Bergisch-Gladbach: Außerplanmäßige Werkstatt-Stopps nehmen zu

Bergisch-Gladbach: Außerplanmäßige Werkstatt-Stopps nehmen zu

Personenwagen werden dank immer mehr Elektronik immer sicherer. Zunehmend sorgen darüber hinaus Stellmotoren und Steuerungen für zusätzlichen Komfort. Aber das alles hat seinen Preis, auch was die Betriebssicherheit angeht. So wächst die Zahl der außerplanmäßigen Werkstatt-Stopps, aber nicht bei jedem Hersteller.

Nach Berechnungen des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach wurden im Jahr 2013 allein auf den Referenzmarkt USA über 20,5 Millionen Personenwagen (PKW) zurückgerufen, nach 15,5 Millionen im Jahr zuvor - eine Rekordmarke. Damit übertrifft die absolute Anzahl der Rückrufe der 16 untersuchten Hersteller sogar das Pannenjahr 2010, als rund 18 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten beordert werden mussten.

„Im Jahr 2013 verzeichneten die globalen Hersteller damit gemessen an ihren Neuzulassungen eine Rückrufquote von 131 Prozent - im Vorjahr 107 Prozent -, da auch Modelle über zurückliegende Baujahre betroffen waren“, erläutert CAM-Chef Stefan Bratzel. Der US-Markt ist aufgrund seiner Absatzgröße, der relativ scharfen Sicherheitsrichtlinien und vor allem des hohen Klagerisikos ein aussagekräftiger Indikator für die Produktqualität der Automobilkonzerne.

Die sicherheitsrelevanten Produktmängel am Fahrzeug betrafen im Jahr 2013 mit je 30 Prozent vor allem elektronische Komponenten sowie Insassenschutzsysteme, hier allen voran Airbagsysteme. An dritter Stelle rangieren wie im Vorjahr Probleme mit dem Antriebsstrang. Es folgen Mängel an Lenkanlage, Fahrwerk und Bremsanlage.

Die höchsten Rückrufquoten weisen im Jahr 2013 vor allem die koreanischen und japanischen Konzerne sowie BMW auf. Negativ-Spitzenreiter ist der koreanische Hyundai-Kia Konzern, danach folgen Fiat-Chrysler und Toyota auf der Negativ-Rangliste sowie BMW. Die Konzerne Volkswagen - einschließlich Audi und Porsche - und Daimler schneiden wie im Vorjahr im US-Markt mit deutlich unterdurchschnittlichen Mängelquoten ab. Während VW mit rund zwölf Prozent einen leichten Anstieg der Rückrufe verzeichnen musste, gelang es Daimler mit 0,2 Prozent (Vorjahr: sechs Prozent) den Bestwert der Branche zu setzen.

Die Ursachen für wachsende Qualitätsprobleme sind laut Bratzel vielfältig: „Es lassen sich jedoch fünf Hauptfaktoren ausmachen“. Die technische Komplexität der Fahrzeuge ist in den letzten zehn bis 15 Jahren enorm gestiegen, was zwangsläufig Einfluss auf die Fehleranfälligkeit hat. „Zudem haben wir Zunahme der Entwicklungsgeschwindigkeit aufgrund gestiegener Wettbewerbsintensität“, erläutert der CAM-Leiter.

Ein weiterer Grund sei „die Wertschöpfungsverlagerung und Globalisierung der Entwicklung und Produktion. Außerdem herrscht erhöhter Kostendruck mit Gefahr für Produktqualität“, warnt Bratzel und schließlich setzten die Autohersteller um Kosten zu sparen und die Entwicklungsgeschwindigkeit zu erhöhen zunehmend auf Gleichteile- und Baukastenstrategien.

Diese Strategie entwickelt sich zu einem wichtigen Erfolgs- und Überlebensfaktor der Hersteller, da sich aus ihr erhebliche Kostenvorteile ergeben können. Aber: „Mit dem Einsatz von Gleichteilen ist die Gefahr besonders großer und damit kostenintensiver Rückrufaktionen verbunden“, schildert Bratzel seine Beobachtungen..

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