Fahrbericht: Beim Alfa Romeo Giulietta sind Assistenten Fehlanzeige

Fahrbericht : Beim Alfa Romeo Giulietta sind Assistenten Fehlanzeige

Romeo und Julia - eine tragische Liebesgeschichte. Außer dass sich der italienische Hersteller Alfa Romeo sicher deutlich mehr Abnehmer für seine Giulietta wünschen würde, ist der kleine Flitzer von jeglicher Art der Tragik weit entfernt.

Er weckt die Emotionen italienischer Lebensart, paart schickes Design mit rassigem Fahrvergnügen. Die zum Heck hin ansteigende Seitenlinie, die muskulös herausgearbeiteten Radhäuser sowie rote Zierlinien an vorderem und hinteren Stoßfänger betonen den sportlichen Auftritt des Kompaktwagens ebenso wie die gelben Bremssättel hinter den dunkel lackierten 17-Zoll-Felgen. Allerlei Chromzierrat steuert zu diesem rassigen Äußeren eine Spur Eleganz bei.

Sportlich-elegant ist desgleichen die Innenausstattung der Giulietta. Armaturentafel und Türverkleidungen sind in Kohlefaseroptik gehalten. Edel - Pedalerie und Fahrer-Fußstütze aus Aluminium. Die ausgesprochen bequemen, sechsfach verstellbaren (900 Euro) Sportsitze mit feinem Lederbezügen (1.900 Euro) taugen für längere Fahrten. Bei all diesen hochwertig wirkenden Details erstaunen - und stören tatsächlich - die scharfkantigen Fugen am Blinkerhebel und den zudem sehr schmalen Türfächern umso mehr.

Die Platzverhältnisse vorne sind tadellos. Hinten bekommen groß gewachsene Personen etwas Probleme mit der Kopffreiheit. Hinter der sich elektrisch öffnenden Heckklappe verbirgt sich ein Kofferraum mit einem Volumen zwischen 350 und 1045 Litern. Dass die Ladekante etwas hoch und die Wände verwinkelt sind, muss man wohl unter italienischem Charme abhaken.

Klein, aber oho ist der kleine Hebel, der dazu dient, aus den Fahrprogrammen, der „Alfa Romeo D.N.A.“ Eco, Normal oder Dynamic, den individuellen Modus zu wählen. Damit verändern sich die Fahrwerksabstimmung sowie das Ansprechverhalten des Motors und der Bremsen. Im letztgenannten Modus zeigt der bis dahin eher zahme Alfa endlich sein italienisches Temperament, strafft sich spürbar und legt so richtig los. Und der 120 PS starke 1,6-Liter Diesel entpuppt sich dann als ausgesprochen munterer Antrieb.

Zuvor etwas mühsame Überholmanöver auf der Autobahn werden deutlich entspannter. Das maximale Drehmoment von 320 Newtonmetern (Nm) liegt bei 1750 Umdrehungen an. Auf die Tempo-100-Marke sprintet die Lady laut Alfa in 10,2 Sekunden. Bei 195 Kilometern in der Stunde ist der Vortrieb zu Ende. Das Doppelkupplungsgetriebe passt sich geschmeidig der Leistungsentfaltung an. Einen Haken hat der das Spiel an dem kleinen Hebel allerdings. Die Giulietta wird in solchem Fall doch recht durstig und der von Alfa genannte Durchschnittsverbrauch von 4,9 Litern rückt in weite Ferne. Zwei Liter mehr sind dann durchaus realistisch.

Assistenzsysteme hat auch die Sport-Version nicht aufzuweisen – offenbar frei nach dem Motto, dass ein wahrer Alfisti solch elektronische Helfer einfach nicht braucht. Eine andere Überlegung: Seit nun schon sieben Jahren gibt es die Giulietta. Zwar gab es in dieser Zeit bereits zwei Facelifts, aber technisch hinkt der Wagen der Zeit eher hinterher. Es ist tatsächlich kaum zu glauben, in der Preisliste taucht kein moderner elektronischer Helfer auf. Dort sind aber 26.500 Euro als Basispreis für die derart motorisierte Giulietta genannt. Mit den genannten und einigen weiteren Extras wie das Glasschiebedach (1400 Euro) oder dem etwas mühsam zu bedienenden Navigationssystem Uconnect (1650 Euro) müssen 38.650 Euro angelegt werden. Ok, ein Espresso wäre günstiger, aber so viele Emotionen wie ein Giulietta weckt der sicher nicht.

(amv)