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Ingolstadt: Audi TT RS Roadster TFSI: Kopf frei fürs Fahrerlebnis

Ingolstadt : Audi TT RS Roadster TFSI: Kopf frei fürs Fahrerlebnis

Der Audi TT RS präsentiert sich als sportliche Speerspitze der Baureihe und dokumentiert diesen Anspruch optisch unübersehbar. Große Lufteinlässe, ein mächtiger Singleframe-Grill mit neu gestaltetem Wabengitter und quattro-Schriftzug, ein üppige Heckflügel samt zwei großen, ovalen Abgasendrohren sorgen dafür, dass man bei allfälligen Stopps Autoenthusiasten immer wieder Rede und Auskunft stehen muss.

Mit seinen Fahrleistungen und seinem Fahrverhalten reiht sich der Roadster in die Topliga der Sportwagen ein und man tut gut daran, unterwegs die Verkehrslage und das eigene Fahrkönnen selbstkritisch zu justieren. Vollends zum Fahrgenuss wird die Fahrt, wenn das Stoffdach hinter den Sitzen verschwindet. Das zügelt auch die sonst immer wieder aufkeimende Lust an forcierter Fortbewegung.

Der Fünfzylinder aus Aluminium leistet 400 PS, 60 PS mehr als der Vorgänger, intoniert durch einen unverkennbaren Sound. Das Spratzeln und Auspuff-Knallen beim Herunterschalten mag manchen begeistern und gehört genauso selbstverständlich zum Schaulauf wie das Bellen und Schnauben, wenn es darum geht, den Grenzen des Fünfzylinder-Turbos bei hohen Drehzahlen auf den Grund zu gehen. Doch es kann weniger autoaffinen Mitmenschen auch auf die Nerven gehen. Die entsprechende Taste sollte mithin umweltverträglich bedient werden.

Satte 480 Newtonmeter (Nm) wirken zwischen 1700 bis 5850 Umdrehungen pro Minute (U/min) auf Vorder-und Hinterräder, eine Traktionskontrolle managt die maximale Beschleunigung mit minimalem Schlupf. Eine Lamellenkupplung portioniert die Kräfte frei zwischen den Achsen. So sprintet der TT in 3,9 Sekunden von null auf 100 Kilometer pro Stunde (km/h). Die Kräfte des 2.5-TFSI-Motors fließen über eine blitzschnell schaltende Siebengang S tronic auf den permanenten Allradantrieb. Diese Auslegung sorgt für starken Grip sowie hohen Fahrspaß, insbesondere auf abgesperrten Strecken, wo man dem nur 1440 Kilogramm schweren Roadster freien Lauf lassen kann. Für den, der es mag und - vor allem - beherrscht, ist in der entriegelten Version erst ab Tempo 280 Schluss. Die optionale Tempoanhebung lässt sich Audi mit 1500 Euro vergüten.

Ob dieser Griff ins Portemonnaie Sinn macht, muss jeder für sich entscheiden. In der Basisausstattung schlägt sich eine Abbuchung von 69.200 Euro auf dem eignen Konto zu Buche, im Fall des Testwagens wären 88 055 Euro fällig. Das dabei etwa der abblendbare Innenspiegel 120 Extra-Euro kostet, zeugt von einer selbstbewussten Preisgestaltung des Herstellers.

Mit nur 1,34 Meter duckt sich der Audi TT RS nah an den Asphalt, absolviert Kurven ebenso leichtfüßig wie beherrscht. Die direkte Lenkung gibt dem Fahrer das Gefühl, eins mit der Straße zu sein. Ein Eindruck, den der tief montierte Sportsitz mit starkkonturierten Wangen verstärkt. Trotz der enormen Rennstreckenperformance kommen auch komfortorientierte Lenker einigermaßen auf ihre Kosten. Die ausgewogene Federung verursacht jedenfalls keine Bandscheiben-Attacken. Den Komfort eines herkömmlichen PKWs darf man sich aber nicht erwarten, vor allem Kanaldeckel und kurze Stöße werden doch ziemlich stark an die Insassen übermittelt.

Das Fahrdynamiksystem Audi drive select bietet die Modi comfort, auto, dynamic und individual. Sie nehmen Einfluss auf den quattro-Antrieb, die Siebengang S tronic, die Lenkung, die Motorcharakteristik und die Abgasklappen. Im Modus dynamic schickt die Lamellenkupplung die Kräfte früher und in einem höheren Maße zur Hinterachse. Im Fahrprogramm individual lässt sich die Charakteristik der Technikbausteine frei konfigurieren.

Im Innenraum geht es funktionsgerecht und Audi-typisch zu. Die Bedienung konzentriert sich voll auf den Fahrer. Er kann alle wichtigen Funktionen steuern, ohne die Hände vom Lenkrad zu nehmen. Ein volldigitales virtuelles Cockpit mit 12,3-Zoll-Bildschirm bündelt alle wichtigen Informationen, von Geschwindigkeit über Drehzahl bis hin zur Navigation. Ein spezieller RS-Screen befriedigt fahrerischen Spieltrieb und gibt Aufschluss über Reifendruck, Drehmoment und g-Kräfte. Beim Erreichen der Drehzahlgrenze fordert ein Schaltblitz den Piloten auf, per Lenkradpaddel oder Wählhebel hochzuschalten. Dass alle Anforderungen an ein zeitgemäßes Infotainmentsystem erfüllt werden, nimmt man eher nebensächlich zur Kenntnis.

Dass die Bremsen mitunter zu leichtem Quietschen neigen, geschenkt, ebenso das etwas albernd wirkende Herzschlagblubbern, wenn man den Motor abstellt.

Der Zweisitzer bietet ein hohes Dynamik- und Qualitätsniveau verbunden mit Top-Fahrleistungen und alltagstauglichem Komfort. Nur wenige Sportwagen vereinen solche scheinbar gegensätzliche Eigenschaften in so bemerkenswerte Weise.

(amv)