Brühl/Duisburg: Akku als Extra: Ungewöhnliche Vertriebskonzepte für E-Mobile

Brühl/Duisburg: Akku als Extra: Ungewöhnliche Vertriebskonzepte für E-Mobile

6990 Euro für einen elektrischen Stadtflitzer mit zwei Sitzplätzen, 45 km/h Höchstgeschwindigkeit und eine Reichweite von 100 Kilometern - auf den ersten Blick ist der ab Frühjahr 2012 lieferbare Renault Twizy damit fast ein Schnäppchen.

Doch die Sache hat einen Haken: Für diesen Preis kann beim Renault-Händler niemand vom Hof fahren. Denn dem Elektroflitzer fehlt der Akku. Den gibt es bei den Franzosen nur zur Miete, so dass pro Monat noch einmal 45 Euro anfallen.

Mit diesem Konzept, das Renault zu anderen Preisen auch auf die Elektroversionen von Kangoo und Fluence sowie auf den batteriebetriebenen Kleinwagen Zoe übertragen will, sind die Franzosen nicht alleine. Auch den elektrische Smart ED, der im nächsten Jahr in den Handel kommt, wird Daimler zumindest auf Wunsch mit einem Mietakku anbieten. „Bei uns hat der Kunde die Wahl, ob er das ganze Auto kauft oder den Akku bewusst ausschließt”, sagt Pressesprecherin Sprecherin Eva Wiese.

Mitsubishi oder Citroën verkaufen ihre elektrischen Kleinwagen i-Miev und C-Zero ganz regulär. Den baugleichen iOn von Peugeot gibt es als Komplettfahrzeug dagegen nur im Leasing. Und auch den zum elektrischen Einser umgebauten BMW ActiveE kann man laut Pressesprecher Tobias Hahn nicht kaufen: „Das ist ein Fahrzeug für den Flottenversuch und wird für einen Monatsbetrag vermietet.”

Was bei einem konventionellen Fahrzeug undenkbar wäre, ist bei den Elektromobilen offenbar gerade in Mode: „Hier wird derzeit nicht nur die Technik getestet, sondern die Hersteller experimentieren auch mit ihren Verkaufsstrategien”, erläutert der Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.

Eine andere dieser Strategien sieht so aus: Dem Kunden wird das Auto ohne Akku verkauft, die Batterie erhält er an einer Wechselstation. Dort werden die leeren Zellen von einem Robotersystem gegen volle getauscht. „Das dauert keine drei Minuten und geht schneller als Tanken”, erläutert der Gründer der Firma Better Place, Shai Agassi. Allerdings hat Better Place als weltweit einziger Anbieter seiner Art in Deutschland noch nicht mit dem Bau entsprechender Stationen begonnen. Und zweitens gibt es bislang kein kompatibles Auto für dieses Wechselsystem.

Den Verkauf von E-Autos nach dem bewährten Schema der Verbrenner hält Automobilwirtschaftler Dudenhöffer dennoch für wenig erfolgversprechend: „Im Preisvergleich gegenüber konventionellen Fahrzeugen wirken die Stromer dann gleich ungeheuer teuer.” Zum Beispiel der elektrische Opel Ampera plagt sich mit einem hohen Einstiegspreis herum: Obwohl kaum größer als ein Astra, kostet er mit mindestens 42 900 Euro mehr als das Flaggschiff Insignia. Und der Nissan Leaf wird vermutlich über 35 000 Euro kosten und damit fast doppelt so viel wie ein in der Größe vergleichbarer Qashqai.

Erschwerend kommt die mangelnde Erfahrung mit der Lebensdauer der Batterien hinzu. Deshalb könne auch der Wiederverkaufswert des Autos nur schlecht eingeschätzt werden, so Dudenhöffer. Um solche Nachteile weiß auch Renault-Chef Achim Schaible. Bewusst ist ihm auch der mögliche Memory-Effekt, ein Kapazitätsverlust des Akkus, der zu Einbußen bei der Reichweite führen könne. Den Vorwurf der Preiskosmetik beim Mietkonzept weist er von sich: Die Trennung zwischen Akku und Auto sei sogar notwendig, um den Kunden größtmögliche Sicherheit zu geben. Wenn der Akku Schaden nehmen sollte, die Reichweite sinkt oder irgendwann neue Technologien verfügbar sind, könne die Batterie beim Händler problemlos ausgetauscht werden.

Dudenhöffer sieht in der Strategie von Renault aber einen entscheidenden Nachteil: Bei diesem Modell werde der Preisvorteil von Strom gegenüber Sprit wegen der hinzukommenden Miete nicht voll ausgeschöpft. Für den Experten wäre es sinnvoller, Akkus und Energie in einem „Rundum-Sorglos-Paket” zusammen zu vertreiben. Dem Modell mit der Mietbatterie von der Wechselstation räumt Dudenhöffer ebenso nur geringe Marktchancen ein. Mit der Umsetzung gehe es bislang nur äußerst schleppend voran.