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Boldmen CR4: Gelungenes Comeback eines Wiesmann-Roadsters?

Fahrbericht : Boldmen CR4: Gelungenes Comeback eines Wiesmann-Roadsters?

Für so viel Aufmerksamkeit muss man sonst tiefer in die Tasche greifen. Während Ferrari und Co ihre Kleinserien oft für siebenstellige Preise verkaufen, gibt es den Boldmen CR4 für einen Bruchteil des Geldes. Doch hat er genauso viel zu bieten?

Der Wiesmann ist wieder da. Mehr als 30 Jahre nachdem Friedhelm Wiesmann mit seinem Bruder Martin die MF-Reihe herausgebracht hat, meldet er sich mit neuen Partnern zurück. Zwar trägt der Roadster einen neuen Namen, hat eine andere Basis und kommt aus Bayern statt aus Westfalen. Doch an dem hohen Anspruch hat sich nichts geändert.

Zusammen mit zwei Kleinserienspezialisten aus Welden, die vor einigen Jahren den BMW 2002 als „Everytimer“ neu interpretiert haben, baut Wiesmann noch einmal einen offenen Zweitürer. Als Boldmen CR4 kommt dieser nun zu Preisen ab knapp 185.000 Euro in den Handel und dürfte den Boulevardfahrern genauso viel Aufmerksamkeit verschaffen wie ein sehr viel teurerer Supersportwagen. Mehr als 30 Exemplare wird es von der ersten Serie nicht geben, und auch danach wollen die Unternehmer höchstens 120 Autos im Jahr bauen.

Mit BMW-Basis, aber eigener Karbonkabine

Für sein schnelles Spätwerk hat Wiesmann genau wie früher und wie auch seine Partner beim Everytimer in den BMW-Baukasten gegriffen. Als Repertoire diente dabei der Z4. Das erleichtert den Umrüstern die Entwicklung, weil sie keine eigenen Schaltkreise knüpfen und keine Elektronik programmieren müssen. Und das erleichtert den Kunden den Betrieb. Denn die meisten Wartungs- und Reparaturarbeiten kann jeder BMW-Händler erledigen, wenn das Auto nicht zurück in die Boldmen-Zentrale bei Augsburg oder zu den aktuell drei Vertriebspartnern im Land soll. Außerdem hält dieses Prinzip die Preise auf einem für diese Sphären fast noch bürgerlichen Niveau.

Ansehen kann man dem CR4 die Verwandtschaft zum Z4 dagegen kaum - zumindest von außen gibt es bis auf das Verdeck und die Scheiben kaum die gleichen Bauteile. Stattdessen wird der Roadster komplett mit Karbon neu eingekleidet. Daher sieht er ganz anders aus und wiegt auch weniger. Selbst Scheinwerfer und Rückleuchten wurden ausgetauscht. Ohnehin hat der Roadster einen Look, der eher an die alten Wiesmann-Modelle erinnert. Grund dafür sind die tief eingekerbten Flanken und der leichte Schwung in den hinteren Kotflügeln.

Was Wiesmann und seine Partner bei der Karosserie an Pfunden sparen, satteln sie aber im Innenraum zum Teil wieder drauf. Denn auf Kunststoff wird hier weitgehend verzichtet. Stattdessen haben die Autobauer nahezu alle Oberflächen mit Leder beziehen lassen. Beim Innendesign, insbesondere der Farbauswahl, gibt es ungewöhnlich großen Gestaltungsspielraum. Denn Wiesmann will, dass kein Wagen dem anderen gleicht, und verspricht den Kunden damit echte Unikate.

Unter der Haube mehr als Standard

Beim Einbau von BMW-Komponenten waren die Boldmen-Macher auch an anderer Stelle ziemlich wählerisch. Schließlich liegt der Motor aus dem M40i deutlich über dem Standard. Und für seinen neuen Einsatz bekommt er auch noch eine Kraftkur. Mit neuer Software steigt die Leistung von 250 kW/340 PS auf 300 kW/408 PS und das maximale Drehmoment klettert um 110 auf 610 Nm. Außerdem betont eine eigene Abgasanlage den Sound des Sechszylindermotors.

Das Spitzentempo ist zwar auch beim Boldmen auf 250 km/h limitiert. Aber den Sprint von 0 auf 100 schafft der veredelte Z4 jetzt in 3,9 Sekunden und nimmt dem Original damit immerhin sechs Zehntel ab. Aber Raserei ist gar nicht das Hauptanliegen dieses Sportwagens - selbst wenn er Fahrleistungen auf Porsche-Niveau bietet und auch scharf und präzise durch die Kurven kommt. Doch weil in dem Roadster beide Insassen Spaß haben sollen, ist die neue Abstimmung nicht nur auf den Fahrer fokussiert. Vielmehr fühlt man sich auf beiden Plätzen wie in einem Gran Turismo zum Relaxen.

Fazit: Das Beste aus zwei Welten zu irdischen Preisen

Serientechnik von BMW - geschmackvoll veredelt und hochgradig individualisiert: So vereint der Boldmen die Vorzüge von Massenproduktion und Manufaktur. Daneben bietet er überdurchschnittlichen Fahrspaß und eine Exklusivität, wie sie in dieser Preisklasse selten ist.

Datenblatt: Boldmen CR4


 Motor und Antrieb: Sechszylinder-Turbo-Benzindirekteinspritzer
 Hubraum: 2998 ccm
 Max. Leistung: 300 kW/407 PS
 Max. Drehmoment: 610 Nm
 Antrieb: Hinterradantrieb
 Getriebe: Achtgang- Automatik


 Maße und Gewichte 
 Länge: 4420 mm
 Breite: 1933 mm
 Höhe: 1275 mm
 Radstand: 2470 mm
 Leergewicht: 1495 kg
 Zuladung: 305 kg
 Kofferraumvolumen: 281 Liter


 Fahrdaten: 
 Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
 Beschleunigung 0-100 km/h: 3,9 s
 Durchschnittsverbrauch: 7,9 Liter/100 km
 Reichweite: 660 km
 CO2-Emission: 181 g/km
 Kraftstoff: Super
 Schadstoffklasse: Eu6D
 Energieeffizienzklasse: k.A.


 Kosten: 
 Basispreis des Boldmen CR4: 184.900 Euro
 Typklassen: k.A.
 Kfz-Steuer: 232 Euro/Jahr


 Wichtige Serienausstattung: 
 Sicherheit: Sechs Airbags, LED-Scheinwerfer, Überroll-Schutzsystem
 Komfort: Klimaautomatik, Tempomat, Navigation, Sitzheizung
 Spritspartechnik: Start-Stopp-Automatik

Alle Daten laut Hersteller

© dpa-infocom, dpa:220902-99-606336/19

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(dpa)