Strategie und Technik: Audi mit 30 Modellen unter Strom

Strategie und Technik : Audi mit 30 Modellen unter Strom

Als Anbieter elektrischer Mobilität will sich Audi in den kommenden Jahren neu aufstellen und profilieren. Eine Plug-in-Offensive ist der erste Strategie-Schritt auf diesem Weg.

„Bis 2025 bringen wir 30 elektrifizierte Modelle auf den Markt, davon 20 reine E-Modelle. E-Autos werden dann bereits etwa 40 Prozent unseres Absatzes ausmachen“, verspricht Audi-Chef Bram Schot. Einer der wesentlichen Gründe für diesen Weg ist die EU-Richtlinie, der zufolge die CO2-Emissionen aller in Europa neu zugelassenen Pkw bei durchschnittlich 95 Gramm pro Kilometer liegen müssen. Wer das nicht schafft, zahlt hohe Strafen. Noch in diesem Jahr wird Audi mit Q5, Q7, A7 und A8 vier Plug-in-Hybrid-Modelle auf den Markt bringen. Die Fahrzeuge bekommen alle ein kleines „e“ in die Modellbezeichnung, haben generell einen quattro-Antrieb und sind als Teilzeitstromer auf kürzeren Strecken rein elektrisch zu fahren, nutzen für die längere Tour einen herkömmlichen Verbrenner.

Das Antriebskonzept des Q5 55 TFSI e quattro besteht aus einem 2.0 TFSI mit 252 PS und 370 Newtonmeter (Nm) Drehmoment sowie einem 143 PS starken Elektromotor (Peak-Leistung), was eine Systemleistung von 367 PS ergibt. Bei dem SUV soll die Energie des 14,1-kWh-Lithium-Ionen-Akkus für eine elektrische Reichweite von mehr als 40 Kilometer reichen. Daraus resultieren ein Kraftstoffverbrauch laut WLTP-Norm von etwas mehr als zwei Litern und ein CO2-Ausstoß, der unter 50 Gramm pro Kilometer liegt. Damit wären gleich beide Bedingungen erfüllt, um in den Genuss der Elektroprämie von 3000 Euro zu kommen. Wer den Wagen beruflich nutzt, muss statt einem nur 0,5 Prozent des Bruttolistenpreises versteuern.

Tatsächlich zeigte der Bordcomputer nach einer keinesfalls bewusst auf Sparsamkeit, allerdings auch nicht sportlich ausgelegten Fahrweise über eine Distanz von knapp 50 Kilometern mit einer Mischung aus Autobahn, Landstraße und Stadtverkehr einen Verbrauch von 2,9 Litern an. Der zuvor voll aufgeladene Akku aber war so gut wie leer. Das aktivierte Navigationssystem hilft, um auf einen solchen Wert zu kommen. Schließlich wird nach einem elektrischen Start automatisch auf den Hybrid-Modus umgeschaltet und das System passt das Tempo - bis 135 Kilometer pro Stunde (km/h) kann der Wagen rein elektrisch fahren - vorausschauend auf Topografie sowie Verkehrsgegebenheiten an. Die Aufladezeit der unter dem Ladeboden installierten Batterie liegt an einer Haushaltssteckdose bei etwa sieben, an einem 400-Volt-Anschluss bei 2,5 Stunden.

Wer sich für diesen Antrieb im Q5 entscheidet, muss mindestens 61.350 Euro berappen. Audi bietet jedoch auch eine Version mit einer Systemleistung von 299 PS an, die ab 53.850 Euro in der Preisliste steht.

Während im A7, im kommenden Jahr ebenfalls im A6 und A6 Avant, identische Plug-in-Systeme wie im Q5 zum Einsatz kommen, haben A8 und Q7 eine Kombination aus Dreiliter-Sechszylinder-TFSI und E-Motor unter der Haube, was zu Systemleistungen von 449 PS, beziehungsweise 456 PS führt. Außer für den A6 folgen 2020 zudem Plug-in-Varianten für den Q3, den Q3 Sportback sowie die neue Generation des A3.

Bei der Produktion von Elektroautos nutzt Audi Konzernsynergien. Vier Baukästen stehen dafür zunächst zur Verfügung Der bereits auf den Straßen rollende Audi e-tron steht auf einer adaptierten Basis des Modularen Längsbaukastens (MLB evo). 2020 folgt das Serienmodell des Sportwagens Audi e-tron GT concept, das als Schwestermodell des Taycan in enger Partnerschaft mit Porsche auf der J1-Performance-Plattform gebaut wird.

Für 2021 hat Audi die Serienversion des auf dem Genfer Autosalon erstmals gezeigten Q4 e-tron concept angekündigt. Das Modell wird auf dem Modularen Elektrifizierungs-Baukasten (MEB) gemeinsam mit dem VW ID.3 und einem elektrischen Seat (el born) in Zwickau gebaut und ist so etwas wie der Einstieg in die elektrische Welt der vier Ringe. Auf der MEB-Plattform, die Volkswagen für den gesamten Konzern konzipiert hat, wird Audi anschließend unterschiedliche Kompakt- und Mittelklasse- Modelle aufsetzen. Für die elektrischen Oberklasse- und Luxusmodelle nutzt Audi die gemeinsam mit Porsche entwickelte PPE-Architektur (Premium Platform Electric), die mit ihrem Layout zahlreiche Hightech-Technologien realisierbar macht. Auf Dauer wird sich der VW-Konzern über alle Marken hinweg auf MEB und PPE beschränken.

Audi will für nachhaltige Mobilität sowie weitere Innovationsfelder bis Ende 2023 etwa 14 Milliarden Euro investieren. Außer für Entwicklung und Produktion der neuen elektrischen Modelle fließen Gelder in Personalqualifizierung und Vertrieb. Josef Schön aus der Unternehmensstrategie: „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, den gesamten Lebenszyklus der Audi-Modelle schrittweise CO2-neutral zu gestalten - von der Rohstoffgewinnung über die Produktion und die Nutzung bis zur Verwertung und die Umstellung auf erneuerbare Energien. 2025 soll der Fußabdruck der Fahrzeugflotte an Treibhausgasen den Vergleichswert von 2015 um 30 Prozent unterschreiten.“ Bis spätestens 2050 will Audi an allen Standorten weltweit bilanziell CO2-neutral arbeiten.

(amv)