Mit dem Cabrio ins Frühjahr: Das Schätzchen wieder fit machen

Mit dem Cabrio ins Frühjahr : Das Schätzchen wieder fit machen

Mit den steigenden Temperaturen und Sonnenstunden lenken erfahrungsgemäß viele Cabrio-Freunde ihr automobiles Schätzchen wieder auf die Straße. Wolfgang Weiß von TÜV Süd in München empfiehlt, „die erste Ausfahrt gut vorzubereiten.“

Nach der Winterpause sollte die Fahrzeugtechnik geprüft und dem Cabrio eine Frühjahrs-Pflege-Kur gegönnt werden, denn selbst im Stand verschleißen Autos.

„Mal trocknen Dichtungen“, schildert der TÜV Süd-Fachmann die Problemzonen, „Flüssigkeiten verdunsten, Öl altert, Reifen verlieren Luft oder die Bremsflüssigkeit hat Wasser gezogen.“ Zudem sollte das Cabrioverdeck geprüft und gepflegt werden. Vor allem die Elastizität des Bezugs ist wichtig und „Kunstlederdächer brauchen andere Pflegemittel als Stoffdächer, die gleichzeitig auch noch imprägniert werden sollten“, empfiehlt Weiß. Alle Verdecke altern im Sonnenlicht. UV-Strahlung sowie Ozon machen sie spröde, bleichen die Farbe aus. Ganzjährige „Laternenparker“ müssen mehr Pflege aufwenden und das Stoffdach hin und wieder shampoonieren, um Staub, Ruß, Baumharz oder Vogelkot zu entfernen.

Gummidichtungen und -lippen an Fenstern, Verdeck und Türen können hart werden und stehen mithin als Nächste auf dem Frühjahrscheck. Mit speziellen Gummi-Pflegemitteln kann man das Material wieder elastisch machen und gleichzeitig reinigen, bevor man Fensterheber und Verdeck erstmals wieder betätigt. Ebenfalls die Türdichtungen sollte man pflegen, denn sie sind vielfach Formteile und im Ersatz sehr teuer.

Empfindliche Stoffverdecke sollten, wenn möglich, manuell gereinigt werden. Zwar sind die meisten Cabrios inzwischen durchaus für Waschanlagen tauglich, aber die Wäsche per Hand ist jedoch materialschonender. Falls das Fahrzeug im Winter bewegt wurde, sollten nun mit einer weichen Bürste eventuelle Streusalzränder entfernt werden. Ebenfalls von innen sollte der Cabrio-Himmel gereinigt werden - beispielsweise mit Polsterschaum. Sind Kratzer in der Kunststoffheckscheibe, empfiehlt es sich, diese mit Spezialmitteln gründlich zu polieren. „Ist die Sicht stark eingeschränkt“, rät der TÜV Süd-Fachmann, „ist die Scheibe auszutauschen.“

Wer Zweifel hegt, ob sein Oben-Ohne-Gefährt nötigenfalls noch dicht ist, sollte über eine Neuimprägnierung des Stoffverdecks nachdenken. Handlungsbedarf besteht, wenn einzelne Wassertropfen von der Verdeckhaut nicht mehr sauber abperlen, sondern unmittelbar einsickern. Die Imprägnierung muss natürlich bei trockenem Dach erfolgen.

Zum Saisonstart sollte überdies der Schließmechanismus geprüft werden. Schuld an verdächtigen Geräuschen beim Öffnen sind in aller Regel verbogene Gestänge, schwergängige Gelenke oder nachlassende Elektro-Motoren. „Beim ersten Öffnen genau beobachten, und die Gestänge, wo möglich, vorsichtig mit weißem Fett schmieren“, rät Weiß: „Falls das Verdeck klemmt, sollte man den Öffnungsvorgang abbrechen, die Ursache suchen und notfalls einen Fachmann zu Hilfe rufen. In einem ersten Schritt kann Silikonspray oder Fett helfen, die Gelenke wieder gangbar zu machen.“

Obacht heißt es, wenn dem Dachdreck mit einem Hochdruckreiniger begegnet werden soll. „Da heißt es, mindestens einen Meter Abstand wahren, denn einem aus direkter Nähe mit hohem Druck auf den dünnen Stoff treffenden Wasserstrahl hat selbst ein modernes Verdeckmaterial wenig entgegenzusetzen“, warnt der TÜV Süd-Fachmann. Dauerhafte Schäden können die Folge sein. Das Abwaschen mit Spezialreiniger und Bürste ist definitiv besser und erste Wahl.

Bei den ersten Ausfahrten „oben ohne“ sollte man zudem an sich denken: „Der Fahrtwind, steigende Temperaturen und Sonneneinstrahlung kulminieren rasch in einem Sonnenbrand. Deshalb nie ohne Sonnenschutz starten“, empfiehlt Weiß. Mütze und Schal sollten stets einsatzbereit sein.

(amv)
Mehr von Aachener Zeitung