Kreis Düren: „Queens Duo“ spielt und lebt die Musik

Kreis Düren: „Queens Duo“ spielt und lebt die Musik

Der Name Johann Sebastian Bach (1685-1750) hat bei Liebhabern barocker Musik einen guten Klang, vertrauenswürdig, mit verlässlichen Wurzeln. Die Sonate g-Moll im Programm des Konzerts der Vereinigten Industrieverbände von Düren, Jülich Euskirchen und Umgebung firmiert auch unter dem Namen Johann Sebastian Bach, Bachwerkeverzeichnis (BWV) 1020.

Flötistin Verena Beatrix Schulte klärte diesen kleinen Irrtum nach der Interpretation mit der Harfenistin Hanna Rabe schmunzelnd auf. Denn heute wisse man, dass diese Sonate wahrscheinlich aus der Feder Carl Philipp Emanuel Bachs stammt. Ein Sohn des Altmeisters hat sie vermutlich komponiert.

Freudig und selbstbewusst

Die Performance der Künstlerinnen war von Beginn an freudig und selbstbewusst, die Verschmelzung mit der Musik steigerte sich im Verlaufe des Konzertes. Harfenistin Hanna Rabe war verständlicherweise an die Harfe gebunden, während Flötistin Verena Beatrix Schulte mit empathischer Körpersprache und ausdrucksvoller Mimik eindrucksvoll die Botschaften der Tonsetzer an die Männer und Frauen im Haus der Stadt überbrachte. Die große Harfe, im Volksmund oft als „himmlisches Instrument“ besungen, beeinträchtigte aber Hanna Rabes expressive Mimik in keiner Weise. In der wechselnden Moderation erzählten die Musikerinnen über die Komponisten und ihre Werke.

So konnten sich die Gäste bei Claude Debussys (1862-1918) „Prélude à l‘après-midi d‘un faune“, für Flöte und Harfe arrangiert, bildhaft einen märchenhaften Garten vorstellen, in dem ein Faun seinen Tagträumen nachhängt.

In Camille Saint-Saëns‘ (1835-1921) „Fantasie op. 124“, ebenfalls für Flöte und Harfe bearbeitet, erzählen die Instrumente kleine Geschichten in verschiedenen Tempi, von den Musikerinnen mit Engagement und Charme vorgetragen.

In seiner siebensätzigen Suite „The Garden of Adonis“ gelang dem Komponisten Alan Hovhannes (1911-2000) eine gekonnte Mischung verschiedener Kulturen. Asiatische und europäische Musikgenres haben Spuren hinterlassen.

Der Dritte im Bund der französischen Komponisten an diesem Abend war André Caplet (1878-1925). Bei „Deux Petites Pièces“, in „Dur-Moll-Tonalität, ursprünglich für Flöte und Klavier geschrieben, durchleiden die Hörer Freude, Melancholie und wieder Freude. Wie auf einem Karussell werden sie durch Tiefen und Höhen des Lebens geleitet.

Den Abschluss vor den zahlreichen Zugaben setzten Schulte und Rabe mit der „Casilda-Fantasie“ von Albert Franz Doppler (1821-1883) und Antonio Zamara (1829-1901). Der Inhalt der Komposition ist einer — von ihrem Wert her zu vernachlässigenden — Oper entliehen. Doppler und Zamara allerdings haben zu diesem Inhalt ein Werk voller versöhnlicher Melodien mit lyrischer Stimmung geschrieben, Wohlgefühl für den Heimweg der Besucher.

Die Zuhörer erlebten im Haus der Stadt ein Gesamtkunstwerk aus technischem Können und leidenschaftlichem Engagement, verkörpert von zwei Musikerinnen, die in ihrer Authentizität verzauberten.

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