sondern auch für andere Mitfahrer. Der Sicherheitsgurt verhindert, dass Insassen gegeneinander geschleudert werden. Aber nicht nur bei Autofahrern beobachtet Ahlgrimm Sicherheitsdefizite. „Nicht alle Auto-Hersteller bauen hinten optimale Rückhaltesysteme mit Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer ein. Oftmals findet sich auf den Rücksitzen nur die gesetzlich vorgeschriebene Mindestausstattung", ärgert sich der Unfallforscher.

(amv)