Brühl: Dacia Duster dCi 110 im Test: Eine ehrliche Haut

Brühl: Dacia Duster dCi 110 im Test: Eine ehrliche Haut

„Das Statussymbol für alle, die kein Statussymbol brauchen“, so trommelt Dacia für sein Kompakt-SUV Duster. Und damit man auch weiß, wer sich der auserkorenen Zielgruppe zugehörig wähnt, ziert als Statussymbol der Modellname übergroß die silberfarbenen Seitenstreben des Dachgepäckträgers. Ein bisschen Schmuck muss eben schon sein.

Neben diesem Beiwerk ziert nun kurz vor der Präsentation der nächsten Modellgeneration ein von Renault bekanntes Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe (EDC) kombiniert mit einem 110 PS starken Diesel den Duster. Diese Verknüpfung gibt es freilich nur mit Frontantrieb. Verlangt man die volle Leistung, wechselt das Getriebe bei etwa 4000 Umdrehungen pro Minute (U/min.) die Fahrstufe und aus dem Stand wird Tempo 100 in 11,9 Sekunden erreicht (Werksangaben).

Lässt man es ruhiger angehen, wechselt die Automatik etwa bei 2000 Touren. Welcher Gang eingelegt ist, weist die Cockpitanzeige aus, wenn man für eigene Eingriffe den Wählhebel nach links zu sich in die manuelle Schaltgasse zieht. Wer partout selbst Hand anlegen will, muss den Hebel nach vorn schieben, um zurückzuschalten. Wippen am Lenkrad gibt es nicht.

Allerdings entsteht selten das Bedürfnis, die Entscheidung des EDC korrigieren zu wollen. Fahrleistungen (Spitzentempo: 169 km/h) sowie Verbrauch (laut Norm 4,5 Liter) unterscheiden sich nur in Nuancen vom Handschaltermodell. Im fahrerischen Alltag sollte man um die 7,5 Liter Diesel je 100 Kilometer veranschlagen.

Von außen nicht mehr billig

Das äußere Erscheinungsbild des Duster erinnert inzwischen nicht mehr an ein Billigauto. Eine geänderte Grafiken der Scheinwerfer und Rückleuchten sowie der neu gestaltete, mit Chromelementen aufgehübschte Kühlergrill wirken durchaus zeitgemäß. Zudem gibt es die hinteren Seitenscheiben und die Heckscheibe abgedunkelt (Ausstattungsniveau Prestige/Basispreis: 17.950 Euro/Testwagenpreis: 19.120 Euro).

Das Cockpit präsentiert sich zwar trotz neu gestalteter Rundinstrumente aufgeräumter, aber gleichwohl etwas altbacken. Die Anzeigen sind bei kritischen Lichtverhältnissen oder aufgesetzter Sonnenbrille schwer ablesbar. Der neue Touchscreen ist einfach zu bedienen, aber etwas zu tief positioniert.

Im gesamten Innenraum dominiert weitgehend Hartplastik. Wem das missfällt, mag sich damit trösten, dass so die Reinigung einfach ist. Wie die Karosserie so offenbart ebenso das Interieur keine gravierenden Verarbeitungsmängel. Spaltmaß-Fetischisten kommen allerdings nicht auf ihre Kosten. Der Kofferraum bietet zwischen 475 und 1567 Liter Volumen. Das lässt kaum Wünsche offen.

Sportliche Attitüden darf der Dacia-Fahrer nicht einmal ansatzweise erwarten. Dafür kann er damit rechnen, dass vier Erwachsene samt Gepäck vergleichsweise komfortabel selbst bei widrigen Fahrbedingungen an ihr Ziel gelangen. Die Sitze - lederbezogen - erweisen sich als bequem, lassen allerdings etwas Seitenhalt vermissen. Verdruss kommt auf, wenn man die Vordersitzlehne verstellen möchte. Die jeweils an den Innenseiten platzierten Drehgriffe lassen sich nur mit Verrenkungen bedienen und manch Einer wird eine axiale Lenkradverstellung vermissen, um seine optimale Sitzposition zu finden.

Bremsen packen kraftvoll zu

Das weiche Fahrwerk steckt selbst üble Schlaglöcher weg. Dämpfung und Federung passen zum Gesamtcharakter des Dacia: zweckmäßig und sicher. Auch die Bremsen packen kraftvoll zu.

Man muss sich auf den Dacia Duster einlassen. Er macht einem nichts vor. Mit dem neuen Getriebe verliert er keine seiner positiven Tugenden, sondern gewinnt er noch im Alltagsbetrieb ohne beim Verbrauch einen vernehmbaren Schluck mehr zu konsumieren. Wer den Wagen nur kurz fährt, mag sich an Kleinigkeiten wie der Außenspiegelverstellung unter dem Handbremshebel oder der fummeligen Bedienung der vorderen Sicherheitsgurte stören. Petitessen.

In der Top-Version Prestige sind Alu-Räder, Multimediasystem, Einparkhilfe und Tempomat Serie. Inzwischen durchaus gängige Assistenzsysteme oder Optionen wie Xenon-Licht sucht man bei Dacia aber weiter vergeblich. Ist allerdings ein vernünftiges Angebot zu vernünftigen Preisen gefragt, dann ist das kompakte SUV mehr als einen Blick wert. Purer Nutzwert, ohne Schwurbelleien und Schnickschnack und man stellt fest: es funktioniert.

(nom)