Berlin: Bei Stress auf der Straße: Lieber zurückstecken

Berlin: Bei Stress auf der Straße: Lieber zurückstecken

Viele Autofahrer empfinden, dass die Aggressivität im Straßenverkehr zugenommen hat. Dass ergeben Umfragen des ADAC und der Autoversicherer. Allerdings: mit harten Zahlen ist das nicht zu belegen. „Aggressivität ist eine subjektive Kategorie, die nicht zu messen ist“, sagt der Unfallforscher Siegfried Brockmann.

Zu beobachten aber ist, dass insbesondere bei Stresssituationen, Staus oder schweißtreibenden Außentemperaturen die Zahl der Verkehrsrüpel zunimmt. Rein an Zahlen gemessen ist Autofahren hierzulande so sicher wie nie zuvor.

Die Zahl der Autos und der gefahrenen Kilometer steigt kontinuierlich an. Die Zahl der Unfälle mit Toten und Verletzten jedoch nimmt stetig ab. 2012 starben 3.600 Menschen auf den Straßen, so wenige wie seit 1950 nicht.. Zwei Gründe nennt Brockmann: „Heutige Neuwagen bieten einen deutlich höheren Sicherheitsstandard als noch vor einigen Jahren und auch bei der Verkehrsinfrastruktur wurden in der Vergangenheit riesige Fortschritte in Sachen Sicherheit erzielt.“

Fahrerisch allerdings scheint sich nicht viel geändert zu haben. „In der Verkehrswissenschaft geht man davon aus, dass auf ein entdecktes Delikt etwa 700 unentdeckte kommen“, sagt Brockmann. „Es geht aber nicht um die gelegentlichen geringen Verstöße. Einige missachten die Regeln permanent und massiv - und manchmal geht das eben schief.“ Sorgen bereiten ihm der „notorisch aggressive Fahrer“, die auch außerhalb des Straßenverkehrs oftmals rabiat auftreten. „Ein solcher Fahrer nutzt sein Auto als Waffe und ist gegen jede erzieherische Maßnahme immun, weshalb man ihn eigentlich aus dem Verkehr ziehen müsste“, schildert Brockmann seine Beobachtungen.

Ein Autofahrer, der einen oder mehrere Einträge im Verkehrszentralregister in Flensburg (VZR) hat, wird statistisch gesehen eher einen Unfall verursachen als ein Fahrer mit weißer Weste. „Die Wahrscheinlichkeit steigt exponentiell mit den Einträgen im VZR“, weiß der Unfallforscher und er bestätigt, „aggressives Verhalten und Regelverstöße im Straßenverkehr sind eine Domäne der Männer.

Auf ihr Konto gehen 80 Prozent der VZR-Einträge und groben Geschwindigkeitsverstöße." Autofahrer, denen nur ab und an die Nerven blank liegen, sieht er nicht als eine besondere Gefahr: „Solche Fahrer beruhigen sich auch schnell wieder.“ Und als erfolgreiche Gegenstrategie bei der Konfrontation mit notorischen Verkehrsrowdies empfiehlt er: „Tief durchatmen und einfach zurückstecken. Gegen so einen kann man nicht gewinnen.“

(amv)
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