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Mannheim: „Das Auto macht Geräusche”: Die Werkstatt braucht klare Absprachen

Mannheim : „Das Auto macht Geräusche”: Die Werkstatt braucht klare Absprachen

Die Kfz-Werkstatt ist für die meisten Autobesitzer ein Ort, an dem sie gefühlt viel Geld loswerden und nur wenig verstehen. Dietmar Clysters kennt das Problem aus langjähriger Erfahrung. Der Obermeister der Kfz-Innung Rhein-Neckar-Odenwald führt ein Autohaus mit Werkstatt in Edingen-Neckarhausen bei Mannheim.

Er erlebt, dass Reparaturen unterschätzt werden. Typische Beispiele sind laut Clysters Fehlercodes in der Fahrzeugelektronik. „Man denkt oft, dass die sich schnell löschen lassen”, sagt er. Ein Trugschluss: „Der Fehler kann in der Regel unterschiedliche Ursachen haben, unter denen man die richtige finden muss.” Ein Beispiel: Die Motorleuchte ist - anders als es viele Autobesitzer vermuten - kein Zeichen für einen bestimmten Defekt. „Dahinter können sich ein gutes Dutzend Fehler verbergen”, weiß Clysters.

Viele Autofahrer haben Angst, dass die Kfz-Mechaniker die eigene Unwissenheit ausnutzen und mehr machen, als nötig ist. Gegen diese Ängste empfiehlt sich die Direktabnahme, erklärt Constantin Hack vom Auto Club Europa (ACE). „Dabei geht man mit dem Meister das Auto ab.” Der notiert haarklein, was gemacht werden muss und lässt sich das vom Autobesitzer jeweils abnicken. „Da kann man genau fragen, warum diese und jene Maßnahme gemacht werden muss”, sagt Hack.

Dietmar Clysters hat nichts gegen detaillierte Nachfragen. „Wir bemühen uns immer, notwendige Reparaturen so einfach wie möglich zu erklären.” Notfalls nimmt Clysters dafür sogar Papier und Stift zur Hand und malt eine Zeichnung zur Illustration auf. Seine Kunden sind in den vergangenen Jahren kritischer geworden, hat er beobachtet. „Durch das Internet sind sie einerseits aufgeklärter, andererseits aber noch verunsicherter.”

Wer sich unsicher fühlt, kann sich für den Werkstattbesuch eine Begleitung suchen, die mehr Ahnung von der Materie hat, rät er. Diese Begleitperson kann dann gezielter nachfragen. Wer an dem Urteil einer Werkstatt Zweifel hat, sollte sich nicht scheuen, bei einer weiteren Werkstatt eine zweite Meinung einzuholen, sagt Hack.

Steht eine umfangreiche Reparatur an, sollte man sich mehrere Kostenvoranschläge von verschiedenen Werkstätten einholen, empfiehlt Iwona Husemann, die bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen als Rechtsexpertin das Thema Werkverträge betreut. „Mit den Angeboten kann man genau nachvollziehen, welche Bestandteile des Fahrzeugs die Anbieter in der Reparatur bearbeiten und austauschen wollen.”

Wenn Kfz-Mechaniker einmal in die Tiefen eines Autos vorstoßen, entdecken sie nicht selten ungeahnte neue Mängel. Ohne Rückfrage darf die Werkstatt aber nicht mehr reparieren, als vorher ausgemacht. „Die Werkstatt muss den Auftraggeber informieren und die weiteren Reparaturen vorschlagen”, sagt Husemann. Extra-Reparaturen, die den vereinbarten Preis um nicht mehr als zehn Prozent übersteigen, müssen Autofahrer laut Hack in der Regel akzeptieren. „Aus einem Keilriemen- dürfen Mechaniker aber keinen Motorwechsel machen”, überspitzt er.

Ein großer Fehler seien Pauschalaufträge, warnt Hack. „Sätze wie „Macht das Auto mal Tüv-fertig” provozieren geradezu, dass mehr am Auto gemacht wird als nötig.” Ein Beispiel: Beim Radwechsel bemerkt der Mechaniker, dass die Bremsscheiben die vorgegebene Mindeststärke nur noch knapp überschreiten, damit ziemlich abgenutzt und eigentlich reif für einen Wechsel sind. „Für die Hauptuntersuchung ist aber nur entscheidend, ob sie tatsächlich unterschritten wird”, erklärt Hack. Tauschen oder nicht tauschen? Diskussionen sind vorprogrammiert.

Kfz-Meister Clysters rät, für solche Fälle eine Kostenobergrenze festzulegen, bis zu der repariert werden darf. „Dann gibt es keine Diskussionen.” Für Rechtsexpertin Husemann haben Obergrenzen „keinen Sinn”. Autofahrer sollten lieber einen Festpreis vereinbaren.

Wer das Auto aus der Werkstatt abholt und das Gefühl hat, dass die Reparatur zu umfangreich oder falsch durchgeführt wurde, sollte das zunächst mit dem Meister besprechen. „Bringt das keine Klärung, sind die Schiedsgerichte der Innungen die richtige Anlaufstelle”, erklärt Clysters. Diese können kostenlos eingeschaltet werden und schlichten außergerichtlich. Clysters: „Die meisten Fälle klären sich dort.”

Hack hält Schiedsstellen ebenfalls für die richtige Instanz bei hartnäckigen Meinungsverschiedenheiten. Zur Vorsicht rät er bei der Recherche in Internet-Foren, die sich mit Auto-Themen beschäftigen. Dort sei nicht immer klar, ob gerade ein Profi oder ein Ahnungsloser schreibt. „Die Foren sind sicher nicht die beste Adresse, wenn man nach dem Werkstattbesuch Zweifel an der Reparaturqualität hegt.”

Am besten vermeidet man Missverständnisse ohnehin im Vorfeld. Hier können Autofahrer einen großen Beitrag leisten, weiß Clysters. Häufig sagen Autofahrer: „Das Auto macht Geräusche.” „Das Problem ist, dass einem Experten im Auto oft andere Geräusche auffallen, als jenes, das der Kunde eigentlich meint”, erklärt Clysters. Hier hilft, gemeinsam mit dem Meister eine Runde zu fahren und das Geräusch vorzuführen.

Ein zweiter Tipp: Autofahrer sollten den Kontext eines Problems erklären. „Vermeintlich Unwichtiges kann wichtig sein”, weiß Clysters und nennt ein Beispiel: „Sagt der Kunde, der Fehler trat kurz nach dem Tanken auf, kann Dreck in den Tank gekommen sein.” Ansonsten gilt: keine Angst vor Fragen. „Das muss keinem peinlich sein”, betont der Kfz-Meister. „Die meisten Probleme entstehen, weil etwas nicht verstanden wurde.”

(dpa)